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NAO-Gründer Robin Binder im Interview: Private Markets für Privatanleger

Robin Binder von NAO
Depotstudent Dominik
4.8
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Private Equity, Venture Capital, Private Debt oder Infrastruktur-Investments waren lange ein Markt mit Türsteher. Institutionelle Investoren, Family Offices und sehr vermögende Privatpersonen kamen rein. Viele Privatanleger blieben draußen: zu hohe Mindestbeträge, zu viel Papier, zu viele Begriffe, die kein Privatanleger versteht.

NAO setzt genau an dieser Stelle an. Die Berliner Plattform macht Private Markets digital zugänglich, mit einer kuratierten Auswahl professionell strukturierter Investmentprodukte. Das geht bereits ab kleinen Beträgen und per Sparplan ab 1 €.

Im Interview geht es deshalb nicht allein um Zugang. Es geht auch um die Fragen dahinter: Was unterscheidet Private Markets von Aktien und ETFs? Wie ordnet man Zielrenditen ein? Welche Risiken bleiben, gerade bei langfristigen Anlagen mit eingeschränkter Liquidität?

Darüber habe ich mit Robin Binder gesprochen, Gründer und CEO von NAO. Er erklärt, was aus seiner Family-Office-Erfahrung in die Plattform eingeflossen ist, wie NAO Produkte auswählt und warum Zugang ohne Erklärung nicht reicht.

Viel Spaß mit dem Interview.

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Außerdem findest Du hier meinen ausführlichen Erfahrungsbericht zu NAO.

Hallo Robin, herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview nimmst! Stelle Dich und NAO doch gerne kurz vor.

Sehr gerne. Ich bin Robin Binder, Gründer und CEO von NAO. Vor der Gründung habe ich ein Family Office geleitet und dort ein neunstelliges Vermögen für eine Unternehmerfamilie mitverwaltet. In dieser Arbeit hatte ich regelmäßig mit Anlageklassen zu tun, die viele Privatanleger vielleicht nur vom Namen kennen: Private Equity, Venture Capital, Private Debt oder Infrastruktur.

Genau aus dieser Erfahrung ist NAO entstanden. Wir geben Privatanlegern Zugang zu Private Markets, die lange vor allem professionellen Investoren offenstanden. Dafür arbeiten wir mit führenden Assetmanagern wie Partners Group, UBS, und ARK Investzusammen.

Gab es einen bestimmten Moment bei Deiner Arbeit im Family Office, als Du gemerkt hast: „Diese Produkte müssten eigentlich auch für Privatanleger zugänglich sein“?

Es war weniger ein einzelner Moment als ein wiederkehrendes Muster. Im Family Office war es normal, über nicht börsennotierte Unternehmen, Infrastrukturprojekte oder private Finanzierungen zu sprechen. Bei vielen Privatanlegern endete die Auswahl dagegen bei Aktien, ETFs, Tagesgeld oder klassischen Fonds.

Die Hürde lag selten am Interesse. Sie lag am Zugang: Mindestbeträge, Dokumentation, Produktstruktur, Sprache. Viele Angebote waren schlicht nicht für kleinere Anlagebeträge gebaut.

Da wurde für mich klar: Der Unterschied liegt nicht allein im Vermögen. Er liegt auch in der Infrastruktur rund um das Investieren. Wir bauen mit NAO diese Infrastruktur für Privatanleger neu.

Der Zugang zu Private Equity und Venture Capital ist theoretisch schon lange möglich. Warum hat ihn bislang kaum jemand für Privatanleger geöffnet?

Da kommen mehrere Dinge zusammen. Erstens Regulierung. Viele Produkte waren lange auf professionelle oder semi-professionelle Anleger zugeschnitten. Mit dem europäischen ELTIF-Rahmenwerk wurde der Zugang für Privatanleger breiter möglich.

Zweitens Komplexität. Private-Markets-Fonds laufen anders als ein ETF. Es gibt längere Haltedauern, Rückgabefristen, teils manuelle Bewertungen und weniger tägliche Handelbarkeit. 

Drittens fehlte lange der wirtschaftliche Anreiz. Für große Anbieter waren kleine Anlagebeträge von Privatanlegern oft nicht der Fokus. NAO bündelt Nachfrage, prüft Produkte vor und übersetzt einen Markt, der bisher auf große Tickets ausgelegt war.

Warum sollten sich Privatanleger überhaupt mit langfristigen, weniger liquiden Anlageklassen wie Private Equity oder Venture Capital beschäftigen?

Weil ein großer Teil der Wirtschaft nicht an der Börse stattfindet. Viele Unternehmen bleiben lange privat oder gehen nie an die Börse. Wer nur öffentliche Märkte nutzt, sieht also nur einen Ausschnitt.

