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Black Rock – der unheimliche Gigant?

Bank Gebäude
Depotstudent Dominik
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Den Namen Black Rock (schwarzer Fels) trägt eine US-amerikanische Fondsgesellschaft, welche unter anderem börsengehandelte Indexfonds (ETF) anbietet. Viele Anleger mit ETF Portfolio oder ETF-Sparplan sind in ein Anlagevehikel der Marke iShares investiert. Hinter der Marke iShares steht ebenfalls Black Rock und das Tochterunternehmen spielt die gleiche dominante Rolle wie der Mutterkonzern.

Über die Vermögensverwaltung wird sehr unterschiedlich berichtet und manche Reportagen, Artikel oder Filmbeiträge tragen erheblich zur Verunsicherung der Anleger bei. In diesem Beitrag stelle ich Dir den Finanzkonzern aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet vor und möchte Dich damit anregen, Dir eine eigene Meinung zu bilden. Zunächst eine objektive Beschreibung, angereichert mit Zahlen und Fakten.

Black Rock Inc – die Entstehungsgeschichte

Die  Fondsgesellschaft wurde im Jahr 1988 in New York von der Blackstone-Group gegründet. In den ersten Jahren war das Geschäftsmodell auf festverzinsliche Anlagen und Hypotheken begrenzt. Anfang der 1990er entwickelte sich das Unternehmen zum Vermögensverwalter und 1994 erfolgte die Trennung von Blackstone. Seit 1994 wird die Black Rock Inc von Larry Fink und Robert S. Kapito geleitet.

Im Jahr 1995 fusionierte Black Rock mit dem Unternehmen PNC Financial Services aus Pittsburgh. Die Firma ist bis heute mit 25 % der größte Anteilseigner. Seit 1999 ist Black Rock mit der Abkürzung BLK an der New Yorker Börse gelistet. Die Gründer verfolgten seit dem Börsengang eine sehr expansive Geschäftspolitik:

  • Im Jahr 2006 übernahm Black Rock das Unternehmen MLIM (Merryll Lynch Investment Managers), ein Tochterunternehmen der Geschäftsbank Merryll Lynch. Durch die Fusion wuchs das verwaltete Vermögen auf 1,1 Billionen Dollar und Black Rock wurde zum weltweit größten Vermögensverwalter.
  • Im Oktober 2007 übernahm Black Roch das Geschäft mit Dachfonds vom Unternehmen QCM (Quellos Capital Management).
  • Im Juni 2012 kaufte Black Rock die Vermögensverwaltung BGI (Barclays Global Investors) von der britischen Großbank Barclays. Die Übernahme kostete 13,5 Milliarden Dollar, mit dabei war iShares. Die Transaktion ließ das verwaltete Vermögen von Black Rock auf 3,3 Billionen Dollar anwachsen und festigte die Position als globaler Marktführer. BGI war bis zur Übernahme der führende Anbieter von börsengehandelten Indexfonds.

Weltweit agierender Konzern

In 30 Staaten ist Black Rock mit 70 Niederlassungen präsent, Kunden hat die Vermögensverwaltung mittlerweile in mehr als 100 Ländern. Viele Klienten von Black Rock kommen vom europäischen Kontinent, es handelt sich unter anderem um:

  • Staatsfonds.
  • Versicherungen.
  • Pensionskassen.
  • Stiftungen.

Prominente Kunden sind beispielsweise die EZB, die Schweizer Großbank UBS und HM Treasury (das britische Finanzministerium). Auch die größten Anteilseigner von Black Rock sind weltweit bekannt:

  • CWI (Capital World Investors).
  • Vanguard Gruppe.
  • Wellington Management.
  • PNC Financial Services.

Institutionelle Anleger aus Asien, Afrika, dem Pazifikraum, Europa und dem Nahen Osten betreut Black Rock seit Oktober 2012 mit seiner Niederlassung in London. In der BRD ist Black Rock mit zwei Dependancen in München und Frankfurt am Main vertreten. Friedrich Merz, Lobbyist, Rechtsanwalt und CDU-Politiker, fungiert seit 2016 als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Black Rock Asset Management AG.

