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ETF Wissen: Swap und Wertpapierleihe

Depotstudent Dominik
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Wer in Exchange Traded Funds investieren möchte, muss zunächst verstehen, wie die Anlagevehikel aufgebaut sind. ETFs sind aus den Vereinigten Staaten auf den europäischen Kontinent gelangt, die Anbieter mit amerikanischen Firmensitzen verwenden naturgemäß englische Begriffe, deren Bedeutung nicht jedem Anleger bekannt sind. Deutsche Internetportale, Broker und sonstige Anbieter übernehmen oft die englisch verfassten ETF Beschreibungen und verzichten aus Kostengründen auf erklärende Übersetzungen.

In diesem Beitrag geht es um den sogenannten Swap und um die so bezeichnete Wertpapierleihe. Beide Begriffe sind den meisten Anlegern zwar bekannt, die Wenigsten können sie sich aber erklären. Indes ist es für Anleger wichtig zu wissen, in was sie investieren möchten. Am Ende des Artikels bist Du informiert und kannst vorteilhafte Entscheidungen treffen.

Swap ETF – was ist das eigentlich?

Wie Du vermutlich bereits erfahren hast, bilden Exchange Traded Funds Indizes in verschiedenen Anlageklassen ab. Sie können dieser Aufgabe auf verschiedenen Wegen nachkommen:

  • Vollständige physische Replikation – der ETF Anbieter verfügt über alle im Index enthaltenen Bestandteile.
  • Physische Nachbildung mit optimiertem Sampling – der Anbieter kauft die wesentlichen Bestandteile und verzichtet auf Komponenten, die keinen Einfluss auf die Entwicklung haben.
  • Synthetische Replikation – der Anbieter lässt sich von einem Swap-Partner die Wertentwicklung des ETF garantieren.

Das englische Wort Swap bedeutet in unserer Sprache einfach Tauschen. Bei einem synthetisch replizierenden ETF tauschen 2 Swap-Partner auf im Vorfeld definierten Wegen sich entwickelnde Werte aus.

Ein Swap-Partner hält das so bezeichnete Trägerportfolio, dessen Wertentwicklung der zweite Partner durch die Entwicklung seines Portfolios sicherstellt. Die Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index wird also nicht durch Aktien oder Anleihen des Wertpapierkorbs garantiert, sondern mittels beliebiger Assets.

Vorteilhaft ist ein Swap (Tauschgeschäft), wenn es sich um einen großen Index handelt, bei welchem der physische Erwerb aller Bestandteile sehr teuer wäre.

Bei einem ETF kommt es auf möglichst niedrige Tracking-Differenz (idealerweise bei null oder im negativen Bereich) an, und auf geringe Kostenbelastung. Beides ist miteinander verbunden und kann durch einen Swap optimiert werden. Es muss allerdings berücksichtigt werden, dass durch jede Optimierung neue Risiken entstehen können.

Keine rechtlichen Unterschiede

Jedes Land respektive jeder Staatenverbund hat seine Richtlinien für Investmentfonds. In den Nationen der Europäischen Union gelten die UCITS Bestimmungen. Diese zwingen jeden hier aufgelegten Fonds zur transparenten Darstellung seiner Anlagepolitik.

  • Wesentliche Kriterien sind bei einem Swap ETF die Investition in den Assetkorb und der Index Swap.

Zwischen einem physisch replizierten ETF und einem synthetisch nachgebildeten Exchange Traded Funds bestehen seitens der Richtlinien keine Unterschiede.

Verlässliche Partner tauschen solide Werte

In der Regel steht auf der einen Seite des Swaps ein bekannter ETF Anbieter und auf der anderen Seite eine angesehene Investmentbank. Beim nun folgenden Tauschgeschäft garantiert das Institut die Wertentwicklung des nachzubildenden Index auf täglicher Basis und erhält dafür die vereinbarten Gegenleistungen.

