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Entwicklung der Zinsen: Historisch und Zukunft

Depotstudent Dominik
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Sparer erwarten naturgemäß, dass ihre Einlagen von den Banken möglichst hoch verzinst werden. Kreditnehmer hoffen ebenso selbstverständlich auf die niedrige Verzinsung ihrer Darlehen. Das aktuelle Geldsystem kann beiden Gruppen gleichzeitig selten oder nie gerecht werden. Momentan sind die Kreditnehmer im Vorteil und die Sparer klagen über schlechte oder sogar negative Verzinsung.

In diesem Beitrag erkläre ich Dir alle wichtigen Details zu den Zinsen generell und warum die zunehmend negative Verzinsung auch eine positive Seite hat. Der Grund dieses Artikels ist, dass die Medien das Niedrigzinsniveau entweder völlig ausblenden oder irreführend verharmlosen. Ich halte sehr niedrige oder negative Zinsen für eine existenzielle Gefahr, der man nicht mit schönen Worten oder Gleichgültigkeit begegnen kann.

Klassisches Sparen lohnt sich nicht mehr

Viele Leute denken, dass die Zinsen erst in den letzten beiden Jahren das Sparen ad Absurdem führen, weil seither von negativer Verzinsung die Rede ist. Bei der Ansicht wird jedoch vergessen, welche Faktoren über Sinn oder Unsinn des Beiseite-Legens entscheiden. Der erste wichtige Aspekt ist natürlich der auf Spareinlagen gewährte Zinssatz. Dem muss allerdings die jeweilige Inflationsrate gegenüber gestellt werden. Das Bild für die letzten 10 Jahre sieht wie folgt aus:

  • 2010 gab es bei 1,2 % Inflation durchschnittliche Sparzinsen von etwa 1,4 %.
  • 2011 lagen die Sparzinsen bei 1,5 %, die Inflation stieg aber auf mehr als 2 %.
  • 2012 fiel der durchschnittliche Sparzins auf 1,4 %, die Inflation verharrte jedoch bei 2 %.
  • 2013 wurden Sparguthaben nur noch mit 1 % verzinst, die Inflation sank auf etwa 1,5 %.
  • 2014 zeigte ein umgekehrtes Bild, Sparzinsen von 1,5 % im Mittel stand eine Inflation von 1 % gegenüber.
  • 2015 lagen Inflation und Durchschnittsverzinsung mit 0,5 % auf einheitlichem Niveau.
  • 2016 verharrte die Inflation bei 0,5 %, die Sparzinsen sanken auf 0,3 %.
  • 2017 stieg die Inflationsrate wieder auf 1,5 %, die Sparzinsen fielen auf durchschnittlich 0,25 %.
  • 2018 gab es auf täglich verfügbare Spareinlagen nur noch 0,2 %, während die Inflationsrate auf 1,8 % stieg.
  • 2019 hat sich an dem Gesamtbild nichts Wesentliches geändert, Sparzinsen verharren bei knapp 0,2 %, die Inflationsrate bleibt mit 1,8 % konstant.

Aus der Auflistung geht deutlich hervor, dass sich Sparen seit mindestens 10 Jahren nicht mehr lohnt, doch solange die Sparzinsen noch im positiven Bereich waren, störte dies kaum jemand. Wird aber berücksichtigt, dass die Ermittlung der Inflation auf einem sehr umstrittenen Warenkorb beruht und in der Realität wesentlich höher liegt, wird deutlich:

  • Sparern sind in den letzten 10 Jahren mehrere Hundert Milliarden Euro an Zinsen entgangen.
  • Die Geldpolitik der EZB führte zu einer in der Geschichte einmaligen Vermögensvernichtung.

