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ETF wird geschlossen – was nun?

Depotstudent Dominik
3.9
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ETFs werden bei privaten Anlegern immer beliebter, weil sich mit ihnen kostengünstig Vermögen aufbauen lässt. Um die Jahrtausendwende führten die Exchange Traded Funds noch ein Nischendasein. Die nach der Finanzkrise 2008 einsetzende Geldpolitik der EZB verhalf ihnen jedoch zu steigender Bekanntheit. Der wichtigste Unterschied zwischen einem herkömmlichen Sparkonto und einem ETF auf einen globalen Aktienindex ist: Mit dem Sparkonto wird Geld vernichtet und mit einem ETF vermehrt.

In meinen Ratgebern rege ich stets dazu an, bei der Auswahl des ETF auf ein gewisses Mindestalter und Fondsvolumen zu achten. Die Begründung: Fonds, die den Anforderungen nicht gerecht werden, droht die Schließung. Der heutige Beitrag ist dem Thema Fonds-Schließung gewidmet und beantwortet Deine wichtigsten Fragen im Detail.

Hier den Beitrag als Podcast oder Video genießen:

Was bedeutet die Schließung eines ETF für Anleger?

Bevor ich die Frage beantworte, werfen wir einen Blick auf den heimischen ETF Markt. Hier stehen nahezu alle bekannten Anbieter in scharfem Wettbewerb zueinander. Ständig werden neue ETFs aufgelegt, um jede halbwegs aussichtsreiche Nische zu schließen.

Bei Weitem nicht jeder börsengehandelte Indexfonds kann das zum Überleben notwendige Fondsvolumen entwickeln. In der Regel wartet ein Anbieter einige Jahre ab, bevor er sich zur Schließung entschließt.

Allerdings hat dieser Prozess eine marktbereinigende Funktion und ist für Dich als Anleger lediglich mit einigen Überlegungen, keinesfalls aber mit finanziellen Nachteilen verbunden. Du verlierst weder das investierte Kapital, noch wachst Du eines Tages auf und findest Deinen ETF geschlossen vor.

Wenn ein Anbieter die Schließung für unumgänglich hält, informiert er zunächst die Broker. Diese schreiben darin investierte Anleger 1 bis 2 Monate vorher an. Dein Broker stellt in dem Schreiben die Möglichkeiten vor, welche sich wiederum aus der Art der Schließung ergeben. Eine davon ist, den ETF zum Tageskurs zu veräußern. Mehr dazu im weiteren Verlauf.

Warum wird ein ETF geschlossen?

Ein ETF muss zwei Aufgaben gerecht werden: Viel Geld von den Anlegern einsammeln (Fondsvolumen) und möglichst attraktive Erträge generieren. Um für den Anbieter wirtschaftlich rentabel zu sein, muss die Fondsgröße schnell auf deutlich mehr als 50 Millionen Euro anwachsen. Erreicht der ETF dieses Volumen nicht innerhalb von 3 Jahren seit seiner Auflage, steigt die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Schließung.

Der Anbieter kann aber auch seine Produktpalette bereinigen und dazu mehrere ETFs mit identischen Anlagezielen zu einem wirtschaftlich rentablen Produkt vereinen. Dies geschieht oft im Rahmen einer Fusion oder nach der ETF Übernahme von einem Mitbewerber.

Mit der kontinuierlich wachsenden Zahl der Neuemissionen steigt auch der Wert bei den Zusammenlegungen. Jeder Anbieter will seine ETFs mit wettbewerbsfähigen Gesamtkostenquoten versehen und trotzdem grüne Zahlen schreiben.

Unabhängig vom Grund kommt die Schließung eines ETF nie von heute auf morgen, sondern ist für aufmerksame Anleger lange vorher wahrnehmbar. Bevor ich darauf eingehe, erkläre ich Dir den Ablauf einer Schließung. Zunächst aber eine Statistik, die zeigt, dass die Anzahl der verfügbaren ETFs ständig größer wird:

  • Im Jahr 2000 wurden weniger als 10 ETFs aufgelegt.
  • Ein Jahr nach der Finanzkrise kam es bereits zu 125 Neuemissionen.
  • 2018 wurden mehr als 220 ETFs neu aufgelegt.

