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Dividendenstrategie– ja oder nein?

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Depotstudent Dominik
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Den Lebensunterhalt im Ruhestand mit Gewinnen aus dem ETF-Portfolio zu bestreiten, ist eine Möglichkeit, die ich bereits oft in meinen Artikeln erklärt habe. Kapital und Erträge werden dabei über viele Jahre hinweg kontinuierlich aufgebaut. Ab dem Renteneintrittsalter oder einem individuell gewählten Zeitpunkt beginnt die Auszahlungsphase.

Die Gefahr bei dieser Strategie ist jedoch das schwer kalkulierbare Alter. Einerseits möchte jeder Anleger so alt wie möglich werden und in der Tat steigt das durchschnittlich erzielbare Lebensalter ständig. Andererseits zwingt ein eventuell sehr hohes Alter den Anleger zur Bescheidenheit bei den selbst zugeschnittenen Auszahlungen.

In diesem Beitrag zeige ich Dir, wie diese Herausforderung bewältigt werden kann. Das Zauberwort heißt Dividenden, die richtig erwirtschaftet, erheblich zum Lebensunterhalt beitragen können. Der wesentliche Vorteil einer Dividendenstrategie ist: Das eigentliche Kapital wird überhaupt nicht oder sehr langsam abgebaut.

Hier den Beitrag als Podcast oder Video genießen:

Was genau sind Dividenden?

Anleger profitieren bei Aktien von langfristig steigenden Kursen. Wer also in einen breit diversifizierten Aktienindex wie den MSCI World per ETF investiert, nimmt an der Wertentwicklung von mehr als 1.650 Gesellschaften in 23 Ländern teil. Die Gewinne dieser Unternehmen werden entweder in die Erschließung neuer Geschäftsfelder sowie in modernere und effektivere Anlagen investiert oder als Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet.

Wenn Du beispielsweise ETF-Anteile auf den MSCI World Aktienindex im Portfolio hast, bekommst Du anteilig in bestimmten Intervallen Dividenden. Die kommen bei einem ausschüttenden ETF jährlich, alle 6 Monate oder quartalsweise auf dem Verrechnungskonto Deines Depots an. Hast Du einen thesaurierenden ETF gewählt, werden die Dividenden mitsamt sonstigen Erträgen automatisch wieder angelegt.

Wichtig: Dividenden sind freiwillige Zahlungen von Unternehmen an Aktionäre. Anders als bei Zinserträgen besteht kein Anspruch auf regelmäßigen Eingang in gleichmäßiger Höhe. Je nach Geschäftslage, können Aktiengesellschaften ihre Dividenden erhöhen, senken oder komplett wegfallen lassen. Wie umfangreich die Dividendenzahlungen für ein Geschäftsjahr ausfallen, legen Firmenleitung und Aktionäre während der Hauptversammlung fest.

Was bedeutet Ex-Dividende?

Sobald ein Unternehmen Dividenden an seine Aktionäre ausschüttet, sinkt der Kurs seiner Aktien vorübergehend um den ausgeschütteten Betrag.

  • Die Aktie des Unternehmens X hat einen Wert von 100 Euro.
  • Es werden 5 Euro pro Anteilschein ausgeschüttet.
  • Am Tag nach der Ausschüttung sinkt der Aktienwert auf 95 Euro.

Für ein ausschüttendes Unternehmen macht es demnach keinen Unterschied, ob es die Gelder im Unternehmensvermögen belässt oder an seine Anteilseigner auszahlt. Dividenden-Ausschüttungen sind sogar vorteilhaft, weil anders als beim Aktienverkauf, keine Ordergebühren anfallen. Dividenden sind wie Erträge aus Kapitalanlagen mit 25 % Abgeltungssteuer belegt. Bis zu 801 Euro im Jahr können von einem Alleinstehenden steuerfrei eingenommen werden.

Zwei Strategien führen zum Erfolg

Zunächst musst Du einen möglichst breit streuenden Aktienindex suchen und einen ETF darauf erwerben. Der Einstieg setzt die Anmeldung bei einem Broker voraus und der Kauf erfordert die Einrichtung eines Depots. Um von den regelmäßigen Dividenden-Ausschüttungen profitieren zu können, muss ein ausschüttender ETF ins Portfolio einziehen.