Im Juni 2019 wurde das von Black Rock verwaltete Vermögen auf 6,84 Billionen Dollar beziffert. Knapp 15.000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2018 einen Umsatz von gut 14 Milliarden Dollar. Der Börsenwert von Black Rock erreichte 2018 etwa 87 Milliarden Dollar.

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Black Rock – weltweit an Unternehmen beteiligt

Seit Langem ist Black Rock der größte Aktionär bei den US-amerikanischen Geschäftsbanken Citibank, Bank of America und JP Morgan Chase. Der Vermögensverwalter hält zudem bedeutende Aktienanteile an den Konzernen Nestle, McDonalds und Apple sowie an den Energieriesen Shell und Exxon Mobil.

Darüber hinaus ist Black Rock an allen 30 Konzernen im Deutschen Aktienindex beteiligt, bei jedem dritten Konzern ist der Vermögensverwalter größter Einzel-Aktionär. Hier die Zahlen mit Stand vom April 2018:

  • Vonovia: 8,62 %.
  • Merck: 7,20 %.
  • Bayer: 7,17 %.
  • Post AG: 7,00 %.
  • Allianz: 6,90 %.
  • Münchener Rückversicherung: 6,84 %.
  • E. ON: 6,75 %.
  • BASF: 6,61 %.
  • Deutsche Börse AG: 6,46 %.
  • Deutsche Bank: 6,38 %.
  • Fresenius Gesundheit: 6,28 %.
  • Siemens: 5,74 %.
  • Adidas: 5,50 %.
  • Linde: 5,32 %.
  • Infineon: 5,23 %.
  • SAP: 5,13 %.
  • Commerzbank: 5,09 %.
  • Lufthansa: 4,99 %.
  • Fresenius: 4,95 %.
  • RWE: 4,92 %.
  • Telekom BRD: 4,91 %.
  • Covestro: 4,62 %.
  • Heidelberg Zement: 4,49 %.
  • Daimler: 4,16 %.
  • Continental: 3,08 %.
  • Thyssen Krupp: 3,06 %.
  • BMW: 3,02 %.
  • Beiersdorf: 2,68 %.

Die Entscheidungsträger bei Black Rock sind sehr gut über den Markt in der BRD informiert. Die Anteile an Automobilkonzernen wurden seit 2016 spürbar reduziert. Aufgestockt wurde hingegen der Anteil an Vonovia, dem größten Immobilienunternehmen vor Ort.

Marktanalysen mit ALADDIN

Die Abkürzung ALADDIN steht für Asset, Liability, and Debt and Derivative Investment Network. Dahinter steckt ein Datenanalysesystem der Black Rock Tochter Solutions. An vier unbekannten Standorten bearbeiten etwa 5.000 große Rechner eingespeiste Daten und führen pro Woche circa 200 Millionen Kalkulationen durch.

Fachleute vermuten, dass der Erfolg von Black Rock in erster Linie dem System ALADDIN geschuldet ist. Es soll in der Lage sein, innerhalb weniger Sekunden die Werte von allen Anlageportfolios auszurechnen, die von Black Rock verwaltet werden.

ALADDIN soll zudem verlässliche Prognosen für alle Anlageklassen und beliebig lange Zeiträume erstellen können. Daher sei der Vermögensverwalter in der Lage, alle im anvertrauten Portfolios gewinnbringend betreuen.

ALADDIN überwacht nicht nur die konzerninternen Anlageprodukte im Wert von etwa 5,1 Billionen Dollar. Das System hat zudem circa 30.000 Investmentportfolios im Gesamtwert von 15 Billionen Dollar im Fokus.

Insgesamt verwaltet Black Rock mit ALADDIN etwa 8 % der globalen Vermögenswerte. Doch ist längst nicht jeder institutionelle Investor von der Black Rock Inc überzeugt. So war beispielsweise der norwegische Staatsfonds bis 2014 mit mehr als 5 % an Black Rock beteiligt. Mittlerweile wurde der Anteil auf weniger als 2 % reduziert.

