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Finanztipps für Soldaten: bundeswehr-pflegepflicht.de im Interview

bundeswehr-pflegepflicht.de Startseite
Depotstudent Dominik
4.9
(7)

Liebe Depotstudent-Leserschaft, heute habe ich einen spannenden Interview-Gast mitgebracht!

Stefan Heusinger betreibt bundeswehr-pflegepflicht.de – ein Expertenportal für die Absicherung von Soldaten mit dem dazugehörigen YouTube-Kanal. Er gibt uns Einblicke in die besondere finanzielle Situation von Soldaten und zeigt uns, auf was es bei der Absicherung wirklich ankommt.

… und da er selbst viele Jahre lang Offizier bei der Bundeswehr war, kann er natürlich besonders pragmatische Tipps liefern.

Viel Spaß mit dem Interview!

Hallo Stefan, herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview nimmst! Stelle Dich und bundeswehr-pflegepflicht.de doch gerne vor.

Klar! Ich bin Stefan, ich war 13 Jahre Offizier bei der Bundeswehr und habe nach meinem Dienstzeitende die Informations- und Vorsorgeplattform bundeswehr-pflegepflicht.de geschaffen. Denn während meiner Dienstzeit ist mir oft aufgefallen, dass im Internet viele Informationen rund um die Bundeswehr und insbesondere zu Absicherungsthemen veraltet oder sogar falsch sind. Seriöse und professionelle Plattformen sind rar gesät. Mein Anspruch ist daher, Soldaten echte Praxis-Tipps aus meiner Erfahrung während und nach ihrer Karriere bei der Bundeswehr zu geben. Außerdem bieten wir natürlich einen One-Stop-Shop für Versicherungen und Vorsorge von Soldaten mit exzellentem, digitalem Service.

Der Dienst bei der Bundeswehr ist in vielerlei Hinsicht herausfordernd. Was ist aus finanzieller Perspektive an der Situation von Soldaten einzigartig und unterscheidet sie von Zivilisten?

Soldaten zahlen während ihrer Dienstzeit keine Krankenversicherungs-, Sozial- oder Rentenversicherungsbeiträge. Entsprechend bleibt viel Netto vom Brutto übrig. Junge Soldaten verdienen gerade zum Berufseinstieg daher häufig mehr als Menschen im vergleichbaren Alter in zivilen Berufen. Beispielsweise verdient ein frischer Abiturient bereits über 2400€. Hier trifft dann hohes Einkommen auf erhöhte Berufsrisiken wie Dienstunfähigkeit. Um dies abzufangen, räumt der Staat Soldaten eine Vorsorgepauschale ein, die steuerlich geltend gemacht werden sollte. Soldaten haben also finanzielle Mittel, die sie klug einsetzen sollten. So haben Soldaten u.a. die Möglichkeit sich selbst pflegezuversichern oder sich um eine passende Dienstunfähigkeitsversicherung zu kümmern.

Was junge Soldaten oft unterschätzen, ist, dass sich die finanzielle Situation mit dem Dienstzeitende in der Bundeswehr ändert, daher ist langfristige finanzielle Planung unabdingbar.

Der überwiegende Großteil der Bundeswehrsoldaten hat einen ,,Zeitvertrag”. Es gibt also ein Leben vor, während und nach der Bundeswehr, was unbedingt Beachtung finden muss.

Soldat auf Zeit, Anwärter, Berufssoldat, Reservist & Co: Kannst Du uns etwas Klarheit im Dschungel der Bundeswehr-Begrifflichkeiten schaffen? Und inwieweit ist das wichtig für die richtige Absicherung?

Reservisten sind eigentlich zivile Arbeitnehmer oder auch Beamte, die nur kurzfristig ihren Dienst in der Reserve bei der Bundeswehr leisten. Die meisten waren irgendwann zuvor Zeit- oder Berufssoldat und leisten jetzt nur noch temporär Dienst in der Bundeswehr, z.B. einmal im Jahr für zwei Wochen.

Freiwillig Wehrdienstleistende leisten ihren Dienst zwischen 6 bis 23 Monaten. Die meisten überbrücken z.B. die Zeit zwischen Abi und Studium oder wollen mal ,,reinschnuppern”, um evtl. später Zeitsoldat zu werden.

