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In unterbewertete Firmen investieren

Depotstudent Dominik
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Zunehmend viele Leute bauen Vermögen fürs Alter mit Investitionen in ETFs auf Aktienindizes auf. Neben der einmaligen Anlage eines größeren Betrags gewinnt der ETF-Sparplan immer mehr an Bedeutung. Dank niedriger Kosten und attraktiver Renditen kommen Anleger mit langem Anlagehorizont immer ans gewünschte Ziel.

Den einen oder anderen reizt in der Zwischenzeit der Aufbau eines Aktien-Portfolios mit völlig anderem Ansatz. Hierbei soll nicht in einen ganzen Markt, sondern in vielversprechende Einzelwerte angelegt werden. Stock-Picking als zweites Standbein kann sich lohnen, wenn die richtigen Aktien erkannt und erworben werden. In diesem Artikel zeige ich Dir, welche Vorteile mit der Value-Investing-Strategie verbunden sind und wie Du Value-Aktien finden kannst.

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Value-Aktien – für viele Anleger kein Begriff

Das englische Wort Value bedeutet ins Deutsche übersetzt Wert. Wer nach der Value-Strategie einzelne Aktien aussucht, hat also den Wert der emittierenden Unternehmen im Fokus. Benjamin Graham, ein US-amerikanischer Fondsmanager und Wissenschaftler, entwickelte den Value-Ansatz in den 1940ern.

Amerikanische Anleger erfuhren davon durch das 1949 erschienene Buch „der intelligente Investor“. Warren Buffett wurde mit Value-Aktien in den 1960ern zum Milliardär. Sein Imperium Berkshire Hathaway beruht fast vollständig auf dem erfolgreichen Einsatz der Value-Strategie.

Obwohl die Investmentlegende mittlerweile dazu rät, passiv mit ETFs in ganze Märkte zu investieren, folgt er immer noch der Strategie, die ihn hat reich und berühmt werden lassen. Gleichwohl hat sich die Value-Strategie niemals richtig durchsetzen können, sie gilt als vergleichsweise aufwendig und führt daher eine Art Nischendasein.

Value-Investing – was ist das eigentlich?

Ein Investor mit Value-Ansatz lässt sich bei der Auswahl seiner Aktien nicht von aktuellen Börsen-Tendenzen leiten. Er konzentriert sich vielmehr auf die Qualität der Gesellschaften und schaut dabei auf Buchwerte, die deutlich über den momentanen Börsenwerten liegen. Einen Value-Investor erkennst Du daran, dass er gewissermaßen gegen den Strom schwimmt. Er erwirbt dann Aktien, wenn die breite Masse der Anleger ihre Papiere hektisch abstößt.

Wer dem Value-Ansatz folgt, setzt auf einen wenig bekannten Fakt:

  • Der innere Wert eines Unternehmens bleibt bei fallendem Aktienkurs in der Regel erhalten.

Im Ergebnis erwirbt ein Value-Investor im richtigen Moment mit wenig Geld viel Unternehmens-Qualität. Der Value-Ansatz wird von Fachleuten kontrovers diskutiert, weil er voraussetzt, dass die Finanzmärkte zumindest zeitweise ineffizient sind. Diese Annahme widerspricht der Effizienzmarkttheorie des Nobelpreisträgers Eugene Fama und kommt eher den Forschungsergebnissen eines anderen Preisträgers entgegen: Robert Shiller.

Der Value-Ansatz spaltet die Marktteilnehmer in zwei Lager mit völlig unterschiedlichen Ansichten. Keine Seite ist jedoch in der Lage, die andere mit belastbaren Beweisen zu überzeugen.

In der Tat gibt es immer wieder Gesellschaften, deren Börsenkurse temporär unter den tatsächlichen Buchwerten liegen. Richtig ist aber auch, dass modernste Technologie die entsprechenden Informationen allen Akteuren schnell zur Verfügung stellt.

Gleichwohl ist Value-Investing eine anspruchsvolle Vorgehensweise, denn Du musst nach Unternehmen suchen, deren Aktienkurse gewissermaßen grundlos gefallen sind. Lässt sich sicher ermitteln, dass ein Kursverlust allein durch das aktuelle Marktsentiment zustande kam, hast Du eine gute Gelegenheit entdeckt.

