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MSCI EM ETF – sinnvoll oder gefährlich?

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Depotstudent Dominik
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Den Emerging Markets Index von MSCI kennst Du aus meinen Beiträgen als eine sinnvolle Komponente für ein globales Investment in Kombination mit dem Weltindex. Daran hat sich nichts Grundsätzliches geändert. Indes schaue ich mir die Webseite von Morgan Stanley Capital International regelmäßig an und deswegen ist mir beim EM Index verschiedenes aufgefallen.

Der heutige Artikel befasst sich aus einer anderen Perspektive mit dem EM Index von MSCI. Ich schaue mir die Entwicklung des Index in den letzten 10 Jahren an, weil sie aufschlussreicher ist, als die Betrachtung eines kürzeren Zeitraums.

Wie in allen Beiträgen auf dieser Webseite, zeige ich möglichst viele Fakten auf. Bilde Dir damit eine eigene Meinung zur Frage: Ist ein ETF auf den MSCI EM sinnvoll oder gefährlich?

Hier den Beitrag als Podcast oder Video genießen:

Warum 2 Artikel zum MSCI Emerging Markets Index?

Zwei Aspekte haben mich dazu veranlasst, erneut einen Beitrag zum EM Index von MSCI zu schreiben. Erstens unterliegt auch dieser Index einem ständigen Wandel. Zweitens fallen mir im Nachhinein stets Kriterien auf, die mir beim Schreiben des ersten Beitrags entgangen sind oder unbekannt waren.

Kurzum: Der erste Artikel zum Schwellenländer-Index war von einer positiven Grundeinstellung geprägt, die nachfolgenden Abschnitte sind das Ergebnis einer kritischen Betrachtung.

Zudem haben sich die Märkte ebenso wie der Index seither weiterentwickelt und dieser Tatsache muss aus meiner Sicht ebenfalls Aufmerksamkeit gewidmet werden. Ich möchte für Dich die Frage beantworten: Lohnt sich ein ETF auf den MSCI Emerging Markets Index?

Was hat sich 2019 am MSCI EM Index geändert?

Zunächst sind einige Länder neu in den EM Index eingezogen, vorher nicht dabei waren Pakistan, Saudi-Arabien und Katar. Der chinesische Anteil am Index hat sich auf mittlerweile über 34 % erhöht, weil nun auch Aktien vertreten sind, die vorher nur den Chinesen im Inland vorbehalten waren. Die Bestandteile des Index sind von gut 1.200 auf mehr als 1.400 angewachsen, insgesamt repräsentiert der EM Index nun eine Marktkapitalisierung von fast 6 Billionen Dollar.

Nach wie vor deckt der aus Large Caps und Mid Caps gebildete Index in jedem vertretenen Land etwa 85 % der investierbaren Börsenwerte ab. Bei den Top10 Unternehmen hat es aber einige Veränderungen gegeben:

  1. Spitzenreiter ist mit 5,84 % mittlerweile Alibaba aus China.
  2. Semiconduktor MFG aus Taiwan folgt mit 4,25 % im Index.
  3. Die Tencent Holding wurde vom Spitzenplatz verdrängt und hält nun 4,20 %.
  4. Samsung aus Südkorea konnte sich mit 3,51 % auf dem vorherigen Platz behaupten.
  5. China Construction gelang mit 1,32 % Indexgewichtung ein Schritt in Richtung Spitze.
  6. Der chinesische Versicherer Ping An rutschte mit 1,09 % einen Platz nach unten.
  7. Naspers aus Südafrika konnte sich mit 1,08 % im Mittelfeld halten.
  8. Der indische Energieversorger Reliance Industries kommt auf 1,06 % im Index.
  9. Housing Development aus Indien hat nun 0,91 % Indexgewicht.
  10. Neu in den Top 10 ist der chinesische Finanzdienstleister ISBC mit 0,80 %.

Für Leute, die diversifiziert in die Schwellenländer anlegen wollen und passive Investments bevorzugen, ist ein ETF auf den Emerging Markets Index von MSCI ein ausgezeichnetes Instrument. In den Schwellenländern präsent zu sein, kann sich im kommenden Jahrzehnt richtig lohnen. ETFs werden mittlerweile von fast allen namhaften Anbietern offeriert.

