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ETFs – gefährlich oder vorteilhaft?

Renditedreieck
Depotstudent Dominik
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Über kein anderes Anlagevehikel wird derzeit heftiger debattiert als Exchange Traded Funds auf Aktienindizes. Während einige Autoren unermüdlich die Vorteile der Aktien ETFs darstellen, sind sie für andere hochgefährliche Instrumente. Unter anderem, weil es ihren Besitzern an der nötigen Erfahrung fehlt. Manche Experten warnen sogar davor, dass ETFs eine globale Krise verstärken könnten.

Im nachfolgenden Beitrag nehme ich die jüngsten Kritiken in Augenschein und überprüfe den Wahrheitsgehalt bei jedem Punkt. Persönlich glaube ich, dass ETFs einfach durch ihren Erfolg Kritik auf sich gezogen haben. Sie sind für jedermann einfach verständlich, erlauben kostengünstige Investments und können sowohl einzeln als auch als Bausteine im Verbund attraktive Renditen generieren. Viele Vorwürfe betreffen zudem nicht ausschließlich die börsengehandelten Indexfonds, sondern das Wesen der internationalen Finanzmärkte.

Hier den Beitrag als Podcast oder Video genießen:

Wenn Aktienkurse auf Talfahrt gehen, verstärken ETF den Trend?

Dieser Vorwurf ist zwar richtig, doch sollte er an alle Marktteilnehmer gerichtet werden. Private und institutionelle Aktionäre bekommen bei rasant fallenden Kursen ebenso schnell kalte Füße wie die Manager von aktiven Fonds. Natürlich wird ein bestehender Abwärtstrend von allen verkaufenden Akteuren verstärkt und beschleunigt.

Es handelt sich also um ein alle angehendes Problem, welches mit diszipliniertem Verhalten gemeistert werden kann. Ich rege in fast jedem, meiner Artikel zum langfristigen Investieren und zum geduldigen Aussitzen von Krisen an. Den Vorwurf, allein auf ETF Halter zu beschränken, halte ich für völlig unangebracht.

ETF Besitzer haben keine Marktmeinung?

Auch dieser Kritikpunkt zeigt, dass es nur darum geht, bestimmte Marktteilnehmer in schlechtes Licht zu stellen. Zudem haben die Kritiker offenbar den Sinn von passiven Investments nicht verstanden. Wer in einen börsengehandelten Indexfonds investiert, dem beispielsweise der MSCI World zugrunde liegt, will sein Geld weltweit auf möglichst viele Unternehmen verteilen.

In einer schwierigen Marktphase kann ein ETF Anleger nur dabeibleiben oder verkaufen. Ihm fehlt die Möglichkeit zur korrektiven Einflussnahme. Die Besitzer von Aktien Portfolios oder die Manager aktiver Fonds können eher sehen, welche Papiere momentan unter Druck stehen und diesbezügliche Entscheidungen treffen.

Allerdings sind auch sie in einer globalen Abschwungphase machtlos dem Trend ausgesetzt. Die Meinung des einzelnen Marktteilnehmers hat keinen Einfluss auf die Entwicklung der Kurse.

Einige Kritiker gehen aber noch weiter und werfen ETF Anlegern vor, ihre Gelegenheiten zur Einflussnahme auf Aktien emittierende Konzerne nicht wahrzunehmen. Übersehen wird dabei aber, dass die Halter von börsengehandelten Indexfonds keine Aktionäre sind und auf Hauptversammlungen nichts zu suchen haben.

Wenn Anbieter X einen ETF auf den MSCI World auflegt, erwirbt er die im Index enthaltenen Aktien entweder vollständig, in wesentlichen Teilen oder er bildet sie synthetisch nach.

Im Zweifelsfall werden also nur ETF-auflegende Unternehmen wie beispielsweise Black Rock zu den jährlichen Hauptversammlungen geladen. Als ETF Anleger erwirbst Du hingegen die Nachbildung eines auf Aktien beruhenden Indexfonds. Du bist kein Aktionär und musst daher Deine Meinung auf keiner Hauptversammlung vertreten.