Gleichwohl beträgt die Summe aller Spareinlagen immer noch die atemberaubend hohe Summe von etwa 2,6 Billionen Euro, allein in der BRD. Und noch immer wacht die Mehrheit der Sparer nicht auf. Den Angaben der Bundesbank entsprechend, liegt der durchschnittliche Zinssatz aktuell bei etwa 0,2 %, sofern alle Spararten anteilsmäßig berücksichtigt werden. Daraus ergibt sich folgender Zustand:

  • 2.600 Milliarden Euro verzinst mit 0,2 % gleich 5,2 Milliarden Euro Zinsen.
  • Der Kaufkraftverlust durch die Inflation beträgt jedoch 46,8 Milliarden Euro.
  • Die heimischen Sparer verlieren also jedes Jahr mehr als 41 Milliarden Euro.

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Kreditzinsen sinken ebenfalls seit 10 Jahren

Dieser Aspekt wird, weil von den Medien konsequent hervorgehoben, von Sparern weitaus mehr beachtet als der reale Vermögensverlust. Richtig ist, dass die Hypothekenzinsen, seit 2010 auf Talfahrt sind:

  • 2010 bei 4 %.
  • 2011 auf 3,6 % gesunken.
  • 2012 wieder bei 4 %
  • 2013 erfolgt eine Talfahrt auf 2,8 %.
  • 2014 leichter Anstieg auf 2,9 %.
  • 2015 ging es erstmals unter 2 %
  • 2016 zurück auf 2,1 %.
  • 2017 erfolgte ein Fall auf 1,7 %.
  • 2018 seitwärts ausgerichtete Entwicklung bei 1,8 %.
  • 2019 keine wesentliche Trend-Änderung.

Konstant fallende Hypothekenzinsen üben bis heute eine faszinierende Wirkung auf die Verbraucher aus. Der Wunsch nach eigenen vier Wänden dringt in immer mehr Haushalte ein – leider wurde er früh vom Markt entdeckt. Die Immobilienpreise erklimmen seit 10 Jahren immer neue Höhen, der Erwerb eines Eigenheims wird mittlerweile zur abenteuerlichen Herausforderung.

Richtig ist, dass die Verteuerung von Wohnraum viele Ursachen hat – eine davon war und ist aber das Niedrigzinsniveau. Bei herkömmlichen Konsumentenkrediten sind die Niedrigzinsen in wesentlich geringerem Umfang angekommen – von irgendetwas müssen die Banken schließlich leben.

Bis zur Mitte des Jahres 2019 wurde die Entwicklung der Zinsen weitgehend ignoriert. Dann senkte die EZB ihren Einlagenzinssatz von -0,4 auf –0,5 % und die Banken dachten über eine Weitergabe an Privatkunden nach. Im Herbst 2019 wurde der deutsche Michel durch Schlagzeilen wie diese unsanft aufgeweckt:

  • Volks- und Raiffeisenbanken verlangen von Kunden ab dem ersten Euro Negativzinsen.

Die Geldhäuser versuchen zwar, dem Fakt durch Relativierung die Bedeutung zu nehmen. Aber bei negativ verzinsten Guthaben scheint der Spaß für Otto Normalverbraucher aufzuhören. Bemerkenswert ist allerdings, dass er sich, wie oben dargestellt, 10 Jahre hat sanft enteignen lassen.

Nicht nur Sparer betroffen

Den wenigsten Menschen ist bewusst, wie sehr die Versicherungsbranche unter den anhaltend niedrigen Zinsen zu leiden hat.

Wer 1995 eine Kapitallebensversicherung mit 20 Jahren Laufzeit abschloss, bekam noch eine Verzinsung von fast 4 % garantiert – und konnte auf Überschussbeteiligungen hoffen. Seinerzeit war die Assekuranz verpflichtet, die Beiträge ihrer Kunden sicher anzulegen, und konnte dem, mit Investitionen in Staatsanleihen gerecht werden.

Doch rentieren im Niedrigzinsumfeld Anleihen von Staaten mit erstklassiger Bonität nicht mehr oder gar negativ. Die Versicherer mussten in diesem Umfeld die einstmals abgegebenen Versprechen erfüllen und verzichten seither auf die garantierte Verzinsung.

