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⛔️EM Bonds sinnvoll, ja oder nein?⛔️

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Mit Anleihen versuchen die Besitzer von Aktien- oder ETF Portfolios, ihre Risiken zu minimieren. Der Ansatz wird kontrovers diskutiert, weil es ohne Risiko keine Rendite gibt und auf lange Sicht die Gefahren sowieso überschaubar sind. Es gibt aber auch Anleihen, die eher zum risikobehafteten Teil des Portfolios zählen und kaum Beachtung finden.

Im nachfolgenden Artikel gehe ich der Frage nach: Sind Anleihen aus den Schwellenländern für das Portfolio eines privaten Anlegers sinnvoll? Meine Argumentation stützt sich auf eine aktuelle Studie, welche aussagefähige Daten über einen Zeitraum von 200 Jahren beinhaltet. Wohlgemerkt handelt es sich um Emerging Markets Staatsanleihen in sogenannter Hartwährung. Als harte Währungen werden Zahlungsmittel wie beispielsweise USD, GBP, JPY, CHF und EUR bezeichnet.

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Was könnte gegen Staatsanleihen aus den Schwellenländern sprechen?

Wer an die Emerging Markets denkt, verbindet damit oft politische Risiken, welche die wirtschaftlichen Chancen minimieren. Diese Ansicht beruht überwiegend auf den meist einschlägigen medialen Informationen. Unvollständig informierte Anleger sehen bei Investitionen in Aktienindizes aus den Schwellenländern wesentlich mehr Risiken als bei Engagements in Wertpapiere aus den industrialisierten Staaten.

Noch schlimmer ist es bei Staatsanleihen aus den aufstrebenden Märkten, hierbei werden hohe Ausfallrisiken, Zinsänderungsrisiken und Währungsrisiken vermutet. Eine aktuelle Studie von amerikanischen und deutschen Autoren räumt insbesondere bei Staatsanleihen bestehende Vorurteile aus dem Weg.

Die Studie baut auf Daten aus den letzten 200 Jahren auf und kommt zu unvermuteten Ergebnissen. Das Team beschränkte sich aus gutem Grund auf hierzulande verfügbare Staatsanleihen in harter Währung, weil damit ein wesentliches Risiko ausgeschaltet ist.

Untersucht wurden Risiken und Renditen im Zeitraum zwischen 1815 und 2016. Mich beeindruckten der Umfang dieser Studie und die Tatsache, dass die Autoren auf geschönte Daten, wie sie ansonsten gerne zum Einsatz kommen, verzichteten.

Bewegte 200 Jahre

Die Geschichte der Schwellenländer ist von blutigen Auseinandersetzungen, regionalen Kriegen und teilweise lange anhaltenden Phasen der Entkolonialisierung geprägt. Danach beeinträchtigen die Auswirkungen von WK I und II die Entwicklung der noch jungen Staaten. Es kam zu Währungskrisen, Staatsbankrotten und Regierungswechseln. Viele Schwellenländer wurden durch die große Finanzkrise 2008 um Jahre in ihrer Entwicklung zurückgeworfen.

91 Länder wurden von den Autoren für die Studie untersucht, nur 10 davon überstanden die letzten 200 Jahre ohne Schuldenkrise.

Zu welchen Ergebnissen kamen die Autoren?

Die untersuchten 91 Schwellenländer gaben in den letzten 200 Jahren etwa 1.400 Staatsanleihen in Hartwährung aus. In den ersten 100 Jahren überwiegend in britischen Pfund und in den weiteren 100 Jahren meist in US-Dollar. Ausgenommen von der Untersuchung waren Emissionen in lokalen Währungen.

Die Ergebnisse dürften für viele Anleger überraschend sein und zum Nachdenken anregen. Nachfolgend die inflationsbereinigte Rendite von Staatsanleihen aus den Schwellenländern in oben genanntem Zeitrahmen im Vergleich mit anderen Anlageklassen:

Schwellenländer Staatsanleihen in Dollar rentierten in den letzten 200 Jahren vor Steuern mit 5,8 % per anno. Die jährliche Volatilität betrug durchschnittlich 14 %, die Sharpe Ratio wird mit 0,38 angegeben.

Bei langfristigen Staatsanleihen der Vereinigten Staaten lag die jährliche Rendite im gleichen Zeitraum bei 3,7 %. Mit 9,4 % war das durchschnittliche Risiko per anno etwas geringer und die Sharpe Ratio lag mit 0,20 unter dem Wert der Schwellenländer Bonds.

US-amerikanische Aktien von großen Gesellschaften rentierten zwischen 1815 und 2016 mit durchschnittlich 6,6 % pro Jahr. Die Volatilität wurde per anno mit 18,7 % angegeben, die Sharpe Ratio mit 0,32.

Large Caps aus dem Vereinigten Königreich brachten ihren Besitzern nur 4,4 % pro Jahr ein, bei jährlicher Volatilität von 14,1 % und einer Sharpe Ratio von 0,24.

