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ETFs für (fast) jede Lebenslage

schwarze Treppe weißes Gebäude

In meinen Artikeln erkläre ich Dir immer, dass ETFs ideale Anlagevehikel für jede Lebenssituation sind. Meine Meinung fundiert vor allem auf der einfachen Verständlichkeit, zumindest bei den klassisch konzipierten Exchange Traded Funds. Zudem sind ETFs für jede attraktive Anlageklasse verfügbar, überaus kostengünstig, mit wenigen Klicks online erwerbbar und ebenso einfach zu veräußern. ETFs sind somit für jeden Anleger geeignet, der mindestens 15 Jahre auf optimale Entwicklung warten kann und in Krisen seiner Strategie treu bleibt.

Es gibt aber einige, wenn auch wenige Lebenslagen, in denen ETFs nicht oder weniger geeignet sind und diese sind das Thema des nachfolgenden Beitrags. Ich möchte Dich mit meinen Argumenten einfach nur informieren, selbstverständlich liegt die Entscheidung für oder dagegen in jeder Situation bei Dir.

Lebensplanung und ETF Geldanlage

Bevor Du Dich für eine Investition in einen ETF oder gar in ein ETF-Portfolio entscheidest, wählst Du in der Regel eine Anlageklasse aus. Da Rendite das erstrangige Motiv für das Investment ist, fällt Deine Wahl beinahe zwangsläufig auf einen ETF, der einen Aktienindex reflektiert. Dieser benötigt für seine optimale Entwicklung mindestens 15, in den meisten Fällen sogar 20 Jahre Zeit.

Viele Anleger, die sich beispielsweise für einen ETF auf den MSCI World entscheiden, vergessen beim Kauf die damit verbundene Zeitspanne. Von heute bis ins Jahr 2039 ist eine unvorstellbar lange Zeit, in der viel angenehmes und weniger gutes passieren kann.

Angenommen, Du bist derzeit 25 Jahre alt und erwirbst einen ETF, der bis 2039 im Portfolio verbleibend Rendite erwirtschaften soll. Um ganz sicher zu sein, dass die Zeit dafür vorhanden ist und Du das Geld nicht vielleicht wesentlich früher benötigst, solltest Du zumindest in groben Zügen Dein Leben vorausplanen. Natürlich weiß niemand im Detail, wie sein zukünftiges Leben aussehen wird. Es sind aber Wünsche vorhanden, die nach Möglichkeit realisiert werden sollen.

Mit Lebensplanung meine ich bis hierhin lediglich, dass Du sicherstellen musst, ohne Zugriff auf das Investment leben zu können. Dein Einkommen sollte also hoch und sicher genug sein, alle Vorhaben finanziell abzudecken. Natürlich kannst Du Deinen ETF jederzeit verkaufen, aber zu welchem Kurs?

Wenn Du beispielsweise vor einem Jahr 10.000 Euro in einen ETF auf den MSCI World Aktienindex investiert hast, könnte der heute bei 10.800 Euro ebenso stehen wie bei 9.200. Bis zu 12,5 % Schwankungsbreite sind in ruhigen Zeiten völlig normal und das bedeutet, dass Du beim vorzeitigen Verkauf mindestens 1.000 Euro verlieren könntest.

Um den vorzeitigen Zugriff aufs Depot zu verhindern, muss das in ETFs investierte Geld verzichtbar sein. Sicherstellen kannst Du die Entbehrlichkeit mithilfe einer grob skizzierten Lebensplanung, über die Details später mehr.

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Vor dem ETF-Erwerb eine „eiserne Reserve“ bilden

Du solltest mit der Investition in ETFs warten, wenn noch keine Rücklagen vorhanden sind. Eine gewisse Summe an jederzeit verfügbarem Geld ist unverzichtbar, um beispielsweise außergewöhnliche Ausgaben zu finanzieren. Um die Situation verständlicher zu machen, ein praktisches Beispiel:

  • Du benötigst für den Weg zur Arbeit unbedingt ein Auto.
  • Dein derzeitiges Fahrzeug ist den Anforderungen nicht mehr allzulange gewachsen.
  • Früher oder später muss Ersatz her.

Mit einer Rücklage von vielleicht 5.000 Euro ist die Situation leicht zu meistern. Was aber, wenn Dein gesamtes Geld in ETFs investiert ist? Dann gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

  1. Kredit aufnehmen.
  2. ETF-Anteile verkaufen.

Und schon stehst Du vor der oben beschriebenen Situation, die nach Möglichkeit vermieden werden sollte. Du musst Dein Portfolio zum Tageskurs verkleinern und fährst eventuell den ersten massiven Verlust ein. Die Kreditaufnahme ist nur scheinbar eine Alternative, wie Du nachfolgend erkennen kannst:

  • Im November 2019 wurden für einen Autokredit durchschnittlich 3,5 % per anno an Zinsen fällig.
  • Der ETF auf den MSCI World rentierte in den letzten 15 Jahren mit durchschnittlich 7,8 % pro Jahr.