Ist der Aktienkurs hingegen begründet, also beispielsweise aufgrund schlechter Unternehmensdaten, gefallen, solltest Du mit dem Einstieg warten und die weitere Entwicklung im Auge behalten.

Du erkennst wahrscheinlich, dass es beim Value-Investing weniger auf den Aktienkurs ankommt und mehr auf den inneren Wert der emittierenden Gesellschaft. Dieser innere Wert kann nur durch aufwendige Recherche gefunden werden. Du musst Geschäftsberichte lesen, darin einige Kennzahlen ausfindig machen und, auf deren Grundlage einen fairen Wert ermitteln.

Sinnvoll kann der Kauf einer Aktie sein, wenn der Börsenwert deutlich unter den fairen Wert gesunken ist.

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Woran erkennst Du Value-Aktien?

Unternehmen, die sich durch einfach nachvollziehbare und bewährte Geschäftsmodelle auszeichnen, emittieren oft Beteiligungen, die als Value-Aktien bezeichnet werden können. Weitere Hinweise auf die Qualität eines Unternehmens sind:

  • Kontinuierlich wachsende Gewinne und eine über dem Durchschnitt liegende Profitabilität.
  • Sehr solide Finanzierungsstruktur.
  • Wettbewerbsvorteile durch gefestigte Marktposition.
  • In jeder Hinsicht kompetente Geschäftsleitung.

Der innere Wert einer Aktien emittierenden Gesellschaft setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:

  • Alle im Unternehmen befindliche Vermögens-Gegenstände zählen als innerer Wert.
  • Die momentane Ertragskraft ist ein weiterer Wert.
  • Das wahrscheinliche Wachstum in der Zukunft wird ebenfalls als innerer Wert gezählt.

Wenn eine Gesellschaft hohen inneren Wert aufweist, aber der Kurs ihrer Aktien an der Börse sinkt, sprechen Insider von einem unterbewerteten Unternehmen. Es genügt jedoch nicht, nur den Buchwert dem aktuellen Kurs gegenüberzustellen. Vielmehr muss die Gesamtsituation betrachtet werden. Dazu sind nachfolgend beschriebene Kennzahlen unverzichtbar.

Mit diesen Kennzahlen findest Du unterbewertete Aktien

Kurs-Buch-Verhältnis (KBV)

Unter dem Buchwert eines Unternehmens ist das Eigenkapital zu verstehen, also alle geldwerten Gegenstände und das Barvermögen, abzüglich sämtlicher Verbindlichkeiten. Das KBV wird durch die Teilung des Eigenkapitals durch die Marktkapitalisierung berechnet. Dazu ein Beispiel:

  • Eine Gesellschaft hat einen Börsenwert von 80 Millionen Euro.
  • Der Buchwert liegt bei 100 Millionen Euro.
  • 80 geteilt durch 100 ergibt ein KBV von 0,8.
  • Ein Anleger bekommt also für jeden investierten Euro 80 Cent des Unternehmenswertes.

Sinnvoll kann ein Einstieg bei einem KBV mit weniger als 1 sein, doch sind hierzu weitere Kennzahlen erforderlich.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das KGV zeigt Dir, in welchem Verhältnis der Preis einer Aktie zum Gewinn pro Anteil steht. Wenn Du den aktuellen Aktienkurs durch den Gewinn teils und dabei ein Wert von 10 herauskommt, bedeutet dies:

  • Es dauert 10 Jahre, bis die emittierende Gesellschaft den aktuellen Aktienpreis als Gewinn erwirtschaftet hat.
  • Bei einem KGV von weniger als 10 sehen Fachleute besonders große Chancen auf zukünftig steigende Aktienkurse.
  • Durchschnittliche KGV Werte liegen zwischen 15 und 20. Als überbewertet gelten Aktien mit KGV Werten von 30 und darüber.

