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Union-Fonds geerbt – was tun?

Depotstudent Dominik
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Jedes Jahr werden hierzulande mehrere Hundert Milliarden Euro vererbt, so geht es aus einem aktuellen Bericht des Instituts für Wirtschaftsforschung hervor. Überwiegend werden Vermögenswerte in Form von Immobilien und Bankeinlagen weitergegeben. Zunehmend oft finden die Erben im Nachlass Wertpapiere und Fonds. Als jemand, der nicht selber anlegt und keinerlei Erfahrungen mit Aktien oder anderen Wertpapieren hat, stehst Du durch die Erbschaft vor einer echten Herausforderung.

Etwas leichter wird der Nachlass von bereits investierten Menschen aufgenommen. Sie verfügen zumindest über Grundkenntnisse und sind weiteren Investments nicht abgeneigt. Im nachfolgenden Erfahrungsbericht geht es weniger um einen Test, sondern um Antworten in Form eines Leitfadens zur Frage: Was tun, wenn ich Union Investment Fonds geerbt habe?

Meiner Meinung nach lässt sich das Thema rein sachlich ohne Emotionen und Kritik abhandeln. Mit und ohne Erfahrungen sind für Erben bestimmte Schritte zu gehen. Anschließend sind die geerbten Union Investment Fonds einer Bewertung zu unterziehen, auf deren Basis eine Entscheidung gefällt werden kann.

Was macht die Union Investment im Todesfall eines Anteilseigners?

Union Investment hat zur Beantwortung dieser Frage einen Leitfaden für Vermittler konzipiert, der im Internet abrufbar, gelesen werden kann. Es wird davon ausgegangen, dass der Verstorbene sein Depot bei der Union Investment hatte und in Union Investment Fonds investiert war. Als Erbe kannst Du von den Informationen der folgenden Abschnitte profitieren

Sobald die Union Investment vom Tod des Anteils- und Depoteigners Kenntnis hat, stellt sie das Depot mitsamt Inhalt auf „Nachlass“ um. Damit sollen Verfügungen von Unbefugten vermieden werden. Des Weiteren werden bis zur Vorlage einer Erblegitimation Postversand und Lastschrifteinzüge eingestellt. Ausnahmen hiervon gibt es bei Gemeinschaftsdepots mit hinterbliebenen Depot-Inhabern.

Erbschaftsteuer-Anzeige nach Paragraf 33 Erbschafts-Steuer-Gesetz

Die Union Investment ist verpflichtet, dem zuständigen Finanzamt innerhalb eines Monats die Vermögenswerte des Erblassers anzuzeigen. Die Frist läuft ab dem Tag, an welchem die Bank Kenntnis vom Todesfall erhält.

Gemeldet wird der Depotbestand vom Vortag des Todestages, wobei gesetzlich vorgeschriebene Grenzen berücksichtigt werden.

Union Investment Fonds erben: Änderung in der Besteuerung der Nachlass-Depots

Sobald die Union Investment vom Tod eines Depotinhabers informiert ist, trennt sie die Steuertöpfe des Erblassers von denen des oder der Erben.

Als Erbe und Union Investment Kunde bekommst Du eine vom Erblasser getrennte Steuerbescheinigung. Wie mit vorhandenen Freistellungsaufträgen und Nichtveranlagungsbescheinigungen umgegangen wird, kommt auf den Einzelfall an.

Du hast Union Investment Fonds geerbt – wie geht es weiter?

Das Depot des Erblassers kann bei der Union Investment nicht auf Dich umgeschrieben werden. Du kannst jedoch Union Investment Fonds oder andere Werte des Hauses in ein bereits bestehendes oder neu zu eröffnendes Depot übertragen.

Möglich ist zudem der Übertrag der Fonds zu einem anderen Institut, respektive der Fonds-Verkauf und die Überweisung des Erlöses auf Dein Girokonto. Als Erbe kannst Du unter Vorlage der entsprechenden Nachweise über Depot und Inhalt verfügen.

