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Aktienkauf mit Ratenkredit und Wertpapierkredit ­– Kombination der Götter

Junge Leiter Himmel

Lediglich mit einem Wertpapierkredit zu hebeln finde ich zugegebenermaßen relativ bescheuert. Wie in einem Artikel davor gezeigt, funktioniert das Ganze auch hervorragend mit einem Annuitätendarlehen. Beide Kreditarten haben so ihre Vorteile, daher meine Lösung:

Ich kombiniere einfach beides. Frech, oder?

Ich nehme einen Ratenkredit auf und kombiniere das Ganze mit einem Wertpapierkredit.

Wieso?

Nehmen wir an ich habe fleißig gespart und mittlerweile Eigenkapital in Höhe von 55.000 € in meinen ETFs…

Gliederung der Artikelserie ETFs auf Kredit.
  1. Einleitung Artikelserie: ETFs auf Kredit
  2. Ausgangssituation: Mit wenig Kapital zum dicken Depot
  3. Aktien kaufen mit Wertpapierkredit – ich bin nicht irre!
  4. ETFs mit Annuitätendarlehen: harte Zahlen
  5. Blitzupdate zum ETF-Kauf auf Kredit
  6. Mein neues Leben auf Pump und erstaunliche Wahrscheinlichkeiten
  7. Aktienkauf mit Ratenkredit und Wertpapierkredit ­– Kombination der Götter
  8. Haus auf Kredit? Nö, aber Aktien – knallharter Vergleich
  9. Meine Erfahrung – Kredit aufnehmen als Student
  10. Der Fernseher auf Raten macht mich reich
  11. Ultimative Selbsttilgungstabelle 1 – ETFs auf Kredit
  12. Break-even: Aktienrendite vs. Zinssatz beim Investmentkredit
  13. Selbsttilgungstabelle 2
  14. Break-even 2
  15. Mein größtes Problem beim Investieren auf Kredit
  16. Meine Entscheidung: Investiere ich auf Pump?

…Wenn ich einen schönen Hebel ansetzen möchte, der sich auch lohnt, nützt es wenig, nur mit 5 % oder 10 % Fremdkapital zu hebeln. Wie hier aufgezeigt, ist die größte Tücke eines Wertpapierkredits, dass man Geld nachschießen muss, sollte der Aktienmarkt temporär einbrechen. Die kleine Krücke mit dem ansteigenden Zinssatz ist eher unbedeutend, solange nicht riesige Summen an Wertpapierkredit aufgenommen werden. Denn so kann die Summe in absehbarer Zeit abbezahlt werden.

So, ich habe also 55.000 € an Eigenkapital. Möchte ich ein Depot in Höhe von 75.000 € haben, müsste ich zusätzlich 20.000 € Fremdkapital einsetzen.

Das sind etwa 27 % Fremdkapital.

Sollte es zu einem Crash (z.B. -80 %) kommen, hätte ich bei 75.000 € noch 15.000 € im Depot. Bei einer Beleihungsgrenze von 50 % haben diese bei der Bank einen Wert von 7.500 €. Das heißt, ich dürfte maximal 7.500 € Wertpapierkredit aufnehmen ohne Geld nachschießen zu müssen. Und das bei einem krassen Crash von -80 %. Dieser Fall ist nicht komplett unrealistisch, weiter runter als diese 80 % sollte es aber (bezogen auf historische Daten) keinesfalls gehen. Wir sind mit diesen 7.500 € also „ziemlich safe“, was die Nachschusspflicht angeht. Das sind dann 10 % des Depotwertes, die mittels Wertpapierkredit finanziert werden.

Ein kleines “Merke”: Mit 10 % Wertpapierkredit des Gesamtdepots ist die Nachschusspflicht so gut wie ausgeschlossen.

Damit ist meine größte Sorge ausgeschaltet: Dass ich Geld nachschießen muss, das ich nicht habe.

Wo kommen jetzt allerdings die restlichen 12.500 € her, mit denen ich einen recht stattlichen, aber nicht übertriebenen Fremdkapitalanteil aufrechterhalten möchte?

Ich nehme zusätzlich noch einen Ratenkredit (bzw. genauer: ein Annuitätendarlehen) auf!

Großer Vorteil: Margin Calls sind bei Ratenkrediten ausgeschlossen, selbst wenn es den dicksten Crash aller Zeiten geben sollte. Kleiner Nachteil: Ich darf es nicht übertreiben, da ich regelmäßige Raten zu bezahlen habe. Und diese sollen nicht unendlich hoch werden. Vor allem in Hinblick auf meine recht unsichere Zukunft, was Studium, Job usw. angeht.

Noch einmal: Ob sich das Investment auf Kredit im Vergleich zu einem Investment ohne Kredit lohnen wird, kann niemand voraussehen. Das ist außerhalb meiner Macht. Was aber in meiner Macht ist: Dass ich mich nicht ruiniere und den Cash-Flow im Griff habe. Das ist das Wichtigste. Und da wirkt die Selbsttilgung unterstützend – wie im Folgenden dargestellt.