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Schwellenländer Bonds – eine eigenständige Anlageklasse

Bei den Ergebnissen der Studie müssen zwei Aspekte berücksichtigt werden. Zum einen sind in der Studie Länder enthalten, die vor 100 Jahren noch zu den aufstrebenden Märkten zählten, aber mittlerweile Industriestaaten sind.

Zum anderen berücksichtigten die Autoren bei ihren Berechnungen den so bezeichneten Wiedergewinnungswert von in Verzug geratenen Staatsanleihen. Im gewichteten Durchschnitt beträgt dieser 62 %, in den meisten Studien wird er aber außen vor gelassen. In der Praxis erlitt ein langfristig orientierter Anleger jedoch nur einen Verlust von maximal 38 % und dieser Fakt trägt zu den vergleichsweise höheren Durchschnittsrenditen bei.

Die Studie belegte, dass Staatsanleihen von Schwellenländern in harter Währung eine eigenständige Anlageklasse bilden, die deutlich von anderen Assetklassen abgrenzbar ist. Es liegen zudem überzeugende Berechnungen zur Korrelation zwischen Aktien aus den Industrieländern und EM Bonds in Hartwährung vor.

Der ermittelte Wert von 0,47 liegt deutlich unter dem allgemein anerkannten Richtwert von 0,75, welcher als Risiko-senkend gilt. Aus wissenschaftlicher Perspektive ist also gegen eine Beimischung von Staatsanleihen der Schwellenländer im risikobehafteten Portfolio-Anteil nichts einzuwenden.

Ein ETF auf EM HC Bonds kann demnach hervorragend mit einem ETF auf den MSCI Emerging Markets Index oder den MSCI World kombiniert werden. Er sorgt für optimierte Diversifikation und ausgeglichene Durchschnittserträge.

Aus dem obigen Vergleich geht zudem hervor, dass die Studie Risiko-bereinigte Renditen darstellt. Die so bezeichnete Sharp Ratio ist eine Kennzahl, welche Risiko und Rendite in Relation setzt und erzielte Erträge pro Einheit Risiko darstellt. Beim Vergleich der Sharp Ratio Werte fällt auf, dass Anleger mit Schwellenländer Bonds beachtliche Renditen erzielen können, ohne überproportionale Risiken einzugehen.

Welche Chancen bieten EM HC Bonds in jüngerer Zeit?

Aus der Studie geht klar hervor, dass die Renditen bei Staatsanleihen aus den Schwellenländern ebenso schwanken wie die Erträge aller risikobehafteten Assets. Die Schwankungen sind jedoch nicht auf bestimmte attraktive oder unattraktive Zeiträume konzentriert, sondern Perioden-unabhängig.

In den letzten 25 Jahren kam es zu weniger Ausfällen bei Staatsanleihen von Schwellenländern in harter Währung. Im Ergebnis zeigt der nachfolgende Vergleich ein noch ansprechenderes Bild.

Risiko und inflationsbereinigte Rendite von EM HC Bonds zwischen 1994 und 2018 im Vergleich mit anderen Anlageklassen vor Kosten und Steuern:

  • Staatsanleihen in US-Dollar aus den Schwellenländern rentierten in diesem Zeitraum mit durchschnittlich 6,5 % pro Jahr. Die jährliche Volatilität betrug durchschnittlich 13,9 %, die Sharp Ratio lag bei 0,53.
  • Langfristige Staatsanleihen aus den USA erzielten im gleichen Zeitraum 4,4 % per anno. Die Volatilität lag mit 12,5 % pro Jahr etwas niedriger und die Sharp Ratio wurde mit 0,40 angegeben.
  • Aktien aus den Industrieländern in USD erwirtschafteten 4,8 % jährliche Rendite bei 17,8 % Volatilität und einer Sharp Ratio von 0,35.
  • Mit US-amerikanischen Geldmarkt-Investitionen waren in den letzten 25 Jahren jährliche Renditen von 0,2 % mit einem Risiko von 2,2 % per anno erzielbar.

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Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus der Studie?

Aus meiner Sicht liefert die sehr ins Detail gehende Untersuchung den Beweis, dass Staatsanleihen aus den Schwellenländern in harter Währung überaus attraktiv sind. Empfehlenswert ist die Investition in EM HC Bonds per ETF, weil die ordentliche Diversifikation das mögliche Risiko von vereinzelten Staatskonkursen auf ein zu verantwortbares Minimum reduziert.

Du solltest den ETF auf einen EM HC Bonds Index in den risikobehafteten Teil Deines Portfolios integrieren. EM Bonds sind kein Ersatz für Staatsanleihen aus Ländern mit AAA Rating und haben daher im risikofreien Portfolio-Anteil nichts verloren. Meiner Meinung nach ist ein risikofreier Anteil überhaupt nicht erforderlich, wenn ein langfristiger Ansatz verfolgt wird.

Ich würde einen ETF auf Staatsanleihen der Schwellenländer mit einem auf den MSCI Emerging Markets und einem ETF auf den MSCI World kombinieren. Weil dadurch das Kapital auf mehrere Anlageklassen und etwa 3.000 Positionen verteilt wird.