Dieser ETF sollte lange gehalten werden, weil er neben den Dividenden attraktive Kursgewinne in Aussicht stellt. Vorteilhaft ist in dem Kontext das Befolgen dieser Strategien:

  • Kaufen und möglichst lange im Portfolio halten.
  • Erwerben und regelmäßige Dividenden kassieren.

In den nächsten Abschnitten erkläre ich Dir, ab welchem Depotwert sich die Dividendenstrategie wirklich lohnt.

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Wie werden die bestmöglichen Dividenden erzielt?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten zum Erzielen von optimalen Dividenden. Obgleich ich gegen die Erste erhebliche Bedenken habe, erkläre ich sie Dir hier:

Auswahl von Aktien mit konstant guter Dividenden-Ausschüttung

Es gibt Anleger, die aufwendig 30, 40 oder mehr Titel auswählen, für jede einzelne Aktie Ordergebühr bezahlen und ihr Depot jährlich neu gewichten. Dieser Ansatz erfordert umfangreiche Kenntnisse, viel Zeit und setzt Markttiming voraus. Es muss schließlich der ideale Einstiegspunkt gefunden werden, damit jede Aktie sowohl hinsichtlich der Kurentwicklung als auch bezüglich der Ausschüttung rentiert.

Oft wird bei dieser Vorgehensweise die ideale Streuung vernachlässigt und es werden Fehler hinsichtlich der Korrelation begangen. Selbst konstruierte Aktien-Depots sind vergleichsweise volatil und neigen in unruhigen Zeiten zu größeren Verlusten als professionell zusammengestellte Aktienindizes mit breiter Diversifikation.

In einen Aktienindex per ETF investieren

Dieser Ansatz mit passiver Ausrichtung ist weit weniger aufwendig, setzt keinerlei Kenntnisse voraus und überzeugt auf lange Sicht mit niedrigeren Kosten. Das mit Aktien verbundene Risiko wird durch die breite Streuung bestmöglich minimiert. Es gibt von MSCI beispielsweise auf hohe Dividenden-Ausschüttungen ausgerichtete Indizes, die sich am Weltindex orientieren.

  • Im MSCI World sind mehr als 1.650 Aktien enthalten.
  • Der MSCI World High Dividend Yield Index besteht aus 331 Teilen.

Du findest eine genaue Beschreibung des Index in einem meiner Artikel auf dieser Webseite. Ich habe ihn seitens des Inhalts und der langfristigen Wertentwicklung mit dem Elternindex MSCI World verglichen. Im Ergebnis rentiert der Klassiker deutlich besser. Die Auswahl an ausschüttenden ETFs auf ihn ist wesentlich größer und kommt mit niedrigeren Kosten.

Warum der MSCI World für die Dividendenstrategie sinnvoll ist

Von den 1.650 Aktiengesellschaften schütten die meisten regelmäßige Dividenden aus. Du streust Dein Kapital wesentlich breiter als mit dem Dividenden-Index von MSCI und profitierst langfristig von besseren Erträgen.

Einen ETF auf den MSCI World kannst Du mit jährlicher TER von nur 0,12 % erwerben. Die über einen Zeitraum von 15 Jahren errechnete Durchschnittsrendite liegt bei etwa 8 %. Dieser Gewinn setzt sich aus 5 % Kurssteigerung und 3 % Dividenden zusammen. Du erzielst also mit einem ETF im Wert von 10.000 Euro pro Jahr 300 Euro Dividenden-Ertrag.

Wie viel muss Dein ETF wert sein, um von den Dividenden leben zu können?

  • Bei einem Depotwert von 100.000 Euro fallen pro Jahr 3.000 Euro Dividenden an.
  • Ein Depotwert von 1 Million Euro resultiert in jährlicher Dividenden-Ausschüttung von 30.000 Euro.

Von diesen 30.000 Euro möchte das Finanzamt 25 % an Abgeltungssteuer haben, es bleiben also 22.500 plus der Freibetrag von 801 Euro gleich 23.300 Euro übrig.

Du benötigst demnach ein Kapital von 1 Million Euro, um von den Dividenden eines Aktienindex leben zu können. Sinnvoll oder nicht? Entscheide bitte selbst.

Vorteilhaft ist, dass alle über die Dividenden hinausgehenden Gewinne wieder angelegt werden und sowohl den Gesamtwert als auch die Dividenden-Ausschüttungen erhöhen.