Ganz konkret: Das Modell Aktienkauf auf Wertpapierkredit und Ratenkredit

He!
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75.000 € Depot mit etwa 27 % Fremdkapital.

Wir nehmen eine Ausschüttungsrendite von 1,5 % an, die bisher bei meinem Studenten Depot in etwa hinkommt. Den Wertpapierkredit gibt es momentan ab 1,25 %, wir nehmen mal 2 % an. Ratenkredite gibt es für mich in etwa ab 2 %.

Ausschüttungen (Depot 75.000 €)

+ 1125 € (93,75 € monatlich)

2 % Zinsen Wertpapierkredit (7.500 €)

– 150 € p.a. (12,5 € monatlich)

Zins und Tilgung Ratenkredit 7 Jahre (12.500 €)

– 1915,08€ p.a. (159,59 € monatlich)

Also -940,08 € im Jahr und entsprechend -78,34 € im Monat.

Die monatliche Belastung von 172,09 € wird durch die Ausschüttungen auf etwa 80 € gedrückt. Es wird also etwa die Hälfte durch das Depot selbst bezahlt. Und die 80 € sollten stemmbar sein. Auch wenn ich nochmal studieren sollte. Im Hinterkopf sollte ich behalten, dass Ausschüttungen nicht unbedingt in gleicher Höhe bestehen bleiben müssen. Grundsätzlich ist zwar zu beobachten, dass sich die Höhe der Ausschüttungen über die Jahre steigert, durch kurzzeitige Kursrücksetzer oder ähnliches sollte ich aber nicht direkt privatinsolvent werden. Das lohnt sich nicht. 😀 Also: Auch wenn ich damit rechne, dass von den 80 € zukünftig vielleicht nur noch 50 € aus „eigenen Mitteln“ gedeckt werden müssen, darf ich mich nicht darauf verlassen.

Das hört sich irgendwie nach lächerlichen Sümmchen an. Aber ich weiß, dass manche Studenten auch damit zu kämpfen hätten – ich bislang glücklicherweise noch nicht.

Hier nochmal was Ratenkredite in etwa kosten – abhängig von Bonität und so weiter. Also: Wer sich darüber ernsthaft Gedanken macht, sollte auf jeden Fall erst mal anfragen und schauen, ob er in die Region von 2 – 3 % kommt. Bei 7, 8 oder 9 % Zinsen kann man noch so viel rechnen. Es wird sich nicht lohnen.

Warum diese Kombination aus Wertpapierkredit und Ratenkredit?

Ich möchte mich in keine unangenehme Lage bringen. Ein Crash wird schon hart genug werden (siehe So verzweifelte ich im Börsencrash – Erfahrungsbericht) und das System muss (für mich) ohne blitzartige Reaktionen funktionieren – ich kann keine Margin Calls gebrauchen. Ich brauche die Sicherheit: Ich bezahle schön meine monatlichen Raten und muss nicht plötzlich Geld nachschießen, wenn die Märkte einbrechen. Der Wertpapierkredit hat den Vorteil, dass die monatliche Belastung ziemlich niedrig ist und ich ihn theoretisch gar nicht abbezahlen muss. Die Bezahlung der Zinsen erfolgt ganz problemlos aus den Ausschüttungen des Gesamtdepots. Der Ratenkredit dagegen hat den Vorteil, dass der Fremdkapitalanteil ganz ohne das Risiko von Margin Calls erhöht werden kann. Der Nachteil ist natürlich die vergleichsweise hohe monatliche Belastung.

Ganz klar ist: Ich kann nicht zwingendermaßen mit Ausschüttungen in dieser Höhe rechnen. Ich sollte es also auch irgendwie hinbekommen, monatlich mal 150 € aus „eigenen Mitteln“ zu bezahlen ohne dass ich unbedingt auf die Ausschüttungen angewiesen bin.

Die Steuern sind hier noch nicht berücksichtigt! Diese werden auch nur anteilig fällig (Freistellungsauftrag, Sparerpauschbetrag bis 801 €). Das wird sich nicht extrem auf die Ausschüttungen auswirken, merken wird man es bei diesen Beträgen aber trotzdem ein wenig.

Was ist mein Abbruchszenario?

Bei den Ratenkrediten gibt es grundsätzlich mal kein Abbruchszenario. Ist ein Ratenkredit abgeschlossen, ist das in Stein gemeißelt. Und das sollte mir bewusst sein.

Für mich habe ich momentan entschieden: Ich werde anfangen, den Wertpapierkredit zu tilgen, wenn der Zinssatz des Wertpapierkredites 4 % übersteigt.

Da nützt es einfach kaum mehr etwas, auch wenn die rechnerische Rendite des Aktienmarktes bei etwa 7 % liegt. Für diese „Peanuts“, die ich dabei als Vorteil habe, brauche ich mich jedoch in keine Abhängigkeit begeben. Auch wenn sie noch so klein sein mag.