Kritik an Black Rock

In den Fokus der Kritiker geriet Black Rock vor allem nach der Finanzkrise 2008/2009. Die Vermögensverwaltung war an fast allen Rettungsaktionen beteiligt und kooperierte dabei eng mit der seinerzeit amtierenden Regierung.

Hedgefonds Investoren sahen 2015 Black Rock als eine Bedrohung für die internationalen Finanzmärkte und stützten ihre Kritik vor allem auf die vermeintliche Gefahr von börsengehandelten Indexfonds. Im nächsten Abschnitt gehe ich auf die Dokumentation eines Mainstream-Senders in der BRD ein.

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Arte versus Black Rock

Der Sender Arte hat 2019 den Vermögensverwalter Black Rock als unheimliche Macht bezeichnet und dem Thema vergleichsweise viel Sendezeit gewidmet. Ich habe mir die Dokumentation angeschaut und fasse nachfolgend den Inhalt möglichst objektiv zusammen.

Die Grundthese lässt sich in einem Zweizeiler darstellen und zeigt bereits, wohin die Reise geht:

  • Geld regiert die Welt.
  • Black Rock hat sehr viel davon.

Im Anschluss wurden relevante Informationen und Daten dargestellt, die großteils mit denen im oberen Teil des Beitrags übereinstimmen. Um dem geneigten Zuschauer den Umfang des verwalteten Vermögens zu verdeutlichen, wurde es mit dem BIP der BRD verglichen. Natürlich entsprechen die aktuell 6,84 Billionen Dollar dem Bruttoinlandsprodukt gleich zweimal und jedem Zuschauer wurde sofort klar: Das ist aber verdammt viel.

Danach kam der erste Angriff: Black Rock habe mehr als 30 % des verwalteten Vermögens über ETFs eingesammelt. Die Tochter iShares ist natürlich der mit Abstand größte Anbieter von ETFs, das war sie bereits 2011 beim Vorbesitzer BGI. Aber dieser Fakt kam in der Dokumentation nicht zur Sprache.

Im Anschluss an den ersten Angriff kam die Vermutung, dass jemand mit viel Geld über weitreichende Macht verfügt. Und von mächtigen Leuten oder Konzernen gehen immer gewisse Gefahren aus.

Es folgen weitere 70 Minuten, die mit Vermutungen und Verdächtigungen angereichert waren, aber etwa sehr wichtiges außen vor gelassen hatten:

  • Black Rock verwaltet die Vermögen anderer Leute oder Institutionen.
  • Etwa 1 Drittel davon betreut die Tochter iShares absolut passiv.

Black Rock ist zwar unbestritten an vielen Konzernen beteiligt und vor allem in der BRD bei einigen Schwergewichten der größte Einzel-Aktionär. Jedoch investiert Black Rock ausschließlich mit verwaltetem Vermögen in Aktien, oder die Tochter iShares erwirbt Aktien, um damit ETFs zu generieren.

Im Endeffekt sind die Aktien im Besitz von Leuten oder Institutionen, die Black Rock mit der Verwaltung des Vermögens betrauen. Nicht viel anders sieht es bei iShares aus: Aktien werden gekauft, um ETF-Anteile anbieten zu können. Besteht keine Nachfrage mehr, stößt iShares die Unternehmensbeteiligungen wieder ab.

In welche Unternehmen Black Rock letztendlich investiert, wird von den Anlegern entschieden und nicht von Personen in der Chefetage des Konzerns. In der Tat wollten und wollen Anleger aus der BRD aktiv oder passiv im DAX investiert sein. Allein dieser Fakt erklärt die Beteiligungen von Black Rock an Unternehmen, die im Deutschen Aktienindex vertreten sind.