Nachteilig muss bewertet werden, dass Dividenden freiwillige Zahlungen sind, mit denen nicht immer im vollen Umfang zu rechnen ist. Zudem kann eine Krise zur längeren Talfahrt des ETF Kurses führen. Das größte Problem an der Dividendenstrategie ist allerdings:

  • Woher eine Million Euro nehmen?

In den nächsten Abschnitt zeige ich Dir, wie die Dividendenstrategie, auch ohne beträchtliches Vermögen umzusetzen ist.

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Kapital mit einem ETF-Sparplan aufbauen

Angenommen, Du bist 25 Jahre alt und verdienst in einem krisensicheren Beruf mit Aufstiegschancen ein ordentliches Monatsgehalt. Dir ist bewusst, dass Deine Rente bei Weitem nicht für einen angenehmen Lebensstil ausreicht.

Du musst also privat vorsorgen, um die bereits jetzt offenkundige Rentenlücke effektiv zu schließen. Ein weiteres Problem besteht in der Ungewissheit bezüglich Deines Alters. Der folgende Plan kann bei der Bewältigung des Problems hilfreich sein.

Richte einen ETF-Sparplan auf den MSCI World Index ein

Ich empfehle diesen Aktienindex aus mehreren Gründen. Er ist optimal diversifiziert, besteht seit mehreren Jahrzehnten und hat sich bereits in etlichen Krisen hinreichend bewährt. ETFs auf den Index sind mit niedrigen Kosten behaftet und bei den meisten Brokern sparplanfähig verfügbar. Wähle bitte einen thesaurierenden ETF, weil dieser sämtliche Gewinne und Dividenden sofort reinvestiert und damit entscheidend zur Wertentwicklung beiträgt.

  • Bei einer Sparrate von 300 Euro im Monat zahlst Du 40 Jahre lang insgesamt 144.000 Euro ein.
  • Dein Endergebnis lautet bei einem ETF auf den MSCI World Index etwa 1.055.000 Euro.

Natürlich ist mir klar, dass die Sparrate für viele Leute sehr hoch ist. Aber überlege bitte, wie viel Du monatlich in eine halbwegs vernünftige Lebensversicherung einzahlen müsstest. Aller Wahrscheinlichkeit würde der gleiche Monatsbeitrag in einem wesentlich schlechteren Endergebnis resultieren, weil der Anbieter auch davon lebt.

Beim ETF-Sparplan bist Du Dein eigener Herr und profitierst alleine von Deiner Ausdauer. Du kannst beispielsweise die Sparrate an Deine Lebenssituation anpassen oder für einige Zeit aussetzen, ohne ernsthafte Konsequenzen tragen zu müssen. Wichtig ist allein, dass Du 40 Jahre dabeibleibst und durchschnittlich 300 Euro im Monat investierst.

Wurde der ETF-Sparplan ohne Unterbrechungen 40 Jahre durchgehalten, steht Dir mit einem Alter von 65 Jahren ein ansehnlicher Betrag zur Verfügung.

Wechsle zu einem ausschüttenden ETF

Etwa 2 Jahre vor dem Renteneintritt baust Du Dein Depot um und machst aus der thesaurierenden Geldanlage eine Ausschüttende. Die 2 Jahre bis zur Rente sind als Puffer für eventuelle Unterbrechungen und als Zeitfenster für die Umstellungen gedacht. Wenn Du mit dem 66. Lebensjahr das Depot umgestellt hast, kommt die erste Dividenden-Ausschüttung genau richtig zum Rentenbezug.

Die Ausschüttungen des ersten Jahres transferierst Du nach Steuerabzug von Deinem Verrechnungskonto auf ein jederzeit verfügbares Tagesgeldkonto und richtest einen Auszahlungsplan ein. Wie oben errechnet, ergeben durchschnittlich 23,300 Euro netto pro Jahr eine Rentenaufbesserung von 1.940 Euro im Monat.

Es ist allerdings empfehlenswert, einen Teil des monatlichen Betrags auf dem Konto zu lassen. Warum? Weil Dividendenzahlungen manchmal geringer ausfallen oder bei einigen Unternehmen ganz unterbleiben können.