Da mein Vorhaben einschließt, dass ich immer wieder Ratenkredite aufnehme, muss ich auch hier eine Grenze bestimmen. Das Thema wird in einem folgenden Artikel noch behandelt, wo dieser „Break-even“ genauer betrachtet wird. Da versorge ich Euch dann auch mit Excel-Tabellen und anderen schönen Dingen, damit es klare Zahlen gibt. Ich kann aber schon mal verraten, dass es wohl auch hier etwa die Region von 4 % sein wird, ab der ich für mich eine Grenze setze.

Wie gestalte ich meinen Puffer?

Tja, das ist die Frage. Im letzten Artikel der Artikelserie bin ich darauf eingegangen, dass es rechnerisch wesentlich besser ist, einen kleinen Puffer zu haben und den Rest in Wertpapiere anzulegen. Sollte dann eine größere Ausgabe hinzukommen, könnte der Wertpapierkredit in Anspruch genommen und die Ausgaben damit gestemmt werden.

Denn: Wenn ich schon auf Kredit investiere, macht es wohl wenig Sinn, zum Beispiel einen Wertpapierkredit über 3.000 € laufen zu haben und daneben noch einen Puffer von 5.000 € aufrechtzuerhalten. Dann könnte ich doch lieber 3.000 € vom Puffer zum Investieren nehmen, keinen Wertpapierkredit haben, trotzdem die gleiche Summe im Depot haben und nur dann, wenn tatsächlich eine größere Ausgabe ansteht, den Wertpapierkredit in Anspruch nehmen.

Ein kleiner Puffer wäre rechnerisch natürlich besser, bringt allerdings wieder etwas Unsicherheit mit sich. Da muss ich noch genau abwägen, wie hoch der Puffer letztendlich ausfallen soll.

Also statt zum Beispiel 75.000 € Depot, 5.000 € Wertpapierkredit und 7.000 € Puffer umstellen auf 75.000 € Depot, 0 € Wertpapierkredit und 2.000 € Puffer. Durch den hohen Depotwert wäre dann auch ein Autokauf mittels Wertpapierkredit kein großes Problem mehr, da Margin Calls bei diesem kleinen Wertpapierkredit sehr unwahrscheinlich sind.

Sehr wichtig: Was muss man sich beim Puffer immer vor Augen halten?

Wie in diesem Artikel aufgezeigt, mache ich bei 10.000 € in 7 Jahren etwa 2.300 € mehr Gewinn, wenn ich mittels Ratenkredit investiere, als bei einem Sparplan ohne Ratenkredit. Mit einer Einmalanlage mit Eigenkapital mache ich dagegen etwa 6.000 € Gewinn. Man könnte also ganz grob sagen: Mit Eigenkapital mache ich in etwa 3x so viel Gewinn wie mit Fremdkapital. Tja, das ist nach meiner ganzen „Euphorie“ erst mal schwer zu verdauen, denn:

Wenn ich 2.000 € aus meinem Puffer entnehme und dieses Geld investiere, ist das Ergebnis fast äquivalent mit 6.000 € Ratenkredit, den ich investiere. Es wird also wenig nützen, wenn ich nun einen Ratenkredit in Höhe von 12.500 € in Anspruch nehme und dafür (aufgrund meines Sicherheitsbedürfnisses) meinen Puffer um 4.000 € aufstocke. Denn das Ergebnis ist fast das gleiche – siehe Dynamische Investitionsrechnung – easy erklärt.

Kleines Schlusswort

Ja, man kann beim Szenario „unerwartete Ausgaben“ auch Rahmenkredit oder Dispo nutzen. Möglicherweise lasse ich mir diese auch extra noch zusichern – nur für den Notfall. Ich muss sie ja nicht nutzen. Diese haben dann allerdings wesentlich höhere Zinssätze und die Finanzstruktur wird immer unübersichtlicher. Ich bin ja ohnehin kein großer Fan von Wertpapierkrediten, sodass ich diesen keinesfalls ausreizen möchte, um dann eventuell sogar noch on top einen Dispo ausreizen zu müssen.

Eines muss mir immer klar sein: Ich stehe noch am Anfang meiner finanziellen Karriere. Aus diesem Grund ist es wichtig, keine kapitalen Fehler zu begehen. Kann sich dieses Vorgehen zu einem Kapitalfehler entwickeln?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich in keine Probleme stürzen werde, wenn ich voraussichtlich monatliche 80 € zahlen muss. Dafür, dass ich ein Depot in Höhe von 75.000 € habe, einen Fremdkapitalanteil von etwa 27 % und (wahrscheinlich) sehr viel über Investieren, Kredite, den Aktienmarkt und vor allem auch über mich selbst lernen werde.

Hört sich naiv an? Dann kritisiere mein Vorhaben bitte!

Hört sich plausibel an? Dann freue ich mich natürlich auch über Zustimmung.

Dein Depotstudent Dominik

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3 Kommentare

  1. Gutes Konzept.
    Steuer: 801€ Sparerpausch / 0,7 Teilfreistellung => 1.144€ / 0,016 Ausschuettung => 71.518€ ist die Schwelle zur Steuerpflicht bei Ausschuettern, darueber ggfls auf Thesaurierer switchen?
    Viel Glueck! (bei den kl. Summen kann eigentl. nix passieren)

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