Bei den meisten Neuauflagen handelt es sich um Nischenprodukte wie beispielsweise Smart Beta ETFs. Die Klassiker laufen bereits seit mehr als 10 Jahren und haben Fondsvolumen von 1 Milliarde Euro und mehr.

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Wie läuft die Schließung bei einem ETF ab?

Ein Anbieter hat mehrere Möglichkeiten, einen ETF zu schließen. Nachfolgend beschreibe ich die am häufigsten vorkommenden Szenarien. Wenn überhaupt, wirst Du entweder einer Liquidation oder mit einer Fusion konfrontiert werden.

Wie wird ein Fonds liquidiert?

Im Rahmen einer Liquidation werden zu einem vorher festgesetzten Zeitpunkt sämtliche Fonds-Vermögenswerte verkauft. Im Anschluss erfolgt eine Liquidations-Ausschüttung, bei welcher alle im Fonds befindlichen Werte an die Anteilsinhaber ausgeschüttet werden.

In einer derartigen Situation solltest Du Deine ETF-Anteile verkaufen, bevor die meist täglich erfolgende Kursberechnung eingestellt wird. Warum? Mit dem schnellen Verkauf umgehst Du eine oft längere Wartezeit und kommst zeitnah an den Verkaufserlös.

In der Regel erhältst Du einen Monat vor der Liquidation ein Schreiben des Anbieters, aus welchem Schließungsgrund und Ablauf genau hervorgehen. Darin ist unter anderem das Datum ersichtlich, bis zu welchem Du ETF-Anteile an die Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) zum Tageskurs zurückgeben kannst.

In der Regel wird an diesem Tag der Börsenhandel eingestellt. Achtung! Die Rücknahme von Anteilen ist auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt, welcher aus dem Schreiben hervorgeht.

Wenige Tage später beginnt die Liquidation des Fondsvermögens, etwa eine Woche danach wird der Nettoinventarwert letztmals berechnet. Zwischen dem Datum der letztmöglichen Rückgabe von ETF-Anteilen und der Auszahlung des Erlöses der Liquidation liegen selten weniger als 3 Wochen.

Wie läuft eine Fusion ab?

Im Vergleich zur Liquidation läuft die Fusion kaum wahrnehmbar hinter den Kulissen ab. Du wirst jedoch von Deinem Anbieter im Vorfeld informiert, und kannst die Fusion einer Meldung im Bundesanzeiger entnehmen. Es wird aber keine Aktivität verlangt. Der Ablauf ist mit wenigen Worten zu beschreiben.

Der aufnehmende Fonds übernimmt zum festgelegten Zeitpunkt sämtliche Vermögenswerte des zu übertragenden Fonds. Wird Dein ETF also von einem anderen Fonds übernommen, werden Deine Anteile zu Stichtag zum aktuellen Kurs gegen die des aufnehmenden ETF getauscht. Dir entstehen keinerlei Nachteile, eventuell kannst Du von einem Spitzenausgleich per Gutschrift profitieren.

Jede Fonds-Fusion wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geprüft und bei Erfüllung bestimmter Anforderungen genehmigt. Ein wichtiges Kriterium in diesem Kontext ist, dass der aufnehmende Fonds eine weitgehend identische Anlagestrategie mit dem übertragenen Fonds aufweist.

Fusion und Liquidation sind immer noch selten vorkommende Szenarien, beides wird rechtzeitig im Vorfeld angekündigt und hat für investierte Anleger überschaubare Konsequenzen. Bei einer Fonds-Fusion bleibt alles wie gehabt, während Du bei einer Liquidation das Vermögen in einen beständigeren ETF investieren kannst.

Wie kannst Du einer Schließung entgehen?

Wie bereits erwähnt, wird ein Fonds vom Anbieter sehr selten geschlossen, wenn sein Fondsvolumen mehr als 100 Millionen Euro beträgt.