In der Regel profitiert der Swap Partner von der Wertentwicklung des Trägerportfolios. Es wird also nicht, wie häufig angenommen, gutes gegen weniger Wertvolles getauscht, sondern gleichwertige, aber anders geartete Anlageinstrumente. Der Gesetzgeber hierzulande fordert zudem, dass die getauschten Werte in vollem Umfang abgesichert werden.

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Warum wird getauscht?

Der Hintergrund ist einfach, mit einem ETF auf den MSCI World Aktienindex zu erklären. Der Index setzt sich aus mehr als 1.650 großen und mittelgroßen Gesellschaften in 23 industrialisierten Nationen zusammen. Hoch gewichtete Standardwerte sind einfach und mit vergleichsweise niedrigen Gebühren erwerbbar. Wenige Aktien von kleineren Unternehmen müssen hingegen teuer bezahlt werden.

Um diese Herausforderung zu meistern, kann der ETF Anbieter entweder zum optimierten Sampling greifen oder die synthetische Replikation wählen. Letztere ist oft günstiger und trägt zu genauerer Nachbildung bei.

Welche Konsequenzen hat ein Swap?

Bei einem physisch nachgebildeten ETF auf den Aktienindex MSCI World liegen die Aktien entweder vollständig oder in großen Teilen im Depot des Anbieters. Das bedeutet für Dich: Die Wertentwicklung des ETF beruht auf der Entwicklung der originalen Papiere.

Bei einem Swap wird die Wertentwicklung in der Regel von Assets gewährleistet, die nicht im Trägerportfolio enthalten sind. Die treibenden Bestandteile sind zwar auch Aktien, aber eben nicht von den im MSCI World Index enthaltenen Gesellschaften.

Bei der Zusammensetzung des Portfolios, welches die Wertentwicklung eines synthetischen ETF gewährleistet, stehen folgende Aspekte im Vordergrund:

  • Bestmögliche Risikostreuung (Diversifikation).
  • Vorteilhafte Kostenstruktur.
  • Möglichst geringe Besteuerung.

Nationale Indizes wie beispielsweise der DAX können synthetisch mit Aktien aus anderen Ländern nachgebildet werden. Maßgeblich sind bei der Gestaltung die jeweiligen Richtlinien.

Ist ein Swap ETF riskanter?

Diese Frage kann mit einem deutlichen Nein beantwortet werden. Warum? Der Gesetzgeber hat das sogenannte Kontrahentenrisiko bei einem Swap ETF auf maximal 10 % begrenzt. In der Praxis werden jedoch mehr Sicherheiten geleistet als gesetzlich verlangt, das reale Risiko beträgt durchschnittlich nur maximal 2 %.

Mehr Rendite mit Swap ETF?

Es wird allgemein angenommen, dass die synthetische Replikation zu niedrigerer Tracking-Differenz führen kann. Eine geringe TD resultiert in weniger Kosten, welche sich letztlich in mehr Rendite bemerkbar machen. Wenn Du physisch replizierende ETFs mit synthetisch Nachgebildeten auf den MSCI World vergleichst, ergibt sich folgendes Bild:

  • Nicht jeder Swap ETF überzeugt mit niedrigen Kosten.
  • Hin und wieder ist die Tracking-Differenz höher als bei physisch nachgebildeten Gegenstücken.
  • Im Einzelfall kann ein Swap ETF seinem physisch replizierenden Konkurrenten überlegen sein.
  • Bei jedem Vergleich müssen Gesamtkostenquote und durchschnittliche Tracking-Differenz in Augenschein genommen werden.

Vor- und Nachteile beim Swap ETF

Die Vorteile eines Swap ETF sind vom jeweiligen Tauschgeschäft, also von der Kompetenz der involvierten Partner abhängig:

  • Der ETF Anbieter spart Zeit und Geld durch geringeren Administrationsaufwand.
  • Nicht selten wird eine niedrigere Gesamtkostenquote in Kombination mit negativer Tracking-Differenz ausgewiesen. Beide Kriterien sind für Anleger vorteilhaft.