Zeitsoldaten – die größte Gruppe in der Bundeswehr – sind oft nur für einen begrenzten Zeitraum (2 bis max. 25 Jahre) bei der Bundeswehr und erhalten grundsätzlich dieselben Dienstbezüge wie auch Berufssoldaten. Allerdings ist hier dann bei einem gewissen Dienstgrad oder beim Ablauf der Verpflichtungszeit Ende.

Berufssoldaten waren auch Zeitsoldaten, die sich besonders bewiesen haben und sind Beamten gleichgestellt. Sie erhalten nach Erreichen der sog. besonderen Altersgrenze dann auch eine Pension.

Ihr bietet sowohl ein Informationsportal als auch persönliche Beratung. Gibt es Absicherungslücken, welche bei Euch in der Beratung besonders häufig zum Vorschein kommen?

Der Beruf obliegt zahlreichen Besonderheiten, Gesetzen und Regularien. In der Praxis gibt es also einige Punkte, die man unbedingt beachten sollte.

Allen voran ist das die Dienstunfähigkeitsversicherung. Soldaten können von Amtswegen entlassen werden und haben anders als zivile Arbeitnehmer dann keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Wer dienstunfähig wird, ist aber nicht automatisch auch berufs- oder arbeitsunfähig. In der Praxis ist man dann aus der Bundeswehr entlassen und hat kein regelmäßiges Einkommen mehr – eine große Versorgungslücke, auf unbestimmte Zeit. Daher sollte man unbedingt auf das versicherte Rentenalter und die Rentenhöhe achten. Nur wenige Versicherungsgesellschaften bieten hier attraktive Konditionen für Soldaten. Es ist teilweise erschreckend, wie viele Soldaten falsche und völlig unpassende Policen abschließen, weil die Berater in Bezug auf die Bundeswehr ahnungslos sind aber nicht auf die Provision verzichten wollen.

Einige Soldaten haben auch keine Pflegeversicherung, die zwingend nachgewiesen werden muss, weil Soldaten nicht automatisch in der gesetzlichen Pflegeversicherung versichert sind. Das gibt dann Probleme beim Wiedereintritt ins Zivilleben, wenn in die gesetzliche oder private Krankenversicherung zurückgewechselt wird. Hohe Nachzahlungen und Papierkrieg sind dann die Folge.

Ein bewussterer Umgang mit ihren Geld Ein- und Ausgängen würde vielen Soldaten sicherlich auch gut tun. Da ist unser Rat immer: Lebensstandard langsam anpassen und nicht mit jeder Beförderung einen neuen Handyvertrag abschließen.

Welche finanziellen Risiken werden bei Soldaten generell oft unterschätzt?

Das ist vor allem das Thema Dienstunfähigkeit – dass der Dienstherr von sich aus sagt, dass der Soldat entlassen wird, weil er nicht mehr fähig ist, seinen Dienst zu leisten. Und oftmals auch der Punkt, dass der Lebensstandard gewachsen ist und die Soldaten diesen Lebensstandard dann nicht mehr halten können, weil sie nicht vorgesorgt haben. Ich habe in meiner Funktion und Zeit als Disziplinarvorgesetzter bei der Bundeswehr einige Soldaten wegen Dienstunfähigkeit entlassen müssen. Das Risiko ist also alles andere als abstrakt sondern ganz alltäglich in der Bundeswehrpraxis.

Haben Auslandseinsätze oder Versetzungen besondere Auswirkungen auf die finanzielle Absicherung?

Die Bundeswehr hat in den letzten Jahren eine Transformation vollzogen – die großen Auslandseinsätze Mali und Afghanistan gibt es nicht mehr. Kleinstkontingente und mehrmonatige Übungsplatzaufenthalte an der NATO-Ostflanke sind jetzt eher die Regel und bestimmen den Soldatenalltag.

Soldaten sollten natürlich je nach Familienstand bei einem Auslandseinsatz an ihre Liebsten denken. Hier insbesondere in Bezug auf die Dienstunfähigkeitsversicherung, eventuell sollte man auch eine Risikolebensversicherung zumindest temporär abschließen, wenn z.B. Immobilienkredite vorhanden sind.