Selbst große ETF Anbieter nutzen diese Versammlungen nicht zur Einflussnahme auf Aktien emittierende Gesellschaften. Sie wollen sich, wie jeder andere Aktionär, über die allgemeine Entwicklung und die Aussichten für das kommende Jahr informieren. Natürlich beschränkt sich jeder ETF Anbieter auf den Besuch von wenigen Hauptversammlungen. Wer einen ETF auf den MSCI World auflegt, kann unmöglich alle 1.600 im Index enthaltenen Unternehmen besuchen.

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Exchange Traded Funds halten wenig liquide Mittel?

Dieser Vorwurf soll bei unerfahrenen ETF Anlegern die Angst vor Problemen beim Verkauf schüren und er ist unberechtigt. Natürlich ist es richtig, dass ETFs über geringere Barreserven als aktiv gemanagte Fonds verfügen. Übersehen wird jedoch, dass die Rücknahme von ETF Anteilen nicht durch die ausgebende Gesellschaft geschieht, sondern von so bezeichneten Market Makern übernommen wird.

Du erhältst also Dein Geld beim Verkauf von einem Market Maker, welcher die ETF Anteile der Gesellschaft zurückgibt und im Gegenzug die hinterlegten Aktien bekommt. Market Maker können Anlegern bei Bedarf jederzeit ihre ETF Anteile abnehmen. Schwieriger wird die Rücknahme lediglich bei ETFs, die in wenig liquide Nischenmärkte investiert sind.

Unter anderem aus diesem Grund rege ich stets zu Investitionen in große Aktienindizes wie MSCI World oder MSCI ACWI an. Bei diesen ETFs ist der Verkauf jederzeit zum fairen Preis möglich. Ob es sinnvoll ist, ETF Anteile vorzeitig abzustoßen, musst Du im Einzelfall selbst entscheiden.

Synthetisch replizierende ETFs sind inhaltslos?

Diese Ansicht kann nur von einem uninformierten Kritiker kommen oder ist mit bösen Hintergedanken verbunden. Zur Klärung des Vorwurfs schauen wir uns einmal den Aufbau eines börsengehandelten Aktienindexfonds an. Ein ETF kann entweder:

  • Vollständig repliziert sein. Der Ausgeber kauft in dem Fall sämtliche Aktien aus dem Index.
  • Oder mit optimiertem Sampling physisch nachgebildet sein. In dem Fall erwirbt der ETF Ausgeber nur die wichtigsten Aktien des Index.
  • Oder synthetisch repliziert sein. Bei der synthetischen Replikation geht der Ausgeber ein Tauschgeschäft mit einer Investmentbank ein, welche ihm die Wertentwicklung zu 100 % garantiert.

Es geht bei allen Varianten um die Sicherstellung der Wertentwicklung und die ist bei synthetisch nachgebildeten ETFs ebenso garantiert wie bei jeder anderen Replikationsart. Zudem sind für den Fall einer Kontrahenten-Insolvenz über den Wert hinausgehende Sicherheiten hinterlegt.

Synthetisch replizierte ETFs sind keinesfalls inhaltslose Papiere, sie sind vielmehr oft besser nachgebildet als ihre physisch replizierten Gegenstücke. Dieser Fakt resultiert in einem niedrigen Tracking Error, der für Dich geringere Gesamtkosten bedeuten kann.

Besteht bei ETFs ein Währungsrisiko?

Auch bei diesem Argument fällt auf, dass es nur in Verbindung mit ETFs verwendet wird. Daher noch einmal eine Richtigstellung:

Wenn der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert, werden die meisten importierten Produkte in der BRD teurer. Bei gegenteiliger Entwicklung profitieren zumindest die Importeure von günstigeren Bedingungen.