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Wie sind die letzten 10 Jahre gelaufen?

Vor einigen Tagen habe ich mir den Chart zum EM Index im Zeitfenster von 10 Jahren angeschaut und war erstaunt. Warum erkläre ich Dir anhand der nachfolgenden Auflistung:

  • 2009 zog der EM wie die meisten Indizes steil in die Höhe, die Finanzkrise schien bewältigt.
  • 2011 fiel er jedoch senkrecht auf einen Wert unterhalb von 2009 ab.
  • 2012 bis 2014 verlief der Kurs mit den üblichen Schwankungen horizontal.
  • 2015 erfolgte eine Talfahrt auf das Niveau während der Finanzkrise.
  • 2016 bis 2017 ging es ungehindert in nördliche Richtung.
  • 2018 kam es erneut zu einer Korrektur und seither verläuft der Kurs auf dem Niveau von 2009.

Was bedeutet das? Wer seit 10 Jahren im Emerging Markets Index investiert ist, hat fast nichts (insgesamt 8 %) gewonnen. Leute, die erst Ende 2015 eingestiegen sind, können sich hingegen über ordentliche Erträge freuen. Du siehst also, dass es bei der Beurteilung eines Index vor allem auf den gewählten Zeitraum ankommt. Für Anleger, die seit 2009 im EM Index sind, dürfte das Ergebnis wie ein verlorenes Jahrzehnt ausschauen.

Besonders schlimm erscheint mir die Betrachtung mit dem Wissen, dass weltweit die Börsen seit der Finanzkrise nur positive Entwicklung aufzeigen. Bestätigt wird dieser Eindruck durch einen Vergleich von 3 Indizes aus dem Hause Morgan Stanley:

  • In den letzten 10 Jahren hat sich der Emerging Markets Index nur seitlich entwickelt.
  • Der MSCI World konnte seit 2009 fast den doppelten Punktestand erreichen.
  • Der MSCI USA schaffte sogar fast eine Verdreifachung.

Es ist natürlich nicht so, dass alle Schwellenländer in den letzten 10 Jahren schlecht gelaufen sind. Ich habe mir einige Indizes angeschaut und war erstaunt.

Aufstrebende Märkte mit unterschiedlichen Ergebnissen

Vor allem die asiatischen Schwellenländer überzeugen Anleger seit 2009 mit ausgezeichneter Wertentwicklung:

  • Der MSCI Philippines Index legte sei 2009 um 150 % zu, seinen Höchststand erreichte er allerdings bereits 2016. Seither verläuft der Kurs mit durchschnittlicher Volatilität horizontal.
  • Fast ebenso stark sieht die Kursentwicklung des MSCI Thailand aus, er legte seit 2009 um etwa 130 % zu.
  • Der MSCI China hat seit 2009 um 125 % zugelegt, seinen höchsten Stand erreichte der Index 2017.

Diese drei Indizes machten mich neugierig, ich wollte wissen, welche Länder den MSCI EM Index in den Keller gezogen haben. Hier folgte die nächste Überraschung:

  • Südkorea wird allgemein als einer der asiatischen Tiger beschrieben, doch der Index von MSCI bestätigt allenfalls durchschnittliche Entwicklung und liegt derzeit etwas unterhalb des Schwellenländer-Index.
  • Der MSCI Russia dürfte maßgeblich zur schlechten Entwicklung des Emerging Markets Index beigetragen haben, er notiert seit 2009 deutlich unterhalb vom Kurs anderer Schwellenländer.
  • Griechenland ist ein weiterer Problemfall für die Schwellenländer, der MSCI Greece kennt seit 2009 nur eine Richtung: nach Süden.
  • Problematisch für die Kursentwicklung des Schwellenländer-Index ist zudem Argentinien. Der MSCI Argentina stürzt seit 2017 ungebremst in die Tiefe und hat bislang mehr als die Hälfte seines Werts verloren.

Alle 26 Mitgliedsländer des MSCI EM eingehend zu überprüfen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Du erkennst aber an meinen Ausführungen, dass es Gewinner und Verlierer unter den Schwellenländern gibt.

