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Market Timing – ein ernüchternder Selbstversuch

Architekt futuristisch Gebäude

Ich dachte ich sei schlauer als der Rest und habe versucht, den Markt zu timen. Ich habe mich auf eine hochriskante Wette eingelassen. Aber nicht mit Aktien und nicht mit ETFs. Viel besser! Ich wollte meine Überlegenheit zur Schau stellen und bin gewissermaßen auf die Fresse geflogen – trotz Insiderinformationen. Interessante Erfahrung jedenfalls. 😀

Was ist Market Timing?

  • Der Versuch, mit aktiv gewählten Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkten bei Wertpapieren überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.
  • Der Gegensatz zu buy and hold (Haltestrategie, der Anleger investiert und hält die Wertpapiere dann über die gesamte Zeitdauer).
  • Es gibt kurzfristige (technisch orientiert, Trends) und langfristige (Fundamentaldaten) Strategien des Market Timing.

Mehr dazu: Timing-Strategie auf Wikipedia

Meine Ausgangssituation für den Versuch des Market Timing

Klausurenphase vorbei. Es waren etwa 8 Wochen vergangen seit der letzten Klausur. Normalerweise sind die Noten immer so nach 6 oder 7 Wochen veröffentlich worden. Das war zumindest so die Erfahrung bis dahin. Dann war es auch höchste Eisenbahn. Die armen, geplagten Studenten brauchen ja schließlich Gewissheit!

Man könnte sagen: Der Zyklus ist bekannt. Als Konjunkturverlauf kann man es nicht bezeichnen, trotzdem war es in der Vergangenheit so, dass die Noten immer nach spätestens 7 Wochen veröffentlich worden sind. Es ist daher naheliegend anzunehmen, dass es in der Zukunft ähnlich ablaufen wird.

Um es etwas deutlicher auszudrücken: Die Noten waren längst überfällig. Eine Schwangerschaft im 11. Monat oder so. Jeder wusste, jede Minute könnten sie online gestellt werden. Der Crash war eigentlich so gut wie da. Und jeder wusste: An irgendetwas hängt es noch. Nur an was es hängt, wusste keiner. Fast keiner.

Denn einer hatte interne Informationen! Und zwar ich höchstpersönlich. Ich habe nämlich kurz mit der Dame vom Sekretariat telefoniert. Eigentlich ging es um etwas anderes, was ich in Erfahrung bringen wollte. Da ich das nette Fräulein aber eh schon am Apparat hatte, habe ich nachgefragt, wie es mit den Noten aussieht. Frau Mädchen Kuss Aktien

„Frau soundso trägt immer die Noten ein, ist aber seit zwei Wochen im Urlaub. Sie kommt am Montag wieder.“

Aha, daher kommt’s! Ich war erleuchtet. Und was tut ein Erleuchteter? Er nutzt seine Weisheit. Zu seinem eigenen Vorteil.

Ich weiß nicht, was mich getrieben hat. Mir saß wohl der Schalk im Nacken. Jedenfalls wollte ich mit meinen Insiderinformationen Geschäfte machen. Und vielleicht wäre für meinen Erfolg ja sogar ein Kuss von unserer Musterstudentin Brunhilde-Anastasia drin gewesen.

He!
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Was denn für Geschäfte? Wettgeschäfte! Mit einem meiner Kommilitonen. Ich habe mir zu dem Zeitpunkt noch überlegt, ob ich die Nummer ganz groß aufziehen und gleich mehrere Wetten parallel laufen lassen soll. Sämtliche Kommilitonen waren schließlich nur eine Nachricht über Whatsapp entfernt. Aufgrund meiner Demut vor dem Markt (deren Fehlen ja so oft bei Junginvestoren gerügt wird), habe ich es dann aber nicht übertrieben und bin bei einem einzigen „Opfer“ geblieben. Der liebe Jo sollte dran glauben müssen.

Wettgeschäfte mit einem Kommilitonen

Ich: „He Jo, wann glaubst kommen die Noten?“

Jo: „Bald?“

Ich: „Gib einen genauen Tipp ab.“

Jo: „3 Wochen.“ (Ich konnte diesen Tipp nicht fassen. Die Noten hätten langst da sein müssen!)

Ich: „Hm, okay. Sollen wir ne Wette abschließen? Um 1 Bier, wenn wir irgendwann in der Zukunft mal wieder einen trinken? Z.B. Bachelorball.“

Jo: „Wofür?“

Ich: „Derjenige, der näher dran ist, kriegt halt eins gezahlt.“

Jo: „Ok.“

Ich: „Sag ein Datum.“

Jo: „Ich sag Montag in zwei Wochen.“ (Also etwas über zwei Wochen ab Wettbeginn. Ein Tipp, der an Wahnsinn grenzte, wenn man bedenkt, dass die Noten längst überfällig waren.)