Die Nachteile eines Swap ETF hängen ebenfalls von der Vorgehensweise beider Tauschpartner ab:

  • Wird das getauschte Portfolio nicht hinreichend erklärt, wissen Anleger nicht, in was genau sie investieren.
  • Bei mangelnder Erklärungsbereitschaft werden Anleger verunsichert und halten Abstand.
  • Es besteht das Risiko einer Insolvenz des garantierenden Kontrahenten, welches allerdings gesetzlich minimiert ist.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass ein Swap ETF ebenso sicher wie ein physisch replizierendes Gegenstück ist. Vorteile sind nicht zwangsläufig bei jedem ETF gegeben, sondern müssen im Einzelfall durch Vergleiche festgestellt werden. Gleichwohl fühlen sich viele Anleger wohler, wenn ihre ETFs physisch repliziert, also mit bekannten Werten unterlegt sind.

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Was ist unter Wertpapierleihe zu verstehen?

ETF Anbieter, die Indizes physisch nachbilden möchten, müssen entweder alle darin enthaltenen Wertpapiere kaufen oder gewissenhaft aussuchen und relevante Papiere erwerben. In vielen Fällen ist die physische Vollreplikation mit üppigen Kaufgebühren verbunden und diese resultieren in unangenehm hohen Gesamtkosten. Um die TER im Zaum zu halten, verleihen ETF Anbieter ihre Wertpapiere zeitweilig gegen Gebühren. Nachfolgend alles Wissenswerte zur Wertpapierleihe.

Wertpapiere verleihen – warum?

Der erstrangige Grund für die Wertpapierleihe ist die Senkung der Kosten bei einem vollständig oder teilweise physisch (optimiertes Sampling) replizierten ETF. Dadurch wird der Exchange Traded Funds für Anleger attraktiver, denn niedrigere Kosten resultieren zwangsläufig in mehr Rendite.

Juristen behandeln die Wertpapiere wie einen Sachdarlehensvertrag:

  • Der Verleiher überlässt dem Entleiher die gewünschten Wertpapiere für einen festgelegten Zeitraum gegen eine vereinbarte Gebühr.

Die ausleihende Partei muss aber nicht nur Leihgebühren entrichten, sondern auch Sicherheiten hinterlegen. Damit schützt sich der Verleiher vor möglichem Ausfall durch Zahlungsunfähigkeit des Entleihers.

Um dieses Ausfallrisiko so gering wie möglich zu halten, werden folgende Maßnahmen angewandt:

  • Genaue Überprüfung der Bonität des Entleihers.
  • Hinterlegte Sicherheiten unterliegen einer täglichen Neubewertung.

Im Ernstfall verkauft der ETF Anbieter die hinterlegten Sicherheiten und hält damit finanzielle Verluste von investierten Anlegern fern.

Wer leiht Wertpapiere und warum?

In der Regel leihen große Finanzinstitute vor allem Aktien, aber auch Anleihen zu Spekulationszwecken. Sie sparen durch das Leihen die Gebühren für An- und Verkauf der Wertpapiere. Es wird darauf spekuliert, dass der Wert der Aktie oder Anleihe innerhalb des Zeitraums stärker steigt als die mit der Leihe verbundenen Kosten.

Wichtig:

  • Der Entleiher hat kein Anrecht auf während der Leihe anfallende Dividenden oder Zinszahlungen. Er muss die erhaltenen Beträge an den Verleiher überweisen.
  • Die zu hinterlegenden Sicherheiten müssen seitens der Qualität den entliehenen Wertpapieren entsprechen und aus verschiedenen Quellen stammen.
  • Alle Sicherheiten verwahrt der Verleiher getrennt von seinen Vermögenswerten.

Wie läuft eine Wertpapierleihe ab?

  • Der ETF Anbieter erhält eine Anfrage für das Entleihen bestimmter Wertpapiere.
  • Die vom Anbieter verlangten Sicherheiten werden gestellt und separat verwahrt.
  • Angefragte Wertpapiere werden gegen Gebühr an den Entleiher übergeben.
  • Der Entleiher gibt die Papiere am Ende der vereinbarten Leihdauer zurück.
  • Vom ETF Anbieter werden im Anschluss die hinterlegten Sicherheiten retourniert.