Viele Versicherer hielten dem Druck nicht Stand, verschwanden vom Markt oder gingen in anderen Gesellschaften auf. Die von der EZB verursachten Verluste beziffert die Assekuranz nur ungern. Es wird bei den überlebenden Gesellschaften stattdessen nach vorne geblickt und ein völlig neues Geschäftsmodell entwickelt.

Verbrauchern steht mittlerweile eine Geldanlage mit Versicherungsmantel zur Verfügung, welche den Namen fondsgebundene Lebensversicherung hat. Garantiert wird nichts mehr, geblieben sind jedoch die alten Versicherungsstrukturen respektive das gewohnte Provisionen-System. Im Ergebnis bezahlt der Kunde viel für den Versicherungsmantel und trägt seitens der Geldanlage das komplette Risiko.

Das von der EZB herbeigeführte Niedrigzinsumfeld hat seine Spuren in allen Teilen der Gesellschaft hinterlassen. Alle hoffen auf eine baldige Trendumkehr.

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Warum die Niedrigzinsen lange erhalten bleiben

Für die meisten Beobachter ist es unwesentlich, wer die EZB leitet, denn die festgelegten Ziele bleiben dieselben. Als Gründe für den niedrigen Leitzins und den negativen Einlagezins werden angenommen:

  • Ankurblung der Wirtschaft durch zunehmende Vergabe von günstigen Krediten.
  • Entlastung der hoch verschuldeten Länder im Süden Europas.

Die Wirtschaft lässt sich jedoch nicht, so wie angenommen, unbegrenzt durch billige Unternehmenskredite aufheizen. Dem Wachstum sind in vielen Branchen natürliche Grenzen gesetzt.

Bleibt die Vermutung, dass Länder wie Griechenland, Italien, Spanien und Portugal durch Niedrigzinsen entlastet werden sollen. Könnte es also sein, dass die EZB eine gewaltige Umverteilung betreibt? Entscheide selbst, hoffe aber nicht auf bald wieder steigende Zinsen.

Das Niedrigzinsniveau wird über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, die europäischen Volkswirtschaften begleiten. Ein Blick über den Atlantik verrät Dir den Grund. Nach der Wahl von Donald Trump war die US-amerikanische Wirtschaft in einer lange nicht da gewesenen Aufbruchsstimmung. Kredite waren billig, es wurde daher von Unternehmen kräftig investiert.

Die Euphorie nutzte die FED, um den Leitzins gleich mehrmals zu erhöhen. Ende 2018 befand sich der Leitzins bei deutlich über 2 % und wirkte sich auf die heimische Kreditwirtschaft aus. Steigende Kreditzinsen brachten den Aufschwung zum Erliegen, weil Unternehmen mittlerweile vom billigen Geld abhängig sind wie Junkies von ihrem Stoff.

Erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 gelang es der Regierung, bei der FED einen Sinneswandel auszulösen. Nachdem der Leitzins mehrmals gesenkt wurde, stieg die Investitionsbereitschaft wieder spürbar an. Die EZB schaut genau auf die Entwicklung in den Vereinigten Staaten und will eine Abkühlung der Wirtschaft um jeden Preis vermeiden.

Darüber hinaus soll die Entlastung der oben erwähnten Länder weiter bestehen bleiben. Es ist also zu erwarten, dass die EZB den einmal eingeschlagenen Weg lange weiter beschreitet, unabhängig von personellen Veränderungen. Du hast deshalb nur zwei Optionen:

  • Weiterhin und zunehmend Kaufkraft bei Deinen Spareinlagen verlieren.
  • Aufwachen und auf neuen Pfaden gehen.

Negativzinsen haben unvermutet Positives bewirkt

Vielen Leuten ist in der Tat bewusst geworden, dass sie mit herkömmlichen Bankeinlagen ihre Vermögen vernichten. Und das nicht erst, seitdem ein Minuszeichen vor dem Zinssatz steht, sondern eigentlich bereits seit mehr als 10 Jahren. Es scheint mir, als dass Verschwörungstheoretiker in einer Sache richtig lagen:

  • Bevor etwas besser wird, muss es zunächst viel schlimmer werden.