Ich: „Hm, aus Gründen der Cleverness sag ich der Freitag vor dem Monat.“ (Das habe ich gesagt, weil ich absolut sicher war, dass die Noten am Montag der Rückkehr der Dame aus dem Sekretariat kommen. Dadurch hatte ich aber nochmal einen – wie ich dachte: unnötigen – extra Puffer)

Ich: „Machen wir noch ne Zusatzwette? Um ein weiteres Bier? Jeder darf ein Datum sagen.“

Jo: „Was?“

Ich: „Und wenn eine Klausur an genau dem Datum kommt, ist es halt nochmal ein Bier. Damit es auch richtig spannend wird.“

Jo: „Zu viel Denkaufwand.“

Ich: „Digger.“

Jo: „Okay.“

Ich: „Ich sag Montag, 2. Juli. Die Wahrscheinlichkeit ist nahe null. Aber der Nervenkitzel!!“ (Anmerkung: Der Montag, an dem die Dame aus dem Sekretariat aus dem Urlaub kommt)

Jo: „Gut, ich sag 3.“

Ich: „Gewagt, gewagt.“

Innerlich kam es mir schon: Verdammt. Das könnte natürlich auch passieren. Ich war mir zwar sicher, dass die Noten – falls sie bereits vorlägen – direkt eingetippt werden. Trotzdem könnte es natürlich sein, dass die Dame erst am nächsten Tag dazu kommt.

Tja Leute. Zwei Bier standen auf dem Spiel.

Ein ungleicher Kampf: Ich vs. Jo

Ich: Im Hinterkopf, dass es NIE länger als 7 Wochen gedauert hat. Ambitioniert und motiviert. Mit Insiderinformationen versorgt. Durchdachte Strategie mit solider Basis. Ein wildes Raubtier, das zum Sprung auf das wehrlose Jungtier ansetzt.

Jo: Keinen Bock zu wetten, nicht mal richtig nachgedacht und einfach irgendwas gesagt, damit ich ihm nicht weiter auf den Sack gehe.

Kampf der Giganten oder Not gegen Elend?

Wir werden sehen. So weit so gut. Es war nur leider gar nichts daran gut.

Da ist er, der Tag der Wahrheit

Der Montag kam. Und ich wartete… und wartete… und nichts ist passiert. Ich habe die Website, auf der sonst die Noten veröffentlicht werden, gefühlte 50 x aktualisiert. Nichts!

Und der Dienstag kam… Nichts! – Das war mir zwar mehr als recht, etwas unsicher wurde ich aber trotzdem angesichts meiner bislang unnützen Insiderinformationen.

Naja, egal. Dann ging eben mein heißer Tipp mit dem speziellen Datum daneben. War ja eh nur die Sonderwette, die andere Wette läuft ja noch. Und dass die längst überfälligen Noten innerhalb von zwei Wochen kommen würden, war ja mal sowas von sicher.

Jetzt war es nur so: Tage und Wochen zogen ins Land. Und es kam einfach keine Note.

Und was ist passiert?

Die Noten kamen tatsächlich erst so spät. Also sogar später als der Tipp von Jo! Mein unwissender Kommilitone war also näher dran und hat abgeräumt. Naja. Jedenfalls ein Bier abgeräumt.

Wie konnte das passieren? Das war eine todsichere Sache. Es sollte mein großer Coup werden. Absolut safe.

Ich WUSSTE doch eigentlich, dass die Noten da kommen müssen. Ich hatte INSIDERINFORMATIONEN!

Nur: Was hatte ich nicht bedacht? Dass unser Dozent einfach Ewigkeiten zum Korrigieren brauchen könnte! Und zwar Ewigkeiten wie sie es noch nie in der Geschichte der Hochschule (oder genauer: während meiner persönlichen Hochschulzeit) gegeben hatte!

Es gibt sogar Regelungen an der Hochschule, dass Dozenten nicht so lange brauchen dürfen. Tja, da werden die eigenen Regeln gemacht. Genau wie an der Börse. Und wie soll ich so etwas timen?

Deshalb spekuliere ich auch nicht auf Kryptops, Gold oder Einzelaktien:

Kryptos kaufen als Student – (k)eine gute Idee!

Darum kaufe ich als Student keine Aktien

Gold kaufen als Student – bitte nicht!

Was ist an der Börse sicher und was ist an der Börse nicht sicher?

Eines war so gut wie sicher.

DASS die Klausuren irgendwann mal korrigiert sein würden.

Was war aber überhaupt nicht sicher?

WANN die Klausuren korrigiert sein würden.

(Korrigieren/Korrektur: Du merkst, wie ich den Bogen zur Börse zu spannen versuche, oder?)

Ja, es gibt wiederkehrende Zyklen. Es lassen sich Mittelwerte aus diesen Zyklen bilden, man kann ungefähr abschätzen, wie lange derartige Zyklen dauern und so weiter. Es muss aber nur eine Information fehlen und alle Prognosen gehen den Bach runter. Es muss nicht einmal eine Information fehlen – eine simple Fehlinterpretation kann dafür sorgen, dass praktiziertes Market Timing nicht funktioniert.

Und das ist nicht-funktionierendes Market Timing trotz Insiderinformationen.

Vielleicht ist einer der Dozenten überdurchschnittlich faul. Vielleicht hat er einen schönen (8-wöchigen??) Urlaub mit seiner Liebsten verbracht. Vielleicht hat er schlicht vergessen, dass er noch eine Klausur korrigieren muss.