Den Gewinn eines Unternehmens ermittelst Du mit dem Teilen des Jahresüberschusses durch die Gesamtzahl der emittierten Aktien. Auch beim KGV gilt: immer zusammen mit anderen Kennzahlen betrachten.

Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Der Begriff ist einfacher, zu verstehen, wenn Cashflow durch Geldfluss ersetzt wird. Und mit Geldfluss wird die Differenz zwischen den Einnahmen und Ausgaben eines Unternehmens beschrieben. Wenn Du den Geldfluss eines Unternehmens durch die Anzahl an Aktien teilst, kommt der Cashflow pro Aktie heraus.

Das KCV berechnest Du, indem der aktuelle Aktienkurs durch den Geldfluss pro Aktie geteilt wird. Ist das errechnete Verhältnis kleiner als 4, kann es auf ein unterbewertetes Unternehmen hindeuten.

Gewinnwachstum

Ein unterbewertetes Unternehmen sollte nachhaltiges Wachstum seiner Gewinne aufweisen. Das Gewinnwachstum ermittelst Du wie folgt:

  • Ziehe vom Gewinn des letzten Jahres den Vorjahresgewinn ab.
  • Multipliziere das Resultat mit 100.
  • Teile das Ergebnis durch den Vorjahresgewinn.

Beträgt die errechnete Zahl mehr als 10 %, deutet dies auf nachhaltiges Gewinnwachstum hin.

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Weitere Kennzahlen

Eigenkapitalquote

Die Quote gibt Aufschluss darüber, wie solide ein Unternehmen finanziert ist. Sie wird mit dem Teilen des Eigenkapitals durch das Gesamtkapital errechnet. Ein Wert von mehr als 25 % deutet auf nachhaltige Unternehmensfinanzierung hin. Es handelt sich hierbei aber um eine Faustregel und keine Regel mit allgemeingültiger Anerkennung.

Eigenkapitalrendite

An der prozentual dargestellten Eigenkapitalrendite erkennst Du, wie viel Prozent des erzielten Unternehmensgewinns auf das unternehmenseigene Kapital fällt. Die Berechnung der Eigenkapitalrendite:

  • Gewinn durch Eigenkapital mal 100 gleich Eigenkapitalrendite in Prozent.

Ein Wert oberhalb von 12 % wird als nachhaltig definiert und resultiert in einer guten Unternehmensbewertung.

Dividendenrendite

Bei der Suche nach Value-Aktien wird weniger auf den Kurs geschaut und mehr auf den inneren Unternehmenswert. Dazu zählt für manche Anleger eine nachhaltige Dividendenrendite, welche wie folgt, berechnet wird:

  • Dividende pro Aktie mal 100, dividiert durch den aktuellen Aktienkurs ergibt die Dividendenrendite in Prozent.

Als nachhaltig sehen Experten eine Dividendenrendite von mehr als 4 % an.

Value-Aktien suchen und finden.

Du siehst vermutlich, dass die Suche nach unterbewerteten Aktien mit viel Zeit verbunden ist. Finden lassen sich aussichtsreiche Aktien nur durch detaillierte Unternehmens-Analysen, welche wirtschaftliches Verständnis voraussetzen. Du kannst die Suche etwas vereinfachen, indem der Fokus nur auf Unternehmen liegt, deren Geschäftsmodell in vollem Umfang verstanden wird.

Anhaltspunkte für unterbewertete Aktien müssen gesucht, gefunden und überprüft werden. Eine temporäre Unterbewertung kann in folgenden Szenarien entstehen:

  • Marktteilnehmer hatten bessere Quartalsergebnisse erwartet und sind enttäuscht.
  • Der Markt wird aktuell von Korrekturen geprägt, die meisten Kurse fallen.
  • Negative Nachrichten aus der Politik sorgen für rasant fallende Aktienkurse.
  • Nicht jede Branche ist bei den Marktteilnehmern dauerhaft beliebt.

Krisenzeiten sind übrigens ideal zum Suchen von Value-Aktien, doch ist nicht jedem Marktteilnehmer das Talent gegeben. 90 % aller Anleger denken bei einer Börsenturbulenz an den Verkauf, 9 % hoffen auf baldige Erholung und maximal 1 % geht auf virtuelle Einkaufstour.