Union Investment Fonds erben – und Entscheidungen treffen

Du bist jetzt über die Vorgehensweise der Union Investment informiert und kennst Deine eigenen Möglichkeiten. Diese Informationen sind jedoch lediglich eine Basis, auf welcher Du Entscheidungen treffen musst. Deine grundsätzlichen Optionen sind Halten, Verkaufen oder in ein Depot bei einer anderen Bank übertragen. Fangen wir bei der Depot-Frage an.

Depot auflösen

Die Union Investment verlangt für ein Fonds-Depot pro Jahr einen gewissen Betrag, darin sind zahlreiche Service-Leistungen enthalten. Für den Übertrag der Fonds in ein neues Depot dürfen von der Union Investment keine Gebühren in Rechnung gestellt werden. Weder beim Übertrag in ein hauseigenes Depot, noch bei einer Übertragung in ein externes Depot.

Meinen Erfahrungen entsprechend muss die Frage des Depots im Einzelfall entschieden werden. Folgende Aspekte können die Entscheidung beeinflussen respektive erleichtern:

  • Bist Du bereits investiert, ja oder nein?
  • Wenn ja, in welchen Assets beziehungsweise in welcher Form hast Du Dein Geld angelegt?
  • Lautet die Antwort in Aktien über einen Index per ETF, besitzt Du bereits ein Depot bei einem Brokerage-Anbieter.
  • In diesem Fall ist die Übertragung der Union Investment Fonds in Dein bestehendes Depot sinnvoll, weil Onlinebroker-Depots kostenfrei geführt werden.
  • Bist Du bei der Union Investment in hauseigene Fonds investiert und davon überzeugt, kann der Übertrag des geerbten Fonds ins eigene Union Investment Depot erfolgen. Das Depot des Erblassers wird anschließend fristgerecht gekündigt.

Bei der Bewertung des Depots sollte neben den Kosten auf die damit verbundenen Leistungen geschaut werden. Für Leute mit Beratungsbedarf ist ein kostenfreies Depot beim Onlinebroker nicht immer eine zweckmäßige Lösung.

Tipp: Um in Aktien oder ETFs zu investieren, benötigst Du ein Wertpapier-Depot. Die besten Anbieter findest Du in der folgenden Übersicht:

Ich empfehle vor allem:

Union Investment Fonds erben und behalten?

Auch auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Die Frage lässt sich nur durch die Antworten auf notwendige Gegenfragen klären und diese fallen immer individuell aus.

Du hast Union Investment Fonds geerbt und weißt nicht, was damit anfangen?

Meinen Erfahrungen entsprechend gibt es bei der Union Investment sehr unterschiedliche Fonds, seitens Konzept, Assetklasse, Kosten und Rendite. Du wirst Dir den Nachlass genauer anschauen müssen und gegebenenfalls die Beratung durch einen externen Fachmann in Erwägung ziehen. Warum Letzteres? Weil Du mangels Erfahrung den oder die geerbten Fonds keinem Test unterziehen kannst.

Nachfolgend einige mögliche Szenarien

Union Investment Fonds erben und absolut nichts von Wertpapieren halten:

In dem Fall würde ich Dich gerne davon überzeugen wollen, dass es hinsichtlich der privaten Altersvorsorge respektive dem Vermögensaufbau nicht mehr ohne Investitionen in Aktien & Co. geht. Sollte Dich das nicht beeindrucken, bleibt nur die Möglichkeit: Union Investment Fonds zum aktuellen Marktpreis verkaufen und das Depot des Erblassers auflösen.

Union Investment Fonds geerbt und bereits in Fonds eines anderen Anbieters investiert sein.

Du bist im Segment aktiv gemanagte Fonds kein Neuling mehr und hast scheinbar Gründe für Deine Präferenzen. Ob diese richtig sind, soll hier nicht das Thema sein. Fakt ist aber, dass bereits Erfahrungen mit aktiven Fonds bestehen und ein Depot vorhanden ist. Du kannst das Erbe in Dein Depot übertragen und dazu die Hilfe der Union Investment in Anspruch nehmen.

Union Investment Fonds erben, in anderen Assetklassen – wie vorgehen?