Wer sich aber die langfristige Entwicklung des Währungspaares anschaut, stellt fest, dass Schwankungen überschaubar sind und in beide Richtungen gehen. Von einem wirklichen Währungsrisiko kann daher nicht gesprochen werden.

Beispiel:

Ein ETF auf den Aktienweltindex von MSCI rentierte in den letzten 20 Jahren mit durchschnittlich 8 % per anno in Dollar. Umgerechnet in Euro hat sich der Wert im gleichen Zeitraum um jährlich 7,2 % gesteigert.

Eine wesentliche Abwertung oder Aufwertung des Euro ist auch in den kommenden Jahren nicht auf der Agenda. Somit bleibt das Währungsrisiko für ETFs auf globale Aktienindizes weiterhin gering. Bemerkenswert ist aber, dass über Währungsrisiken immer nur in Verbindung mit ETFs geredet und geschrieben wird.

Wer in japanische, chinesische oder russische Einzelaktien investiert ist, hat demnach keine Risiken zu tragen? Gerade die Letzteren waren vom dramatischen Verfall des Rubels erheblich betroffen, Anleger machten zwar attraktive Gewinne, aber in Euro umgerechnet, blieb davon nichts übrig.

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Verlieren ETFs beim Börsencrash mehr an Wert als die zugrunde liegenden Aktien?

Hier wird einmal mehr vor dem vermeintlich großen Risiko der Exchange Traded Funds gewarnt und dafür ein sehr selten vorkommendes Phänomen verwendet. Wenn Aktien ETFs langsam an Wert verlieren, nehmen die Market Maker bei Bedarf alle zum Verkauf stehenden Anteile ab.

Dreht es sich aber um einen durch Hochgeschwindigkeitshandel ausgelösten Börsencrash, geraten die Abläufe temporär durcheinander und die Geschäfte werden zeitweilig ausgesetzt. So geschehen an der Wall Street vor wenigen Jahren, als die Kurse der meisten Aktien für einige Stunden verrückt spielten und Anleger in Panik versetzten.

In einem derartigen Szenario werden Aktiengeschäfte vorübergehend ausgesetzt und Aktienkurse zeitweilig von den ETF Preisen abgekoppelt. Sobald sich die Lage wieder beruhigt hat, nehmen die Market Maker ihre Arbeit wie gewohnt auf.

Wenn Du jedoch unbedingt mitten in einer Börsenturbulenz Deine ETF Anteile verkaufen willst, sind größere Abschläge aus Sicherheitsgründen unvermeidbar. Ein Grund mehr, geduldig auf eine Beruhigung der Märkte zu warten.

Sollten Market Maker stärker reguliert werden?

Hinter dieser Frage steckt der Vorwurf, dass sich nicht regulierte ETF Händler auf Kosten der Anleger bereichern würden. Aus meiner Sicht fehlt den Kritikern jegliches Verständnis für die Aufgaben der Market Maker.

Sie stellen vor allem sicher, dass Anleger jederzeit ETFs an den Börsen zu fairen Preisen kaufen und veräußern können. Die Market Maker sorgen dafür, dass immer genug ETF Anteile am Markt vorhanden sind. Sie folgen den Mechanismen von Angebot und Nachfrage, dazu ist es nötig, auf steigende Nachfrage mit etwas höheren Preisen zu reagieren.

Wer die weitergehende Regulierung der Händler verlangt, schafft damit langfristig erschwerte Bedingungen für alle Marktteilnehmer. Market Maker können die Nachfrage nach ETF Anteilen schneller und kosteneffizienter decken als die eigentlichen ETF Anbieter. Da Regulierungen immer mit Beschränkungen und Kosten verbunden sind, würden für Anleger nur Nachteile entstehen.