Hierzulande kannst Du mittlerweile unter etwa 12 ETFs auf EM HC Bonds Indizes wählen, einige davon beschreibe ich nachfolgend:

iShares J.P. Morgan $ EM Bond UCITS ETF ISIN: IE00B2NPKV68

Der ETF wurde im Februar 2008 von der Black Rock Tochter iShares in Irland aufgelegt. Er ist mit optimiertem Sampling physisch repliziert und schüttet monatlich Erträge aus. Aktuell enthält der ETF 483 Positionen, sein Fondsvermögen wird mit gut 10 Milliarden Dollar beziffert. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,45 % per anno.

Wertentwicklung seit 2015

  • 2015 plus 0,47 %.
  • 2016 plus 9,62 %.
  • 2017 plus 9,95 %.
  • 2018 minus 5,48 %.
  • 2019 plus 15,73 %.

iShares J.P. Morgan $ EM Bond EUR ISIN: IE00B9M6RS56

Im Jahr 2013 von iShares (Black Rock) in Irland aufgelegt, hat der ETF eine Fondsgröße von 3,4 Milliarden Euro. Er ist physisch mit optimiertem Sampling nachgebildet, beinhaltet aktuell 484 Positionen und hat eine jährliche Gesamtkostenquote von 0,50 %. Der ETF ist ausschüttend konzipiert und schüttet monatlich aus.

Wertentwicklung seit 2015

  • 2015 minus 0,1 %
  • 2016 plus 7,70 %.
  • 2017 plus 7,83 %.
  • 2018 minus 8,35 %.
  • 2019 plus 12,10 %.

Lyxor UCITS ETF iBoxx $ Liquid Emerging Markets Sovereigns ISIN: LU1686830909

Der in Luxemburg 2010 aufgelegte ETF ist synthetisch repliziert und ausschüttend aufgebaut. Das Fondsvolumen beträgt knapp 300 Millionen Euro, die Gesamtkostenquote wird mit 0,30 % pro Jahr angegeben. Die jährliche Volatilität beträgt 6,68 %.

Wertentwicklung seit 2016

  • 2016 plus 10,42 %.
  • 2017 minus 4,91 %.
  • 2018 minus 0,03 %.
  • 2019 plus 15,82 %.

Sparplanfähig ist der ETF bei den Brokern DKB, Comdirect und Flatex verfügbar.

Xtrackers USD Emerging Markets Bond UCITS ETF ISIN: LU0677077884

Der im Mai 2018 in Luxemburg aufgelegte ETF hat eine Fondsgröße von 1,1 Milliarden Euro. Er ist mit optimiertem Sampling physisch repliziert und schüttet jährlich Erträge aus. Seine Gesamtkostenquote beträgt 0,25 % per anno, die jährliche Volatilität wird mit 6,36 % beziffert.

Im Jahr 2019 rentierte der ETF mit plus 17,26 %.

UBS ETF (LU) Bloomberg Barclays USD Emerging Markets ISIN: LU1324516308

Im April in Luxemburg aufgelegt, hat der UBS ETF ein Fondsvolumen von gut 500 Millionen Euro. Er ist thesaurierend konzipiert und mit optimiertem Sampling physisch repliziert. Seine Gesamtkostenquote beträgt 0,47 % pro Jahr, die jährliche Schwankungsbreite wird mit 3,86 % beziffert.

Wertentwicklung seit 2017

  • 2017 plus 8,44 %.
  • 2018 minus 6,82 %.
  • 2019 plus 10,68 %.

Sparplanfähig ist der ETF bei den Brokern DKB, 1822direct und Sparkasse verfügbar.

Was halte ich von Staatsanleihen aus den Schwellenländern in harter Währung?

ETFs auf EM HC Bonds sind womöglich Lösungen für Besitzer von Portfolios, welchen an noch besserer Diversifikation liegt. Zudem könnten sie für Anleger sinnvoll sein, denen ETFs auf Aktienindizes zu volatil sind. Die mit Staatsanleihen aus Schwellenländern verbundenen Rendite-Chancen sind vergleichsweise hoch, indes kommen sie nicht an die Erträge von globalen Aktienindizes heran.

Ich habe ungeachtet meiner Meinung zu EM HC Bonds als ETF den Anspruch, Dich über alternative Investitionsmöglichkeiten zu informieren. Die Entscheidung für oder gegen Staatsanleihen aus den Schwellenländern liegt allein bei Dir. Persönlich bin ich der Ansicht, dass die Ökonomien der Schwellenländer auf lange Sicht enormes Potenzial haben.

Für mich ist daher die Kombination von 70 % MSCI World und 30 % MSCI Emerging Markets eine sinnvolle Lösung bei der Geldanlage. Auf beide Indizes gibt es zahlreiche ETFs mit niedrigen Gesamtkostenquoten. Vorteilhaft ist zudem, dass diese ETFs bei bestimmten Brokern dauerhaft kostenfrei bespart werden können.

Unabhängig davon benötigst Du bei jeder Geldanlage mit ETFs einen Anlagehorizont von deutlich mehr als 15 Jahren. Eventuell musst Du am Ende geduldig auf einen idealen Zeitpunkt für den Verkauf Deiner ETFs warten.

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