Ebenso erhöht natürlich auch häufiges Pendeln insgesamt das Berufsrisiko für psychische und physische Langzeitfolgen. Die meisten werden aufgrund ihrer Psyche dienstunfähig, das betrifft auch die ,,harten Jungs”- niemand ist davor gefeit.
Der Soldatenberuf hat einfach grundlegend einen erhöhten Absicherungsbedarf. Wer dem Rechnung trägt und sich gut beraten lässt, braucht auch bei Einsätzen nicht immer automatisch neue Verträge.

Was passiert mit Versicherungen und Altersvorsorge, wenn Soldaten nach der Dienstzeit in den zivilen Arbeitsmarkt wechseln?

Viele Versicherungen können erstmal grundsätzlich übernommen werden. Hier besteht nicht sofortiger Anpassungsbedarf. Die Dienstunfähigkeitsversicherung läuft bei den relevanten Gesellschaften auch automatisch in eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit ähnlicher Absicherung über. Darauf achten wir immer besonders: Produkte, die langfristig für den Soldaten Sinn ergeben.

Die Bundeswehr übernimmt für Zeitsoldaten beim Dienstzeitende eine Nachzahlung des Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteils in gesetzliche Rentenkasse. Ein sehr guter Anfang, in der Praxis muss dennoch frühzeitig die Rentenlücke durch private Vorsorge geschlossen werden.

Beim Rückgang ins Zivile beraten wir Soldaten auch zur Wahl der Krankenversicherung. Ein Thema, das dann neu für viele Soldaten ist, weil sie zuvor die freie Heilfürsorge der Bundeswehr hatten- keine freie Arztwahl aber dafür auch keine Beiträge.

Du warst selbst viele Jahre bei der Bundeswehr: Könnt Ihr Euren Kunden in der Beratung daher besonders passende Lösungen bieten?

Absolut, und wir wissen wirklich aus der Praxis, welche Versicherungen im Zweifel zahlen und wo es Probleme geben kann. Vieles ist jahrelanges Erfahrungswissen, das sich aus der Praxis ergeben hat, nachdem man viele Soldaten beim Diensteintritt und Dienstzeitende begleitet hat. Das lässt sich im Tarifwerk einer Versicherung natürlich nicht herauslesen, sodass man mit diesem Wissen einem klassischen Versicherungsvertreter oder ,,Wald- und Wiesenmakler” einiges voraus hat.

Besonders schön ist auch, dass wir unseren Kunden mit allem Möglichen zur Seite stehen können. Sei es die Formulierung eines Dienstzeugnisses, Hilfe bei einem Versetzungsantrag oder auch ein Rat im Disziplinar- oder Beschwerdeverfahren. Davon profitieren vor allem auch die erfahreneren ,,Bestandssoldaten”, die mit allgemeinen Standardtipps nicht weiterkommen.

Ein kleiner Ausblick: Wo kann die Reise bei Euch noch hingehen? Oder seid Ihr mit Eurer Mission bereits am Ziel angekommen?

Wir versuchen allen voran eine breite Informationsbasis mit sinnvollen Inhalten aus echten Diensterfahrungen bereitzustellen. Bei Bedarf können Interessierte sich dann auch in der Tiefe informieren.
Viele wichtige Themen gehen immer wieder verloren, weil Zeitsoldaten innerhalb der Bundeswehr durch den Dienstherrn oft keine wirklich gute Beratung erfahren.

Da passiert leider oft nicht mehr als das Minimum. Die Standardvorträge in den Grundausbildungskompanien sind inhaltlich nicht mehr an die tatsächliche Lebensrealität von Soldaten im Jahr 2025+ angepasst und ausscheidende Zeitsoldaten verlassen die Bundeswehr. Dadurch geht naturgemäß die beim Ausscheiden gemachte Erfahrung verloren und jeder fängt dann vor seinem Dienstzeitende wieder von vorne an, sich mühsam durchzufragen.
Wir wollen den Zeitsoldaten vor, während und zum Ende ihrer Dienstzeit gute, belastbare Informationen bieten, eine solide Anlaufstelle sein und natürlich so auch langfristig zufrieden Kunden gewinnen.

Vielen Dank für das Interview!

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