Dazu ein praktisches Beispiel:

  • Seit 2016 ist die heimische Automobilbranche unter gesellschaftlichem und politischem Dauerbeschuss. Ergo stoßen Anleger ihre Papiere ab und Black Rock verkauft diese dann im Auftrag.
  • Gleichzeitig ziehen die Preise auf dem heimischen Immobilienmarkt an. Anleger wollen davon profitieren und steigen, unter anderem über Black Rock, beim Branchenriesen Vonovia ein.

Auf beiden Seiten des Anlageuniversums ist Black Rock von den Wünschen seiner Klienten abhängig und dies wird in der Dokumentation völlig ausgeblendet. Bei vernünftig dargestelltem Sachverhalt wäre die Sendung nach 15 Minuten zu Ende gewesen, doch die Initiatoren hatten vermutlich anderes im Sinn.

Black Rock kann beispielsweise nur nach ethischen Grundsätzen investieren, wenn dies von seinen Kunden gewünscht wird. Auch diese Tatsache blenden die Macher der Dokumentation konsequent aus. Stattdessen wird dargestellt, dass der böse Vermögensverwalter in womöglich bedenkliche Unternehmen investiert: Beispiel Vonovia.

Noch einmal: Wenn ein institutioneller Investor von Black Rock seine Vermögenswerte verwalten lässt, gibt ausschließlich er die Richtung vor. Die Tochter iShares kauft Aktien zur Nachbildung von Indexfonds, in welche ETF-Anleger bevorzugt investieren möchten.

Angenommen, Du willst in einen ETF auf den S&P 500 investieren. Die Tochter iShares kann in dem Fall nicht sagen: Nein, haben wir nicht, da sind nämlich ein paar böse Konzerne drin. Jeder Anleger wird von Black Rock so gut wie möglich bedient und bekommt, was er will. Natürlich ist den meisten Anlegern nicht bewusst, welche Geschäftsmodelle im DAX oder S&P 500 vertretene Konzerne haben oder es interessiert einfach nicht.

Der Sender Arte konnte in der gesamten Dokumentation keine wirkliche Einflussnahme von Black Rock auf ein Unternehmen beweisen. 90 Minuten nur aneinander gereihte Mutmaßungen und haltlose Verdächtigungen.

Die Kernfrage wurde nicht einmal gestellt, geschweige denn beantwortet: Wer sind die großen Investoren, die von Black Rock riesige Summen verwalten lassen?

Meine Vermutung

Ich versuche, alle Ereignisse in einem größeren Rahmen zu sehen und in diesem Zusammenhang ist mir etwas aufgefallen. Seit 2019 greift die Politik massiv private Anleger an. Olaf Scholz besteuert Investitionen in Aktien von großen Konzernen. Fast zeitgleich wird die Gesetzgebung bei der Einkommenssteuer für private Anleger nachteilig verändert. Untermalt wird das Ganze von einer fragwürdigen Dokumentation über ein Unternehmen, dass angeblich viel zu viel Geld besitzt, dieses aber nur verwaltet.

Könnte es nicht sein, dass uns die Lust auf Investitionen in Aktien und ETFs genommen werden soll? Meiner Meinung nach ja, denn auf Depots kann wesentlich schwerer zugegriffen werden als auf Bankeinlagen.

Natürlich weiß ich, dass Geld die Welt regiert. Die wirkliche Macht üben aber die Besitzer aus und nicht der Verwalter Black Rock.

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Ein Kommentar

  1. Hallo Dominik,

    prinzipiell stimme ich dir zu. Auch die ARTE-Doku fand ich voll daneben.
    Die Beteiligungen kommen natürlich durch die Investoren und nicht über das böse Management zu Stande.

    Dennoch finde ich es problematisch, dass Blackrock über das Konstrukt der ETF über viele Stimmrechte verfügt und diese nicht an die Inhaber der ETF übergehen.
    Ich habe vor geraumer Zeit auch schon mal einen kurzen Artikel hierzu geschrieben:

    https://www.langfristig-gedacht.de/wissen/problem-blackrock-das-muss-sich-bei-etf-schnellstmoeglich-aendern/

    Da besteht Handlungsbedarf und nicht bei der Finanztransaktionssteuer 😉

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