Depotwert wird erhalten und steigt

Mit der richtig ausgeführten Dividendenstrategie bleibt der Wert Deiner Geldanlage in den MSCI World ETF erhalten. Durch die reinvestierten Kursgewinne wächst sie sogar weiter. Etwa 5 % mehr pro Jahr bedeuten auf lange Sicht höhere Dividenden und ein Portfolio mit gestiegenem Wert.

Wie Du damit umgehen willst, ist ausschließlich Deine Sache. Du kannst die Strategie so wie beschrieben durchführen und das Portfolio an Deine Nachkommen vererben. Oder Du wählst einen Mittelweg zwischen Dividendenstrategie und stufenweisen Wertabbau im Portfolio.

Viele Wege führen zum Ziel

Die Dividendenstrategie ist nicht nur bei ausreichend großem Vermögen sinnvoll. Wenn Du allerdings ausschließlich von den Ausschüttungen leben willst, sollte Dein Depot mehr als 1 Million wert sein. Diesen Wert erreichst Du nur sehr selten durch eine Erbschaft oder einen Lottohauptgewinn. Der realistische Weg ist das Sparen mittels ETF über viele Jahrzehnte hinweg.

Es kommt jedoch in erster Linie auf Deine Wünsche an, wie umfangreich das Portfolio am Ende der Laufzeit sein soll. Du kannst auch mit niedrigeren Sparraten zum Ziel kommen. In dem Fall ist mit geringeren Ausschüttungen zu rechnen und eventuell ergibt es einen Sinn, das Depot langsam Schritt für Schritt aufzulösen.

Hierzu ein Beispiel mit 200 Euro monatlicher Sparrate:

  • 40 Jahre monatlich 200 Euro in einen ETF-Sparplan auf den MSCI World investieren, kommt einer Einzahlung von insgesamt 96.000 Euro gleich.
  • Als Endergebnis steht eine Gesamtsumme von gut 700.000 Euro in Option.
  • Die Dividenden-Ausschüttung beträgt in diesem Szenario brutto 21.000 Euro oder 16.000 Euro nach Steuern.

16.000 Euro jährlich bedeuten eine monatliche Aufbesserung der gesetzlichen Rente um 1.300 Euro, ohne dass das Portfolio an Wert verliert. Für einen selbstständigen Gewerbetreibenden ohne Anspruch auf gesetzliche Rente ist dieses Modell allerdings weniger geeignet, weil 1.300 Euro im Monat nur zu einem sehr bescheidenen Leben ausreichen.

Fazit

Die Dividendenstrategie ist eine sinnvolle Vorgehensweise für die Geldanlage mittels ETF in einen Aktienindex. Bei langer Laufzeit und ausreichend hoher Sparrate führt der ETF-Sparplan beim Renteneintritt zu finanzieller Freiheit. Wichtig ist, dass Du den für Dich geeigneten ETF-Sparplan abschließt und diszipliniert Dein Ziel verfolgst.

Dein Depotstudent Dominik

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2 Kommentare

  1. Interessanter Artikel, das Thema Dividenden treibt mich schon länger um, denn sie sind für mich eine psychologische Stütze und Motivation dran zu bleiben. Ich setze die Dividenden Strategie für mich so um. Vanguard FTSE All World (Basis invest) iShares Dev. Mark. Property Yield und Invesco FTSE EM High Dividend Low Volatility. Bei dieser Konstelation wird nahezu jeden Monat einmal ausgeschüttet aber bei der Bank (finvesto) automatisch wieder angelegt. Als “Renditebooster” bespare ich noch zusätzlich den Burggraben ETF von VanEck und den Automation & Robotic von iShares.
    Wünsche dir ein gutes und erfolgreiches 2020.

  2. Schöner Artikel. Ich habe mir damals eine ähnliche Anlagestrategie überlegt.
    Seit knapp 15 Jahren investiere ich in Fonds bzw. thesaurierende ETF.
    Noch 10 Jahre bis zur Rente habe ich meine Anlage nun umgestellt und investiere in ausschüttende ETF (nach dem Extraetf-Musterportfolio „Jeden Monat Ausschüttungen (mit Anleihen)“) mit manueller Wiederanlage. Die bisherigen ETF lasse ich einfach weiter im Depot.
    Wie in deinem Artikel plane ich dann kurz vor Ende meines Arbeitslebens Teile der thesaurierenden ETF gegebenenfalls gegen ausschüttende zu „tauschen“, je nachdem wie hoch mein Bedarf bei Renteneintrittsalters dann sein wird.

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