Angenommen, Du willst mit Deinen Aktien-Investmentfonds konsequent Vermögen aufbauen und weißt, wie mit den Risiken umgegangen werden muss. Dein Erbe besteht aus Union Investment Fonds mit Mischkonzept und deutlich geringeren Erträgen. Sinnvoll wäre in diesem Fall, die geerbten Union Investment Fonds zu verkaufen und den Erlös in von Dir bevorzugte Fonds zu stecken.

Union Investment Fonds geerbt – als überzeugter Anhänger der passiven Geldanlage

Die Situation ist vergleichbar mit der eines Antialkoholikers, der gerade einen riesigen Weinkeller geerbt hat. Das Erbe wird mit gemischten Gefühlen angenommen und so schnell wie möglich zu Geld gemacht. Ich würde wie folgt vorgehen:

  • Die oder den geerbten Fonds gebührenfrei ins eigene Depot übertragen.
  • Die allgemeine Marktsituation fokussieren.
  • Zum bestmöglichen Zeitpunkt verkaufen.
  • Den Erlös in einen von Dir favorisierten ETF stecken.

Mit den nachfolgenden Argumenten will ich Dir eine teure Beratung ersparen und Dich zu einer Bewertung des Erbes befähigen.

Union Investment Fonds erben und die Schwachstellen entdecken

Es geht mir nicht darum, Kritik speziell an Union Investment Fonds zu üben, denn diese sind ebenso gut oder schlecht wie Produkte der Konkurrenz. Stattdessen will ich Dir aufzeigen, welche Kriterien generell gegen gemanagte Investmentfonds sprechen.

Warum investieren manche Anleger gezielt in Aktivfonds?

Weil sie sich von den Fähigkeiten des Managements mehr Rendite versprechen. Kling logisch, ist aber nicht richtig. Die Wahrheit ist vielmehr, dass Fondsmanager den Markt nur zeitweise und eher zufällig schlagen können. Dauerhaft gelingt es keinem Manager, besser als der Markt abzuschneiden. Auf lange Sicht erreichen die meisten aktiven Fonds nicht einmal die Performance der Referenzindizes (Benchmark). Die Quelle dieser Aussagen ist dieses Standardwerk von Dr. Gerd Kommer*.

Gesamtheitlich betrachtet schneiden im ersten Jahr 70 bis 80 % der Aktivfonds schlechter als ihre Vergleichsindizes ab. Bei einer Betrachtung über 5 Jahre fällt auf, dass weniger als 10 % der Publikumsfonds ihr selbst auferlegtes Ziel erreichen. Sie schaffen es nicht einmal, ebenso gut wie der Gesamtmarkt abzuschneiden. Woran liegt das?

Meist wird die unzureichende Wertentwicklung auf die Unfähigkeit des Fondsmanagers geschoben. Die Kritik am Management ist aber nur teilweise und in wenigen Fällen berechtigt. Wahrscheinlicher ist, dass Fondsmanager an den hohen laufenden Kosten scheitern. Diese bleiben jedoch den meisten Anlegern verborgen.

Union Investment Fonds geerbt – schon auf die Kosten geachtet?

Wer an Fondskosten denkt, sucht nach der Total Expense Ratio (TER), weil diese vermeintlich alle anfallenden Kosten beinhaltet. In der Tat sind darin fixe Verwaltungskosten, Gebühren für das Depot, Prüfungskosten und Servicegebühren enthalten. Die aufgezählten Positionen sind bei Weitem nicht alles, welche Kosten darüber hinaus anfallen, zeige ich Dir im nächsten Abschnitt.

Bei einem durchschnittlichen Union Investment Aktien-Fonds werden diese Positionen von der TER erfasst:

  • Vergütung für die Verwaltung zwischen 1,00 und 2,50 % – angenommener Durchschnitt 1,50 % p. a.
  • Sonstige Betriebskosten und Depotbank-Gebühren von durchschnittlich 0,20 % p. a.

Nicht in der TER enthalten sind:

  • Transaktionskosten beim An- und Verkauf von Wertpapieren in Höhe von durchschnittlich 0,90 %.
  • Market Impact Kosten beim Handeln von Wertpapieren in großen Mengen, pro Jahr 0,50 %.