Vielleicht hat besagter Kommilitone Jo ihm auch gesteckt, dass ich auf seine Korrekturzeit wette und der nach außen hin so unschuldige Jo hat ihn bestochen, damit er das Ding sicher nach Hause bringt. Möglichkeiten gibt’s genug. Und so kann aus einer todsicheren Sache eine Wette mit Verlust werden.

Man kann den Zeitpunkt eines Börsencrashs nicht voraussehen

Das ist beinahe wie auf den Crash zu warten. Jeder ist der Meinung, dass er irgendwann wieder kommen MUSS. Aber das entscheidende WANN bekommt keiner wiederholt hin. Der Markt macht einfach, was er will. Er unterliegt zwar gewissen Mustern, mehr aber auch nicht. Das Verhalten meiner Dozenten unterliegt auch gewissen Mustern.

Ich konnte meine Dozenten trotzdem nicht timen. 😀

Und deshalb ziehe ich hier die so oft gepredigte Lehre daraus:

Kontinuierlich in den Aktienmarkt investieren. Nicht zu viel in vermeintliche Insiderinformationen interpretieren. Nicht versuchen, cleverer zu sein, als es der Markt ist. Einfach reinbuttern, chillen und abwarten. Buy and hold. Und auf keinen Fall auf einen Crash warten und deshalb Cash horten. Während der Aktienmarkt nämlich munter weiter steigt, hockst Du auf Deiner Kohle und wartest und wartest. Genau wie ich ungläublig gewartet habe.

Warum funktioniert Market Timing (für mich) nicht?

Natürlich kann man die Vergangenheit betrachten und versuchen, daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Das ist ja auch genau das, was ich bei einem buy and hold-Ansatz mache. Ich rechne einfach mit 7 % durchschnittlicher Rendite und buttere regelmäßig in meine ETFs. Nur sind Vergangenheit und Zukunft keinesfalls gleichzusetzen. Wenn die Aktienkurse in der Vergangenheit beispielsweise nie länger als acht Jahre unter dem letzten Allzeithoch standen, heißt das noch lange nicht, dass in der Zukunft nicht auch mal zehn oder zwölf Jahre drin sind.

Zyklen sind natürlich vorhanden. Sie sind nur zeitlich außerordentlich schwer prognostizierbar. Wie im Beispiel mit meiner Wette: Es waren sonst immer sechs oder sieben Wochen bis zur Bekanntgabe. So ein „Zyklus“ kann aber anscheinend auch mal länger dauern.

Und selbst Insiderinformationen nützen mir wenig. Entweder sind diese Informationen schlicht nichts wert oder man interpretiert sie falsch.

Darüber hinaus gibt es viel zu viele Variablen, die Berücksichtigung finden müssten. Letztlich sind die Börse und die Kurse der Wertpapiere das Produkt von Meinungen und Emotionen einer Vielzahl von Anlegern. Auch wenn Fundamentaldaten teils aufschlussreich sein können, sind es nicht die Fundamentaldaten, die einen Crash hervorrufen.

Ich gebe zu, dass der Vergleich mit meiner Wette an einigen Stellen hinkt, wenn man sich das alles genauer ansieht. Trotzdem ist das vielleicht eine schöne Analogie, um nicht doch mal in „besonderen“ Zeiten mit irgendwelchen vermeintlich unfehlbaren Insiderinformationen Kopf und Kragen zu riskieren. Also, wer meint den Markt mittels Market Timing schlagen zu können. Ich habe einen Market Timing Test gemacht. Und habe kläglich versagt. 😉

Market Timing kann funktionieren

Ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass Market Timing von professionellen Anlegern über gewisse Zeiträume überdurchschnittliche Renditen gebracht hat. Dieses kleine Beispiel aus meinem Alltag – das eigentlich gar nichts mit der Börse zu tun hat – hat mich nur spüren lassen, dass das mit dem Market Timing wohl nicht so einfach ist. Und das obwohl ich sogar gewissermaßen Insiderinformationen hatte. Meine Recherchen waren allerdings auch nicht besonders umfangreich, ich habe mich eben auf die nächstbeste Informationen verlassen, die zu dem Zeitpunkt zur Verfügung stand.

Vielleicht funktioniert Market Timing mit sehr viel Zeiteinsatz doch in einem gewissen Umfang. Die erfolgreichsten Investoren (über Dekaden hinweg) sind zwar keine Market Timer, sondern Value Investoren. Das ist aber kein Beweis dafür, dass Market Timing grundsätzlich nicht funktioniert. Denn ein gewisser Prozentsatz professioneller Trader macht schließlich dauerhaft Gewinn – auch wenn das nicht ausschließlich Market Timing ist.

Etwa 80 % machen dennoch Verlust, wenn man dieser Studie Glauben schenken kann. Und deshalb weiß ich eines sicher: Von ein bisschen Börsenzeitschriften und Finanzblogs lesen wird man sicherlich nicht zum erfolgreichen Market Timer.

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