Die Börsenaufsicht überprüft alle am Markt abgewickelten Geschäfte, auch den Handel mit ETF Anteilen. Sie ermittelt gegen Händler, denen unseriöse Preisgestaltung vorgeworfen wird und macht unlautere Geschäfte bei Bedarf rückgängig. Zudem kann sich kein im Wettbewerb stehender Market Maker erlauben, dauerhaft höhere Preise als seine Konkurrenten zu verlangen.

Haben Aktien ETFs am Markt preistreibendes Gewicht?

Kritiker werfen den ETFs vor, dass sie die Aktienpreise in die Höhe treiben, und damit auf die Indexzusammensetzungen Einfluss nehmen. Dass der überwiegende Teil des in Aktien fließenden Kapitals immer noch von Einzel-Aktionären und aktiv verwalteten Fonds kommt, scheint den Autoren zu entgehen.

Der Anteil der in ETFs eingebundenen Aktien, liegt, abhängig von der erhebenden Quelle, im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Experten halten diese Werte für nicht ausreichend, um Aktienpreise oder die Zusammensetzung auf Aktien beruhender Indizes zu diktieren. Einige Fachleute sind davon überzeugt, dass selbst wesentlich höhere Anteile nicht zu Preisverzerrungen bei Aktien führen würden und verweisen diesbezüglich auf die ausgleichenden Kräfte der Märkte.

Haben einige ETF Anbieter zu viel Macht?

Dieses Thema wird aktuell in den Medien sowie unter Marktteilnehmern heftig diskutiert und muss ausführlich behandelt werden. Ich werde dazu zeitnah einen separaten Beitrag verfassen, der den Vermögensverwalter Black Rock und seine Tochtergesellschaft iShares gründlich beleuchtet.

Abschließend sei gesagt, dass viele der oben thematisierten Vorwürfe entweder so nicht berechtigt sind oder auf andere Anlageklassen ebenso zutreffen. ETFs sind daher nur für Marktteilnehmer eine Gefahr, die damit nicht umgehen können oder völlig andere Interessen verfolgen.

Für wen sind Aktien ETFs gefährlich?

Eine echte Bedrohung sind börsengehandelte Indexfonds für Unternehmen, die ihr Geld mit aktiv gemanagten Fonds verdienen. Sie leiden unter kontinuierlichem Geldabfluss, weil immer mehr Marktteilnehmern bewusst wird, dass sie mit ETFs bessere Renditen erwirtschaften können. Denkbar ist, dass die meisten Kritiken aus diesem Sektor kommen.

Eine Gefahr sind Aktien ETFs zudem für Anleger, die innerhalb von wenigen Jahren lukrative Gewinne erwirtschaften möchten. Dies war zwar zwischen 2009 und 2019 möglich, der Ansatz führte aber in anderen Zeiträumen zu bösen Überraschungen. Wer beispielsweise 2007 in den MSCI World einstieg, verlor innerhalb von einem Jahr knapp die Hälfte seines Einsatzes.

Für die kurzfristige Erwirtschaftung von attraktiven Erträgen müssen andere Wege gegangen werden, zu welchen Du auf meiner Webseite ebenfalls erklärende Beiträge findest.

Wer profitiert von Aktien ETFs?

Anleger, die ihren ETFs auf globale Aktienindizes mindestens 15 Jahre Zeit zur Entwicklung lassen können, waren in den letzten beiden Jahrzehnten auf der sicheren Seite. Voraussetzung ist, ein konsequent und diszipliniert durchgehaltener Kaufen-und-Halten-Ansatz. Je länger ein auf Aktien aufgebauter ETF läuft, umso besser ist seine Rendite.

Besonders profitabel ist ein als Sparplan ausgeführter Aktien ETF, wenn er frühzeitig eingerichtet wird und bis zum Renteneintrittsalter läuft. Mit dynamischen Raten kommt über die lange Laufzeit ein Vermögen zusammen, welches unter anderem jede Rentenlücke effektiv schließen kann. Auf meiner Seite findest Du kostengünstige Broker und unverbindliche Empfehlungen zu globalen Aktien ETFs.

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