Du bemerkst die Problematik vielleicht selbst oder erkennst sie an meiner Darstellung. Die Zinsen auf den Kredit sind fest und über die gesamte Laufzeit jedes Jahr fällig. Die Rendite des ETF aus der Vergangenheit kann nicht auf die Zukunft übertragen werden.

  • Die schlechtesten 15 Jahre rentierte ein ETF auf den MSCI World mit nur 1,3 % jährlich.
  • In den besten 15 Jahren wurden durchschnittlich 14 % per anno erzielt.

Im ungünstigsten Fall geht Dein ETF auf mehrjährige Talfahrt und bringt Dein Portfolio spürbar ins Minus. Zu dem erlittenen Verlust, der zunächst nur als Buchwert in Erscheinung tritt, kommt die Mehrbelastung durch Deine Kreditaufnahme.

Deshalb rate ich Dir, zunächst eine Rücklage für alle Fälle aufzubauen und danach in ETFs zu investieren. Einige Experten sind diesbezüglich noch konsequenter. Sie sehen das Auto als Konsumgegenstand mit kontinuierlich schwindendem Wert und raten strikt von Konsumentenkrediten ab.

Für sie ist der Kredit immer ein Vorgriff auf Einkommen in der Zukunft und daher mit Risiken verbunden.

Aus meiner Sicht gibt es dem nichts mehr hinzuzufügen. Außer, dass heutzutage die Bildung einer „eisernen Reserve“ durch das Niedrigzinsumfeld erschwert wird.  In der Tat gibt es auf ein Tagesgeldkonto maximal 0,50 % Zinsen und diese nur von Anbietern mit Sitz außerhalb der BRD. Mit anderen Worten gesagt: Sparen resultiert bei einer Inflation von circa 2 % immer in Verlusten und kostet daher Überwindung.   

Gleichwohl ist die Bildung einer Rücklage für Dich in vielerlei Hinsicht notwendig und der Betrag sollte vor dem Investment in ETFs vorhanden sein.

Keine ETFs auf Kredit erwerben

Wenn Dir das Geld für ETFs fehlt, spare es Dir oder greife zum ETF-Sparplan. Keinesfalls solltest Du die derzeit im Netz kurierenden Angebote wahrnehmen, welche zinsgünstige Darlehen für Investitionen in Aktien versprechen. Es handelt sich dabei zwar um Investitionskredite und nicht um Konsumdarlehen, aber die davon ausgehenden Gefahren sind gleich. Angenommen, Du nimmst 10.000 Euro für den Kauf von ETFs auf, sieht die Rechnung der Anbieter wie folgt aus:

  • Der Kredit kostet im Idealfall nur 2 % gleich 200 Euro Zinsen pro Jahr.
  • Die in Aussicht stehende Rendite beträgt mindestens 7 %.

Du kannst gemäß dieser Gleichung gar nichts verlieren, sondern lediglich etwas von Deinem Gewinn abgeben, so die Argumentation in der Werbung. Dass dabei Äpfel mit Birnen verglichen werden, fällt den wenigsten Kreditnehmern auf. Im letzten Jahr sah das Szenario weniger schön aus:

  • 10.000 Euro Kreditsumme in einen ETF auf den MSCI World investiert, ergaben eine Belastung von mindestens 200 Euro für Zinsen.
  • Am Ende des Jahres lag der ETF mit 5 % im Minus und das Depot war nur noch 9.500 Euro wert.
  • Die mentale Herausforderung durch den Wertverlust im Depot wird durch Verschuldung mitsamt Zinsforderung unnötig erhöht und resultiert in schlaflosen Nächten.

Wohlgemerkt handelte es sich beim 2018er Minus um eine völlig normale Kursschwankung. Wie aber sieht die Situation bei einem Börsenbeben, ähnlich dem von 2008 aus? Damals wurde innerhalb von wenigen Monaten der Portfolio-Wert um 40 % reduziert und der aufgenommene Investitionskredit musste trotzdem bedient werden.

Mein dringender Rat an Dich: Vermeide die Kreditaufnahme für Dein Engagement in ETFs auf jeden Fall. Wenn Dir das Geld für die Investition fehlt, nutze einen ETF-Sparplan mit flexibel anpassbaren Raten. Sparraten können bei allen etablierten Brokern jederzeit erhöht, reduziert oder zeitweise ausgesetzt werden.

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ETFs oder Immobilienerwerb?

Zurück zur Lebensplanung und dem oft damit verbundenen Wunsch nach eigenen vier Wänden. Du musst Dir im Vorfeld einer ETF-Investition Gedanken diesbezüglich machen, weil beides zusammen nur mit sehr viel Geld zu verwirklichen ist.

