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Ist Factor Investing sinnvoll, ja oder nein?

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Der MSCI World Index ist ein breit diversifiziertes Anlagevehikel, welches nicht nur Einsteigern die passive Geldanlage mit der Strategie des Kaufens und Haltens ermöglicht. Fortgeschrittene Anleger möchten beim Investieren oft mehr Rendite erzielen und fokussieren den Ansatz des sogenannten „Factor Investing“, welches oft auch als „Smart Beta Investing“ bezeichnet wird.

In diesem Artikel gehe ich der Frage nach: Lohnt sich das Engagement in „Factor Indizes“? Dazu vergleiche ich den Klassiker MSCI World mit dem vergleichsweise jungen MSCI World Multiple Factor Index. Du wirst Dich vermutlich jetzt fragen, was Faktoren überhaupt sind und wie sie die Geldanlage beeinflussen können. Keine Sorge, ich beginne den Beitrag mit einer kurzen und verständlichen Erklärung.

Was ist „Factor Investing“?

Faktoren beziehungsweise Faktorprämien sind vereinfacht ausgedrückt Rendite und Risiko beeinflussende Treiber. Vergleichbar ist ihre Wirkung auf die Geldanlage mit folgendem Szenario:

Schüler schreiben irgend eine Klausur und erzielen damit durchschnittliche Ergebnisse. Eine Gruppe hat sich jedoch auf die Klassenarbeit vorbereitet und einige Stunden in intensives Lernen investiert. In diesem Beispiel ist die Stundenanzahl der eigentliche Faktor, denn er sorgt für überdurchschnittliche Noten.

Gleichermaßen sollen bestimmte Faktoren bei der Geldanlage positiv die Rendite beeinflussen. In MSCI World Multiple Factor Index kommen diese Faktoren zum Einsatz:

Small Size

Small Size oder Low Size hat nichts mit den Aktien besonders kleiner Gesellschaften zu tun, da in diesem Index nur Mid Caps mit Large Caps vereinigt sind. Es geht vielmehr um vergleichsweise kleine Unternehmen, die gemessen an ihrer Marktkapitalisierung, am unteren Ende ihrer Klassen rangieren. Ihnen spricht die Fachwelt die Möglichkeit, höhere Aktienrenditen als der Gesamtmarkt zu produzieren, zu. Aus diesem Grund gelten auch Small Cap Indizes als aussichtsreiche Geldanlage.

Value

Beim Faktor Value geht es einfach um aktuell günstig bewertete Unternehmen. Zu erkennen ist diese günstige Bewertung am Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV und anderen betriebswirtschaftlichen Größen. Value Aktien können aus den verschiedensten Gründen unterbewertet sein. Entweder hat der Markt ihren Wert noch nicht erkannt oder das emittierende Unternehmen wurde aufgrund eines bestimmten Vorkommnisses abgestraft.

Momentum

Der Faktor Momentum kann in beide Richtungen genutzt werden. Aktien, die sich in jüngster Zeit sehr gut entwickelten, behalten diesen Trend für einige Wochen oder Monate bei. In letzter Zeit auf Talfahrt befindliche Wertpapiere sinken in der nächsten Zeit weiter. Dieser Effekt ist in beiden Richtungen dem sogenannten Herdentrieb geschuldet. Anleger sehen stark fallende oder steigende Kurse, springen auf respektive verkaufen und sorgen somit für sich fortsetzende Tendenzen.

Quality

Beim Faktor Qualität geht es um die Profitabilität von Aktien emittierenden Unternehmen. Zu erkennen ist diese an Verschuldungs-Kennzahlen und natürlich am jeweiligen Kurs-Buchwert-Verhältnis.

Die zugrunde liegende Idee

Alle Faktoren sollen in höherer Rendite resultieren, klingt plausibel, oder nicht? Eine Herausforderung ist allerdings die Wahl der Allokation bei optimaler Diversifikation, damit die Risiken im Rahmen des zugrunde liegenden Elternindex bleiben.

Die Zusammenstellung des MSCI World Multiple Factor Index ist aufwendig und setzt viel Fachwissen voraus. Der Aufwand schlägt sich in den Gesamtkosten nieder. Doch nun zur angekündigten Beschreibung des Index im Vergleich zum Klassiker MSCI World.

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Der MSCI World Multiple Factor Index im Detail

Als aufmerksamer Leser meiner Beiträge weißt Du bereits, dass der MSCI World etwa 1.650 mittelgroße und große Aktiengesellschaften aus 23 Industrieländern in 5 Regionen beinhaltet. Er deckt in jedem Mitgliedsland 85 % der investierbaren Börsenwerte ab. Aus diesen Positionen wurden nach den oben genannten Faktoren 350 Unternehmen für den MSCI World Multiple Factor Index ausgewählt. Morgan Stanley Capital International überprüft den im Jahr 2015 etablierten Index in regelmäßigen Intervallen, gewichtet neu und tauscht bei Bedarf Unternehmen aus.