Die Meldungen über zunehmende Negativzinsen haben viele Menschen aus ihrem Dornröschenschlaf aufgeweckt. Natürlich waren die Berichte teilweise übertrieben formuliert, aber sie haben etwas Gutes bewirkt.

  • Immer mehr Leute wollen die Entwicklung ihrer Vermögen selbst in die Hand nehmen.
  • Dass die Rente in 30 oder 40 Jahren bei Weitem nicht mehr ausreicht, ist mittlerweile Konsens.

Nun gilt es aber, kühl und sachlich vorzugehen. Dazu einige Tipps von meiner Seite.

Liquide bleiben

Natürlich ist es sinnlos, sämtliche Geldbestände abzuheben und in Wertpapiere zu investieren. Ein Notgroschen ist wichtiger denn je, weil er im Ernstfall die Kreditaufnahme erspart. Dass immer mehr Tagesgeldkonten mit negativen Zinsen belegt werden, ist wahrscheinlich. Es handelt sich jedoch im Einzelfall um einen sehr geringen Betrag:

  • 3.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto werden derzeit mit plus 0,1 % per anno verzinst.
  • Im schlimmsten Fall resultiert ein negativer Zinssatz in einem nominalen Verlust von 15 Euro pro Jahr.

Ich würde den Notgroschen so gering wie möglich ansetzen, aber in jedem Fall beibehalten. Es gibt zudem Möglichkeiten, die Verluste durch Engagements auf dem privaten Kreditmarkt oder im Devisenhandel auszugleichen.

Vorhandenes Vermögen in ETFs anlegen

Solltest Du über den Notgroschen hinausgehende Mittel besitzen, die in den nächsten Jahren nicht gebraucht werden, ist eine Anlage in einen oder mehrere ETFs sinnvoll. Wähle dazu börsengehandelte Indexfonds, die auf breit streuenden Aktienindizes beruhen. Mit einem ETF auf den MSCI World sind auf lange Sicht erwiesenermaßen Renditen von jährlich 8 % im Durchschnitt erzielbar. Wichtig ist dazu ein Anlagehorizont von 20 und mehr Jahren:

  • Aus 50.000 Euro werden in 20 Jahren etwa 235.000 Euro vor Steuern.
  • In 30 Jahren machst Du aus 50.000 Euro circa 506.000 Euro.
  • Innerhalb von 40 Jahren werden aus 50.000 Euro knapp 1,1 Millionen Euro.

Du siehst also, dass attraktive Zinsen und viel Zeit alle derzeitigen Probleme beseitigen können. Es kann die Rentenlücke geschlossen und Vermögen für einen sorgenfreien Lebensabend aufgebaut werden.

Das Schöne an börsengehandelten Indexfonds ist, dass Du auch ohne nennenswertes Kapital damit Vermögen aufbauen kannst. Wähle dazu einen sparplanfähigen ETF auf den MSCI World und verkraftbare Sparraten. Mit nur 100 Euro im Monat erzielst Du diese Ergebnisse:

  • 20 Jahre Laufzeit gleich 57.000 Euro.
  • 30 Jahre Laufzeit gleich 142.000 Euro.
  • 40 Jahre Laufzeit gleich 324.000 Euro.

Selbstverständlich sind die Sparraten jederzeit an die Lebensverhältnisse anpassbar. Du kannst also auch 200 und mehr Euro monatlich investieren.

Fazit

Es ist nicht zu bestreiten, dass die dauerhaft niedrigen Zinsen langsam das Vermögen der breiten Masse vernichtet haben. Den jetzt drohenden Negativzinsen muss aber eine positive Funktion zugutegehalten werden: Sie haben viele Sparer aufgeweckt und zum Geldanlegen animiert.

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