Allein diese beiden Positionen verdoppeln nahezu die Kosten eines Investmentfonds. Einige Union Investment-Fonds verlangen zusätzlich Erfolgsgebühren von bis zu 2,00 % der Mehrrendite.

Der geerbte Union Investment-Fonds ist mit einer durchschnittlichen TER von 1,70 % behaftet, die Gesamtkosten können jedoch 3,10 % und meh betragen – das ist jeweils im Einzelfall zu prüfen. Dazu kannst Du Erfolgsgebühren von 0,10 % p. a. rechnen, weil diese bei Investmentfonds mit Potenzial vergleichsweise oft erhoben werden.

Kosten versus Rendite

Angenommen, Du hast einen Union Investment-Fonds geerbt, dessen Wertentwicklung in der Vergangenheit rund 10 % pro Jahr betrug. Als Rendite vor Steuern bleiben Dir 10,00 minus 3,10 gleich 6,90 % pro Jahr. Das Management hat zwar etwas mehr als den Marktdurchschnitt erwirtschaftet, durch die hohen Kosten bleibt davon aber nichts übrig.

Den einmaligen Ausgabeaufschlag von 3,00 bis 6,00 % habe ich absichtlich außen vor gelassen, weil er leicht zu umgehen ist – und zwar indem Du einen von mir empfohlenen Online-Broker als Depotbank verwendest.

Wie sieht die Situation bei einem ETF auf einen globalen Aktienindex aus?

iShares Core MSCI World ETF Chart von iShares
iShares Core MSCI World ETF Chart von iShares

Während die laufenden Kosten bei einem aktiv gemanagten Investmentfonds durchschnittlich 3,20 % pro Jahr betragen, liegt der Durchschnittswert eines passiven ETF bei 0,70 % p. a.

Dank des fehlenden Managements beschränken sich die Verwaltungskosten ebenso wie die Transaktionskosten auf ein Minimum. Erfolgsgebühren werden überhaupt nicht in Rechnung gestellt.

Übrigens bleiben die meisten Kosten unerfahrenen Anlegern verborgen, weil sie in die Wertentwicklung eingerechnet und nicht in Rechnung gestellt werden.

Fazit: Kosten mindern die Rendite

Der nachfolgende Vergleich zeigt die Unterschiede seitens der angenommenen Wertentwicklung zwischen einem Aktivfonds mit 3,20 % an laufenden Kosten und einem ETF mit 0,70 %. Der Einfachheit halber gehe ich bei beiden Instrumenten von 10 % Rendite pro Jahr aus.

Aus 100.000 Euro werden nach:

  • 10 Jahren rund 188.000 Euro beim Fonds und 243.000 Euro beim ETF.
  • 20 Jahren gut 363.000 Euro beim Investmentfonds und 590.000 Euro beim Aktien-ETF.
  • 30 Jahren über 701.000 beim Fonds und mehr als 1,4 Millionen Euro beim ETF auf globale Aktien.

Aus dieser Auflistung wird deutlich, dass die Kosten maßgeblich über den Erfolg einer Geldanlage entscheiden. Durch die eingesparten 2,50 % auf der Kostenseite hat sich der Wert des ETF über 30 Jahre hinweg doppelt so gut entwickelt wie der des Fonds.

Auf dieser Grundlage lautet meine Empfehlung:

  • Das Erbe annehmen.
  • Die geerbten Union Investment-Fonds ins eigene Depot übertragen.
  • Falls Die Union Investment Fonds zu teuer sind: Zu einem günstigen Zeitpunkt verkaufen und den Erlös in einen ETF auf den MSCI World Aktienindex investieren.

Dessen laufende Kosten dürften sogar unter denen des ETF im obigen Vergleich liegen. Um einen ETF brauchst Du Dich während der gesamten Haltezeit nicht zu kümmern, er ist anspruchslos und bedarf kaum Pflege. Rebalancing und Co. wird kostenfrei vom Emittenten übernommen.

Dein Depotstudent Dominik

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