Die Ländergewichtung im Vergleich

Welche Unterschiede seitens der Ländergewichtung bestehen, erkennst Du an nachfolgender Aufzählung. Die Werte des MSCI World Multiple Factor Index stehen zuerst, die des Klassikers in Klammern dahinter:

  • Vereinigte Staaten 66,63 % (62,82 %).
  • Japan 7,60 % (8,40 %).
  • Vereinigtes Königreich 6,35 % (5,47 %).
  • Kanada 4,44 % (3,39 %).
  • Australien 3,68 % (2 %).
  • Andere Länder insgesamt 11,29 % (16,07 %).

Die Dominanz der USA ist im MSCI World Multiple Factor Index noch stärker ausgeprägt als im Elternindex. 5 Länder geben in beiden Indizes die Richtung vor, der Rest hat keine großen Auswirkungen.

Die Sektorengewichtung im Vergleich

Auch bei der Branchengewichtung stehen die Werte des MSCI World Multiple Factor Index zuerst und die Zahlen des Klassikers in Klammern dahinter:

  • Informationstechnologie 21,26 % (16,69 %).
  • Nicht-Basiskonsumgüter 12,47 % (10,53 %).
  • Gesundheit 12,42 % (12,73 %).
  • Industrie 11,81 % (11,16 % ).
  • Finanzen 11,56 % (15,69 %).
  • Immobilien 7,78 % (3,36 %).
  • Materialien 7,44 % (4,38 %).
  • Dienstleistungssektor 4,92 % (3,50 %).
  • Basiskonsumgüter 3,65 % (8,57 %).
  • Energie 3,35 % (4,97 %).
  • Kommunikation 3,35 % (4,97 %).

Die Branchengewichtung weist erhebliche Unterschiede auf, besonders gravierend sind die Differenzen beim Finanzsektor und der Informationstechnologie.

Die Top 10 des MSCI World Multiple Factor Index

Im Anschluss an die prozentualen Werte des Multiple Factor Index findest Du die Gewichtung der Unternehmen im Elternindex in Klammer:

  1. IT-Konzern INTEL, USA, 2,98 % (0,60 %) Indexgewicht.
  2. ANTHEM Gesundheit, USA, 1,64 % (0,16 %) Anteil am Index.
  3. INTUIT IT, USA, 1,58 % (0,16 %) Indexanteil.
  4. RIO TINTO, Materialien, Großbritannien, 1,41 % (0,14 %) Indexgewichtung.
  5. BIOGEN Gesundheit, USA, 1,40 % (0,14 %) Indexgewicht.
  6. TARGET Nicht-Basiskonsumgüter, USA, 1,32 % (0,13 %) Anteil am Index.
  7. MICRON IT, USA, 1,27 % (0,12 %).
  8. PHILLIPS 66 Energie, USA, 1,27 % (0,13 %) Indexanteil.
  9. ACCENTURE IT, USA, 1,23 % (0,28 %) Indexgewicht.
  10. AON PLC Finanzen, USA, 1,10 % (0,11 %) Anteil am Index.

Die Unternehmen der Top 10 kommen, ähnlich wie beim Elternindex, fast alle aus den Vereinigten Staaten. Es handelt sich bis auf INTEL jedoch um weniger bekannte Gesellschaften.

Wie wirkt sich Factor Investing auf die Performance aus?

Ich stelle Dir nachfolgend die jährliche Wertentwicklung des MSCI World Multiple Factor Index der des Elternindex gegenüber. Die Werte des MSCI World dahinter in Klammern:

  • 2015 plus 3,01 % (minus 0,32 %).
  • 2016 plus 5,89 % (plus 8,15 %).
  • 2017 plus 27,14 % (plus 23,07 %).
  • 2018 minus 11,06 % (minus 8,20 %).

Vier Jahre sind eigentlich nicht ausreichend, um die Wertentwicklung eines Index zu beurteilen, indes sehen die Zahlen nicht schlecht aus. Deswegen suche ich nach verfügbaren ETFs.

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Gibt es ETFs auf den MSCI World Multiple Factor Index?

Obgleich es sich um einen Spezialindex handelt, habe ich einen ETF gefunden, der meinen Anforderungen hinsichtlich Alter und Fondsvolumen entspricht:

MSCI World Multifactor ETF von iShares:  ISIN IE00BZ0PKT83, WKN A14YPA

Der ETF wurde Anfang September 2015 aufgelegt, hat sein Fondsdomizil in Irland und ein aktuelles Volumen von 419 Millionen Euro. Er ist physisch repliziert (optimiertes Sampling) und thesaurierend aufgebaut. Seine Gesamtkostenquote (TER) ist mit 0,50 % pro Jahr vergleichsweise hoch, gemessen am Aufwand jedoch völlig in Ordnung. Mit 13,40 % Volatilität pro Jahr liegt der ETF im Messbereich des oberen Mittelfelds.