Wenn Du Dich für Wohneigentum entschieden hast, benötigst Du zur Finanzierung mindestens 10 % Eigenkapital für eine Bewilligung des Darlehens durch die Bank. Zudem werden für Grunderwerbsteuer, Notarkosten und ähnliches mehrere Tausend Euro gebraucht. Ein Beispiel:

  • Angenommen, die Traumimmobilie kostet 300.000 Euro.
  • Dein Eigenkapital sollte in dem Fall mindestens 40.000 Euro betragen.

Ansparen ist aufgrund der fehlenden Verzinsung mittlerweile sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich. Es gibt für Dich auf den ersten Blick nur zwei Lösungen:

  1. Auf eine Erbschaft in ausreichender Höhe hoffen.
  2. Das Eigenkapital durch eine ETF-Investition generieren.

Aus meiner Sicht ist die Erbschaft beziehungsweise eine vorzeitige Schenkung der Eltern in absehbarer Zukunft die sinnvollere Option. Dafür spricht, dass viele Vermächtnisse vorzeitig verschenkt werden und im Durchschnitt weit größer sind, als die benötigten 40.000 Euro.

Um diese Summe mit einem ETF zu generieren, benötigst Du ein Anfangskapital von 10.000 Euro und mindestens 20 Jahre Zeit. Beispielsweise mit einem ETF auf den MSCI World:

  • Ein ETF auf den MSCI World rentierte in den letzten 15 Jahren mit durchschnittlich knapp 8 % pro anno.
  • Aus 10.000 Euro werden in 20 Jahren dementsprechend maximal 45.000 Euro.

Da die Summe wahrscheinlich nicht verfügbar ist, hier die Alternative ETF-Sparplan mit 100 Euro Sparrate:

  • 20 Jahre einen ETF auf den MSCI World besparen, resultiert voraussichtlich in einer Endsumme von 48.000 Euro.

Diese Lösung wäre der sinnvollste Weg zum erforderlichen Eigenkapital, die Rechnung hat nur einen Haken. Du musst 20 Jahre warten und danach noch einmal 20 Jahre für die Finanzierung des Wohneigentums aufwenden. Mittlerweile können die Immobilienpreise stark gestiegen sein und der ganze Aufwand war umsonst, weil die Traumimmobilie von damals statt 300.000 mindestens 500.000 Euro kostet.

In der Tat musst Du Dich ohne überdurchschnittliche Einkünfte oder vorhandenem Vermögen entweder für ein ETF-Depot oder eine Immobilie entscheiden. Beides zusammen ist nur in den seltensten Fällen realisierbar.

Aus meiner Sicht ist es sinnvoller, so früh wie möglich die Entscheidung für das Investment in ETFs zu treffen und den Immobilienwunsch nach hinten zu verschieben. Angenommen, Du investierst in einen MSCI World ETF-Sparplan jeden Monat 200 Euro über 30 Jahre, ist diese Summe verfügbar:

  • 295.000 Euro nach Steuern.

Möchtest Du die Kaufkraft von heute in die Zukunft mitnehmen, richte den ETF-Sparplan dynamisch ein. Mit 500 Euro pro Monat baust Du über 30 Jahre dieses Vermögen auf:

  • Netto 588.000 Euro.

Damit wäre im Alter von etwa 60 Jahren genug Geld für den Lebensabend in eigenen vier Wänden vorhanden. Außerdem: Bei einem Durchschnittseinkommen von 2.500 Euro fällt die Sparrate weitaus weniger ins Gewicht als die Bedienung eines Immobilienkredits.

Das bedeutet: ETF-Sparen macht wesentlich mehr Laune als Schuldenabzahlen.

Die Entscheidung liegt natürlich bei Dir, ich würde aber den Weg mit dem ETF-Sparplan gehen und auf die Immobilie einstweilen verzichten. Zahlst Du Dein Haus oder die Eigentumswohnung später in Bar, sparst Du die Kreditzinsen und kannst selbstbewusst den Preis aushandeln.

Kannst Du Verluste verkraften?

Das Problem der meisten ETF Anleger ist, dass die Kurse von natürlichen Schwankungen abgesehen, seit 10 Jahren nur eine Richtung kennen: nach Norden. Auch Du glaubst wahrscheinlich, dass es weiter so bleibt, und denkst nicht an mögliche Wertminderungen von 20, 30 oder gar 40 %.

Die Ansicht ist schlicht gesagt übertrieben optimistisch. Alle oben aufgeführten Beispielrechnungen wären durch ein gewaltiges Börsenbeben zunichtegemacht worden. Im Jahr 2008 verlor der MSCI World beispielsweise gut 40 % und den vergleichsweise geringen Wertverlust verdankt er nur seiner vorbildlichen Diversifikation. Der DAX büßte 50 % ein und der S&P 500 war mit knapp 50 % im Minus.

Was will ich damit sagen? Du solltest ETFs nur dann kaufen, wenn Dir das Risiko bewusst ist und getragen werden kann.

Ein abschließender Tipp: Verplane die in Aussicht stehende Rendite nicht vollkommen im Vorfeld, sondern freue Dich über das sehr wahrscheinlich attraktive Endergebnis.

Dein Depotstudent Dominik

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