Welche Vorteile bringt die Wertpapierleihe?

Wie bereits erwähnt, können ETF Anbieter durch das Verleihen von Wertpapieren die Gesamtkosten senken. Der Anbieter profitiert von gestiegener Wettbewerbsfähigkeit, Anleger von niedrigeren Kosten respektive besseren Renditen. Indes sind die Ersparnisse durch verliehene Wertpapiere sehr unterschiedlich, wie am Beispiel des Anbieters iShares ersichtlich wird:

  • Ausschüttender UCITS ETF auf den MSCI World von iShares – 6 % Ersparnis.
  • iShares ETF auf den S&P 500, ausschüttend – 8 %.
  • MSCI Emerging Markets ETF, ausschüttend – 7 %.
  • ETF auf den MSCI EM Small Caps Index – 66 %.
  • MSCI Japan Small Caps ETF, ausschüttend – 39 %.
  • ETF auf US-Anleihen-Index in ausschüttender Variante – 60 %.

Die beispielhafte Auflistung zeigt, dass die Ersparnisse durch Wertpapierleihe bei Standard-ETFs geringer sind als bei ETFs auf Nischenindizes. Auch hier gilt: Die wahren Kosten eines ETFs werden für Anleger erst bei der Betrachtung von TER und Tracking-Differenz ersichtlich.

Welche Risiken sind für Anleger mit der Wertpapierleihe verbunden?

Zunächst haben nationale und internationale Aufsichten keinerlei Einwände gegen das Verleihen von Wertpapieren. Jeder ETF Anbieter darf bis zu 100 % der Wertpapiere eines Fonds verleihen. In der Praxis verleihen die meisten Anbieter nur einen Bruchteil der Papiere und verlangen über den Wert hinausgehende Sicherheiten. Es gibt zudem Anbieter, die vollkommen auf die Wertpapierleihe verzichten.

  • BNP Paribas verleiht keine Wertpapiere.
  • Comstage hat als eigenständiger Anbieter keine Wertpapiere verliehen.
  • Fidelity verleiht aktuell keine Wertpapiere.
  • Invesco legt keinen Wert auf das Verleihen.
  • iShares verleiht bis zu 100 % und verlangt Sicherheiten in Höhe von 102,5 und 112 %.
  • Lyxor verleiht maximal 25 % der Wertpapiere eines Fonds gegen Absicherung mit 110 %.
  • Statestreet verleiht maximal 70 %, sofern Sicherheiten von 110 % vorliegen.
  • UBS verleiht, je nach Index, zwischen 25 und 50 % gegen Sicherheitsleistungen von 105 %.
  • Vanguard verleiht nur 10 % der Wertpapiere und verlangt Sicherheiten in Höhe von 105 %.

Die Auflistung verdeutlicht, dass ETF Anbieter auf Sicherheit bedacht sind. Sie verleihen nur an verlässliche Partner und mindern durch über den Wert hinausgehende Absicherungen ihre Risiken. Wenig Risiko für die Anbieter bedeutet, dass Anleger mit ihren ETFs sicher langfristig Rendite erwirtschaften können.

Aus meiner Sicht ist gegen die Wertpapierleihe nichts einzuwenden, sofern der ETF Anbieter die daraus resultierenden Erträge überwiegend den Anlegern zugutekommen lässt. In der Praxis werden die Gewinne durch verliehene Wertpapiere von Anbietern anteilig den Fonds gutgeschrieben:

  • iShares – 62,5 %.
  • Lyxor – 65 %.
  • Statestreet – 70 %.
  • UBS – 60 %.
  • Vanguard – 100 %.

Vanguard möchte auf dem europäischen Kontinent als besonders günstiger Anbieter wahrgenommen werden. Womöglich aus diesem Grund fließen alle Erträge aus der Wertpapierleihe in die jeweiligen Fonds.

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