Bestes Beispiel war die Finanzkrise 2008/2009. In wenigen Monaten wechselten Billionen-Werte ihre Besitzer und furchtlose Akteure vervielfachten ihre Vermögen. Warren Buffett hat mit Value-Aktien ein zweistelliges Milliardenvermögen aufgebaut und empfiehlt seinen Nachahmern folgende Strategie:

  • Suche nach aussichtsreichen (unterbewerteten) Unternehmen, kaufe deren Aktien im günstigen Moment, lege sie ins Depot und schaue erst wieder in 10 Jahren danach.

Damit dürften viele junge Anleger überfordert sein. Es könnte sich aber lohnen, die Aktien im Portfolio des Meisters zu betrachten.

Value-Aktien im Besitz von Berkshire Hathaway

Warren Buffett hat mit den Gewinnen der ersten Jahrzehnte ein riesiges Finanzimperium aufgebaut. Die Holding Berkshire Hathaway ist dem Erfolgsmodell ihres Gründers treu geblieben und in diese Aktien investiert:

  • Apple – die Aktie wurde Anfang des Jahres 2000 für etwa 4 Dollar gehandelt und ist aktuell 325 Dollar wert. Portfolio-Anteil gut 25 %.
  • Bank of America – im Februar 2000 war die Aktie rund 26 Dollar wert und ihr aktueller Preis beträgt 35 Dollar. Anteil am Portfolio 13 %.
  • Coca Cola – die Aktie war im Januar 2000 für 28 Dollar zu haben und ist derzeit knapp 60 Dollar wert. Anteil am Portfolio 10 %
  • Wells Fargo – die Aktie des Finanzdienstleisters wurde im Januar 2000 für etwa 20 Dollar gehandelt und kostet aktuell 48 Dollar. Anteil am Portfolio 9,2 %.
  • American Express – etwa 40 Dollar mussten im Januar 2000 für die Aktie bezahlt werden. 20 Jahre später kostet sie 136 Dollar. Anteil am Portfolio 8,2 %.
  • Kraft Heinz Company – mit dieser Aktie hat Warren Buffett nur Verlust erwirtschaftet. Im Februar 2015 kostete die Aktie noch 76 Dollar, aktuell müssen 29 Dollar bezahlt werden. Anteil am Portfolio 4,3 %.
  • U.S. Bankcorp – die Aktie des Finanzdienstleisters kostete im Januar 2000 knapp 18 Dollar und ist aktuell fast 55 Dollar wert. Anteil am Portfolio 3,4 %.
  • JP Morgan Chase – die Aktie der Großbank war im Januar 2000 für 51 Dollar zu haben und wird aktuell für 137 Dollar gehandelt. Anteil am Portfolio 3,2 %
  • Moody’s – für die Aktie des Finanzdienstleisters mussten im Januar 2000 nur 11 Dollar bezahlt werden. Aktuell kostet sie 268 Dollar. Anteil am Portfolio 2,45 %.
  • Delta Airlines – für die Aktie des Luftfahrtunternehmens wurden im Januar 2010 knapp 12 Dollar bezahlt, aktuell ist sie 58 Dollar wert. Anteil am Portfolio 1,9 %.

Mein Tipp

In die einzelnen Werte aus dem Berkshire Hathaway Portfolio zu investieren ist aufwendig, teuer und nicht immer sinnvoll. Meiner Meinung nach ist es interessanter, direkt an der Holding von Warren Buffett beteiligt zu sein. Die B-Aktie ist mit aktuell 208 Euro erschwinglich und stellt mit langem Anlagehorizont gekauft, optimale Entwicklung in Aussicht.

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Ein Kommentar

  1. Hallo Depotstudent,

    hier hast du wirklich einen super und ausführlichen Beitrag zum Thema Value Investing geschrieben. Den Inneren-Wert eines Unternehmens zu bestimmt ist wohl mit einer der besten Strategien, die sich in Zeiten wie diesen durchaus lohnen.

    Klasse Beitrag

    Gruß Stefan

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