Private Markets können ein Portfolio breiter aufstellen: über nicht börsennotierte Unternehmen, junge Wachstumsfirmen, private Kreditstrategien oder Infrastruktur.

Der Risiko-Teil gehört direkt daneben. Kapital kann länger gebunden sein. Rückgaben können eingeschränkt sein. Bewertungen erfolgen nicht immer täglich. Verluste bis hin zum Totalverlust sind hier natürlich auch möglich.

Deshalb ist Private Markets kein Etikett für „besser“. Es ist ein anderer Baustein. Wer ihn nutzt, sollte wissen, wie er funktioniert.

Euer Slogan „Invest like a millionaire“ zeigt sehr eindrücklich, worum es bei NAO geht. Können Privatanleger über NAO heute schon wie Millionäre investieren?

Der Satz ist bewusst zugespitzt. Dahinter steckt aber ein sehr nüchterner Gedanke:
Viele vermögende Anleger investieren breiter als nur in Aktien und ETFs. Sie nutzen auch Private Markets, weil sie langfristig denken und Zugang zu professionellen Strukturen haben.

NAO macht diesen Zugang digital und mit kleinen Beträgen möglich. Das bedeutet nicht, dass jede Anlage für jeden passt. Es bedeutet: Privatanleger können Produkte prüfen, die früher oft außerhalb ihrer Reichweite lagen.

Wo endet aus Deiner Sicht die Demokratisierung von Private Markets? Gibt es bestimmte Investments, die weiterhin nur sehr Vermögenden vorbehalten sein werden?

Ehrlich gesagt: Es wird immer Bereiche geben, die schwer zu demokratisieren sind. Sehr große Co-Investments, bei denen ein einzelner Investor 50 Millionen in ein Unternehmen steckt, oder hochspezialisierte Nischenstrategien mit extrem langen Laufzeiten. Das wird auch in Zukunft eher den ganz Großen vorbehalten bleiben. Aber der Kern von Private Markets, diversifizierte Private Equity Fonds, Venture Capital, Infrastruktur, Private Debt, das ist heute schon demokratisierbar, und genau das tun wir. Die ELTIF-Regulierung hat hier einen echten Durchbruch gebracht. Ich bin überzeugt: In fünf Jahren wird es völlig normal sein, Private Markets im Portfolio zu haben, so wie heute ein ETF.

Ihr nennt Zielrenditen von beispielsweise 14 % p.a. bei Private Equity und 16 % p.a. bei Venture Capital. Wie sollten Anleger solche Zahlen einordnen?

Gesunde Skepsis ist immer gut, und wir ermutigen unsere Nutzer auch dazu. Aber diese Zahlen sind keine Marketing-Fantasie, sondern basieren auf den historischen Track Records der jeweiligen Assetmanager. Bei Private Equity sprechen wir z. B. über Partners Group und UBS. Häuser mit jahrzehntelanger Erfahrung und nachgewiesener Performance. Die höheren Renditen erklären sich durch mehrere Faktoren: aktives Management der Portfoliounternehmen, die Illiquiditätsprämie und den Zugang zu Unternehmen, die an der Börse gar nicht verfügbar sind. Wichtig ist aber: Zielrenditen sind keine Garantie. Es handelt sich um Erwartungswerte, nicht um Versprechen. Und es gibt Risiken, bis hin zum Totalverlust. Das kommunizieren wir auch transparent.

Private-Equity-Fonds bei NAO haben teilweise eine ähnliche Risikoklasse wie ein MSCI World ETF. Wie erklärst Du diesen scheinbaren Widerspruch zwischen höherer Zielrendite und ähnlichem Risikoindikator?

Das ist eine sehr gute Frage, und der Schlüssel liegt im Verständnis, was der Risikoindikator eigentlich misst.

Der SRRI oder der neue SRI-Wert, der in den wesentlichen Anlegerinformationen ausgewiesen wird, basiert in erster Linie auf der historischen Volatilität, also wie stark der Wert des Investments von Tag zu Tag schwankt. Private Equity Fonds werden nicht täglich an der Börse gehandelt. Es gibt keine tägliche Kursstellung, keine kurzfristigen Schwankungen durch Marktpanik. Deshalb fällt die rechnerische Volatilität niedrig aus. Der Partners Group Fonds hat z. B. eine Risikoklasse von 4, genau wie viele breit gestreute Aktien-ETFs.

Das bedeutet aber nicht, dass Private Equity risikolos ist. Das Risiko ist anders gelagert: Es geht vor allem um Illiquidität und Bewertungsrisiko auf Ebene der Portfoliounternehmen. Wenn ein Fonds in zehn Unternehmen investiert und drei davon nicht wie geplant performen, spürst du das.