Die durchschnittliche Rendite der letzten 3 Jahre wird vom Emittenten mit 9,81 % per anno angegeben. 2019 liegt der ETF bislang mit 21,99 % im Plus.

ETF-Sparpläne mit Gebühren pro Sparrate auf den Multifaktor ETF von iShares:

  • Postbank 0,90 %.
  • Onvista Bank 1,00 %
  • Comdirect 1,50 %.

Hier ein Beispiel für einen ETF, den ich nicht im Portfolio haben möchte:

MSCI World Select Factor Mix ETF von UBS: ISIN IE00BFWMMG89, WKN A2JHA4

Der im Juli 2018 aufgelegte ETF mit Fondsdomizil Irland basiert auf 6 Faktoren, ist mit optimiertem Sampling physisch repliziert und ausschüttend konzipiert. Er schüttet alle 6 Monate aus, ist mit einer jährlichen TER von 0,46 % behaftet und mit 12,61 % per anno durchschnittlich volatil. Sein Fondsvolumen beträgt 29 Millionen Euro.

Die Wertentwicklung pro Jahr wird von UBS mit 11,40 % inklusive Ausschüttung angegeben, 2019 liegt der ETF bisher mit 23,18 % im Plus.

Was gibt es an diesem ETF auszusetzen?

  1. Erst seit einem Jahr im Angebot.
  2. Weniger als 100 Millionen Euro Fondsvolumen.

Nichts gegen den Emittenten, sein Konzept und die Art der Ertragsverwendung. Indes bergen die beiden genannten Fakten erhebliche Risiken. Der Fonds könnte vorzeitig liquidiert beziehungsweise mit einem anderen zusammengelegt werden.

Was halte ich von der Geldanlage in den MSCI World Multiple Factor Index?

Zweifelsohne birgt ein ETF auf den Index von Morgan Stanley die Chance auf mehr Rendite. Es gibt jedoch einen Aspekt, der gegen den Multifaktor-Ansatz spricht. Die einzelnen Faktoren korrelieren miteinander, das bedeutet, sie heben sich gegenseitig auf.

Es gibt in der Tat Jahre, in denen 2 der 4 Faktoren negative Auswirkungen hatten und die anderen beiden eliminierten. Ich würde mir vor einer Entscheidung für den MSCI World Multiple Factor Index die Beschreibungen der Indizes mit jeweils einem Faktor ansehen. Diese findest Du natürlich auch auf meiner Webseite.

Unabhängig davon tendiere ich zum ebenso bekannten wie bewährten Klassiker und würde Faktoren-Indizes nur als Beimischung ins Portfolio einfügen. Das hat einen einfachen Grund: Die Smart Beta ETFs sind ebenso wie die zugrunde liegenden Indizes noch zu jung. In den letzten 10 Jahren gab es keine weltweite Finanzkrise und diese „Feuertaufe“ steht noch aus.

Wie reagiert der Index von MSCI auf rasch fallende Aktienkurse, wie tief sinkt die Notierung und wie lange dauert die Erholungsphase? Die Antworten auf diese Fragen sind für langfristig orientierte Anleger überaus wichtig, denn sie entscheiden über den Erfolg beim Vermögensaufbau.

Ich bin der Meinung, dass die Geldanlage so einfach wie möglich gestaltet werden sollte. Erstrangige Kriterien sind für mich Rendite und Kosten.

Zum Vergleich einen empfehlenswerten ETF auf den MSCI World in klassischer Ausführung und den oben beschriebenen ETF auf den Multifaktor Index:

  • Multifactor ETF von iShares: durchschnittliche Wertentwicklung 9,81 % pro Jahr, TER 0,50 %.
  • MSCI World ETF von HSBC: durchschnittliche Wertentwicklung pro Jahr 15,27 %, TER 0,15 %.

Die Ertragsangaben sind für beide ETFs auf die letzten Jahre bezogen. Insgesamt rentierte der MSCI World ETF im 3-Jahres-Zeitraum mit 40,10 %, der Multifactor ETF generierte 34,09 %.

Mein Fazit

Multifaktor Indizes wollen bessere Erträge als die Klassiker erzielen und schaffen dies zeitweise auch. Auf lange Sicht gibt es keine Vergleichsmöglichkeiten, weil der MSCI World Multiple Factor und der diesbezügliche ETF erst seit 4 Jahren bestehen. Der Ansatz ist für erfahrenere Anleger eine reizvolle Option zur Portfolio-Gestaltung. Einsteiger oder Anleger mit ETF-Sparplan sind jedoch mit dem Klassiker MSCI World besser bedient. Die Kosten sind deutlich niedriger und seitens der Rendite ist der Weltindex von Morgan Stanley einfach unschlagbar zuverlässig.

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