Wer nach einem ETF mit bestimmter Anlagestrategie sucht, wird oft auf neu emittierte Angebote mit geringer Fondsgröße treffen. Von den mehr als 1.400 hierzulande zugelassenen ETFs sind diese Fondsvolumen angegeben:

  • Über 420 ETFs haben ein Fondsvolumen von weniger als 25 Millionen Euro.
  • 180 ETFs sind mit Volumen zwischen 25 und 50 Millionen Euro behaftet.
  • Bei 170 ETFs liegt das Fondsvolumen zwischen 50 und 100 Millionen Euro.
  • 240 ETFs weisen Fondsvolumen zwischen 100 und 250 Millionen Euro auf.
  • Bei 190 ETFs liegt die Fondsgröße zwischen 250 und 500 Millionen Euro.
  • Fondsvolumen zwischen 500 und 1000 Millionen Euro haben lediglich 120 ETFs.
  • Zwischen 1 und 5 Milliarden beträgt das Fondsvolumen bei 110 ETFs.
  • Nur 10 ETFs sind mit jeweils mehr als 5 Milliarden Euro Fondsvolumen ausgestattet.

Bei den Klassikern wie ETFs auf den MSCI World oder MSCI AWCI liegen die Fondsvolumen meist bei mehr als 1 Milliarde Euro.

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Fonds geschlossen – wie funktioniert die steuerliche Behandlung?

Die steuerliche Behandlung eines liquidierten Fonds ist mit einem Satz zu beschreiben. Du musst den Gewinn ebenso mit 25 % versteuern wie beim herkömmlichen Verkauf von ETF-Anteilen.

Komplizierter ist hingegen die steuerliche Behandlung bei einer Fusion. Entscheidend für die Betrachtung ist, ob es sich um 2 Fonds handelt, die in einem Land aufgelegt wurden oder getrennte Domizile haben.

Fusion in einem Land

Einfach ist die steuerliche Behandlung, wenn der übertragene Fond beispielsweise ebenso in Irland aufgelegt wurde wie der aufnehmende Fonds. In dem Fall werden die Anteile des übernommenen Fonds nicht veräußert und die Anteile des übernehmenden Fonds gelten nicht als Neuerwerb. Für Anleger bleibt die steuerliche Situation unverändert, daher streben ETF-Anbieter diese Art der Fusion bevorzugt an.

Grenzüberschreitende Fusion

Bei der Fusion von Fonds mit unterschiedlichen Domizilen geht es den Gesetzgebern in erster Linie darum, die Verschiebung von steuerlichen Sachverhalten zu vermeiden. Die Anteile des zu übernehmenden Fonds werden daher als verkauft gewertet und die Anteile des aufnehmenden Fonds als Neuerwerb.

Diese Fusions-Variante wird von den Anbietern nach Möglichkeit vermieden, weil sie für Anleger zu steuerlichem Aufwand führt und je nach Situation in Zahlungen an das Finanzamt resultiert.

Es erscheint daher von Vorteil, wenn Anleger rechtzeitig Anzeichen einer bevorstehenden Schließung wahrnehmen und reagieren.

Wie erkennst Du eine bevorstehende Fonds-Schließung?

An dieser Stelle möchte ich noch einmal daran erinnern, dass Du mit der Entscheidung für einen klassischen ETF, der auf einem globalen Aktienindex beruht, immer auf der sicheren Seite bist.

Gleichwohl kann es zur Umsetzung einer bestimmten Strategie notwendig sein, unter Neuemissionen mit geringem Fondsvolumen zu wählen. Hierbei muss auf die nachfolgend beschriebenen Kriterien geachtet werden:

Niedrige Fondsgröße

Damit ein ETF wirtschaftlich betrieben werden kann, muss der Fonds ein Mindestvolumen von 50 Millionen Euro aufweisen. Experten halten diese Größe jedoch für zu gering und regen zum Erwerb von ETFs mit mindestens 100 Millionen Euro Fondsvolumen an. Ich tendiere ebenfalls zu ETFs, deren Volumen oberhalb von 100 Millionen liegt, weil diese sehr selten liquidiert oder fusioniert werden.