Was die Daten aber zeigen: In echten Marktstress-Phasen hat Private Equity regelmäßig besser abgeschnitten als börsennotierte Aktien, eben weil es keine kurzfristige Panikreaktion gibt und weil der Zeithorizont der Investitionen langfristig ist. Die Risikoklasse ist also nicht irreführend, sie misst einfach etwas anderes als das, was Privatanleger intuitiv unter Risiko verstehen. Deshalb ist es uns wichtig, dass unsere Nutzer immer auch das KID und den Prospekt lesen und verstehen, worin sie investieren.

Kuration: Wie läuft Eure Due-Diligence-Prüfung ab und nach welchen Kriterien entscheidet Ihr, welche Anlagen auf der Plattform verfügbar gemacht werden? Gab es auch Investments, die Ihr bewusst nicht aufgenommen habt?

Wir lassen nicht jedes Produkt auf unsere Plattform, im Gegenteil: Wir kuratieren sehr gezielt. Der Großteil der Fonds, die uns angeboten werden, fällt bei uns durch. Wir lehnen 7 von 8 Fonds ab.

Unser Auswahlprozess umfasst mehrere Stufen: Wir prüfen den Track Record des Assetmanagers, die Fondsstrategie, die Kostenstruktur, die Risikokennzahlen und die regulatorische Aufstellung. Nur Fonds, von deren Qualität wir wirklich überzeugt sind, werden aufgenommen. Dabei arbeiten wir ausschließlich mit führenden Assetmanagern zusammen. Namen wie Partners Group, UBS, Goldman Sachs, ARK Invest oder Muzinich sprechen für sich.

Wir haben Produkte abgelehnt, bei denen die Kostenstruktur nicht zu unserem Anspruch gepasst hat, bei denen der Track Record zu dünn war oder bei denen die Strategie für Privatanleger nicht geeignet war. Kuratierung heißt für uns nicht, möglichst viele Produkte anzubieten, sondern die Richtigen. Qualität vor Quantität. Unser Anspruch ist: Wenn wir ein Produkt auf die Plattform nehmen, dann muss es so gut sein, dass wir selbst darin investieren würden.

Du verstehst Private Markets als Beimischung zu bestehenden Geldanlagen. Welchen Anteil am Gesamtportfolio würdest Du für Privatanleger empfehlen?

Ich gebe keine individuelle Anlageberatung. Eine sinnvolle Quote hängt von Anlageziel, Erfahrung, Vermögen, Risikotragfähigkeit, Liquiditätsbedarf und Anlagehorizont ab.

Was man allgemein sagen kann: Private Markets werden in der professionellen Vermögensverwaltung häufig als langfristige Beimischung genutzt. Für Privatanleger beginnt die Frage aber nicht bei einer Prozentzahl.

Sie beginnt bei der Liquidität: Welchen Teil meines Vermögens brauche ich in den nächsten Jahren sicher verfügbar? Kapital in Private Markets kann länger gebunden sein. Rückgaben können eingeschränkt sein.

Erst wenn diese Punkte klar sind, kann man über eine Beimischung sprechen.

Ein paar Fakten: Mit welchen Nutzerzahlen und mit welchem Einlagevolumen arbeitet NAO aktuell?

Wir sind mittlerweile Deutschlands größte App für Private Markets Investments und wachsen stark. Wir haben über 10.000 Kunden und verwalten eine mehrfach achtstellige Summe. Was mich besonders freut: Unsere Community ist unglaublich engagiert, bei unseren Events, auf Social Media, im direkten Austausch. Das zeigt mir, dass der Bedarf riesig ist.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Wo steht NAO in fünf Jahren und worauf darf man sich schon heute freuen?

In fünf Jahren wird NAO die zentrale Plattform für Private Markets Investments in Europa sein. Unser Ziel ist es, dass jeder Anleger, egal ob mit 100 € oder 100.000 €, Zugang zu den besten alternativen Anlagestrategien hat. Wir werden unser Produktangebot weiter ausbauen, neue Assetklassen erschließen und die App-Erfahrung noch besser machen. Worauf man sich schon heute freuen darf: Wir arbeiten an spannenden neuen Produkten und Partnerschaften, die wir bald ankündigen werden. Und unsere Community wächst, mit Events, Wissensformaten und einem echten Austausch auf Augenhöhe. Private Markets werden in fünf Jahren kein Nischenthema mehr sein, sondern ein fester Bestandteil jedes gut diversifizierten Portfolios. Und NAO wird dafür die erste Adresse sein.

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