Dazu ein praktischer Tipp: Wenn Du nach einem ETF suchst, stelle die Suchfunktion auf Angebote mit 100 Millionen Mindestvolumen ein.

Reger Handel

Du bist mit einem ETF, der ein niedrigeres Fondsvolumen aufweist, auf der sicheren Seite, wenn das Produkt von aktiven Tradern oft gehandelt wird. Rege gehandelte ETFs sind meist mit geringen Spreads behaftet und werden von den Anbietern sehr selten vorzeitig liquidiert.

Gibt es viele Mitbewerber-Produkte?

Auf dem ETF-Markt herrscht starker Wettbewerb. Jeder Anbieter fokussiert stets die Aktivitäten seiner Mitbewerber. Ein ETF mit geringem Fondsvolumen kann lange am Markt bestehen bleiben, sofern der Anbieter davon einen strategischen Nutzen hat. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der ETF zwar wenig wirtschaftlich ist, aber eine Lücke in der Angebotspalette eines Mitbewerbers schließen kann.

Wie ist der ETF-Anbieter am Markt positioniert?

Ein Anbieter mit mehr als 10 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen gilt in Fachkreisen als großer Markteilnehmer. Diese Größe hat den Vorteil, dass ETFs mit geringem Fondsvolumen seltener geschlossen oder fusioniert werden, weil sich der Anbieter die Fortführung finanziell erlauben kann. Wenn Du also einen ETF mit geringem Fondsvolumen im Fokus hast, kann ein Blick auf die Angaben zum Anbieter hilfreich sein.

Wann wurde der Fonds aufgelegt?

Jeder neu aufgelegte ETF benötigt mindestens 1 bis 2 Jahre, um am Markt wahrgenommen zu werden. Während sich der Fonds etabliert, sammelt er Geld von Anlegern ein. Wird im dritten Jahr nach der Auflage noch immer kein Fondsvolumen von 50 bis 100 Millionen Euro erreicht, steigt das Risiko einer vorzeitigen Schließung. Je länger ein Fonds besteht, umso mehr Volumen bekommt er, sofern bei den Anlegern Interesse vorhanden ist. Nachfolgend eine Übersicht zum durchschnittlichen Fondsvolumen nach Auflagejahr:

  • Im Jahr 2000 aufgelegte ETFs sind durchschnittlich mit mehr als 4 Milliarden Euro Fondsvolumen behaftet.
  • ETFs, die im Jahr 2003 aufgelegt wurden, weisen etwa 1,5 Milliarden Euro durchschnittliches Fondsvolumen auf.
  • Bei ETFs aus dem Jahr 2012 liegt die durchschnittliche Fondsgröße bei weniger als 1 Milliarde Euro.
  • Im Jahr 2018 aufgelegte ETFs haben ein durchschnittliches Fondsvolumen von 240 Millionen Euro.
  • Knapp 100 Millionen Euro betragen die Durchschnittsvolumen von ETFs aus dem vergangenen Jahr.

Fazit

Fusionen waren bisher bei ETF-Anbietern eher selten. Der wachsende Konkurrenzdruck zwingt die Anbieter aber vermehrt zur Kostenreduzierung und zur Vertriebsoptimierung. Die Fusion wird von immer mehr ETF-Anbietern als geeignetes Mittel für beides wahrgenommen. Informationen im Hinblick auf bevorstehende Fusionen und zu wichtigen Themen aus Branche findest Du stets auf meiner Webseite.

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Ein Kommentar

  1. Frage zu: “Ein finanzieller Nachteil entsteht Dir durch eine Fonds-Schließung nicht. Es kann aber zu etwas Aufwand kommen – unter anderem bei der Wiederanlage.”

    Folgendes Szenario: ich kaufen einen ETF für zB 100 €, der Kurs sinkt auf 50,- – Der ETF wird liquidiert, ich bleibe auf 50,- Verlust sitzen (da es zB keinen identen ETF gibt in den ich umschichten könnte und ich auch nicht in dutzende oder hunderte Einzeltitel umschichten kann)

    Inwiefern entsteht mir hier also KEIN finanzieller Nachteil??

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