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Emerging Markets – nur ein Sammelbegriff

Die im MSCI EM vorhandenen Länder sind sehr unterschiedlicher Natur. Es gibt darunter Staaten, auf deren Entwicklung die Industrieländer mit Neid blicken und eher Mitleid erregende Nationen. Wer in die Emerging Markets investiert, muss auf positive und negative Überraschungen gefasst sein. Gleichzeitig sind die Schwellenländer für Investoren mittlerweile so wichtig geworden, dass am Index von MSCI kein Weg mehr vorbeiführt.

Die Anlegergemeinde bildet inzwischen zwei Lager: Für die einen sind die Schwellenländer ökonomisch nicht mehr interessant, für die anderen stecken sie voller Potenzial. Ausschlaggebend für den Optimismus einiger Investoren ist die vergleichsweise niedrige Bewertung, welche Spielraum für Chancen lässt.

Ein Blick auf die Fundamentaldaten

Aus meinen Beiträgen konntest Du bereits entnehmen, dass es verschiedene Kennzahlen zur Bewertung von Aktien und Indizes gibt. Vergleichen wir die wichtigsten Kennziffern von 3 prominenten Aktienindizes, ergibt sich ein Bild, welches für den MSCI Emerging Markets spricht:

  • Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) lag im November 2019 beim Schwellenländer-Index bei 14,1.
  • Beim MSCI ACWI lag es bei 18,79 und beim MSCI World bei 19,68.
  • Das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) wurde zum gleichen Zeitraum für den MSCI EM mit 1,62 angegeben.
  • Die Angaben für den MSCI ACWI sowie den MSCI World liegen mit 2,41 und 2,36 deutlich darüber.
  • Für 2020 wird beim MSCI Emerging Markets ein KGV von 12,21 angenommen.
  • Die Annahmen für MSCI ACWI sowie MSCI World sind mit 15,99 und 16,67 erheblich höher.
  • Der Emerging Markets Index liegt bei der Dividenden-Rendite mit 2,77 % deutlich vor dem MSCI ACWI mit 2,41 % und dem MSCI World mit 2,36 %.

Meiner Meinung nach ist ein ETF auf den MSCI Emerging Markets für die kommenden Jahre eine sinnvolle Option. Viele Fachleute sind der Ansicht, dass dem schwachen letzten Jahrzehnt mindestens 10 starke Jahre folgen. Begründet wird die Ansicht mit optimalen Fundamentaldaten und eben dem riesigen Potenzial.

Gerechtfertigte Gewichtung

In der westlichen Welt wird China in letzter Zeit eher als Bedrohung und nicht mehr als Partner empfunden. Übersehen wird dabei, dass die chinesischen Konzerne derzeit eine bemerkenswerte Struktur-Änderung vollziehen. Sie wollen nicht länger billig für Auftraggeber aus dem Westen produzieren, sondern mit eigenen Erzeugnissen die Weltmärkte bereichern. Der chinesische Anteil am Emerging Markets Index wächst daher kontinuierlich, die derzeitigen 34 % sind vermutlich nicht das Ende der Fahnenstange.

Wachstumspotenziale haben zudem Indien und Taiwan, wie sich die russische Wirtschaft in den kommenden 10 Jahren entwickeln wird, steht hingegen in den Sternen.

Problem: Häufige Umschichtungen

MSCI schichtet im Emerging Markets Index häufiger um als in den anderen bekannten Indizes. Jede Aktion wird medienwirksam im Vorfeld angekündigt und dies hat für Anleger einen leicht negativen Aspekt. Die Aktien von Gesellschaften, die neu in den Index aufgenommen werden, stehen im Fokus von Stock-Pickern. Die große Nachfrage resultiert in hohen Preisen und die Indexanleger kaufen ständig zu spät und sehr teuer ein.

Ich will Dich damit nicht zum Suchen einzelner Aktien auffordern, sondern nur eine Tatsache erwähnen, die auf alle große Indizes zutrifft. Bis ein Land in einen Index aufgenommen wird, sind seine Aktienwerte bereits sehr stark gestiegen. Du wirst die Senkrechtstarter aber weder in Europa, Amerika noch im fernen Asien rechtzeitig finden. Zudem musst Du für Spekulationen auf einzelne Aktien aktiv sein und viel Geld in die Hand nehmen.

Fazit

Meine Empfehlung geht auch deswegen weiterhin in die alte Richtung. Investiere in den gesamten EM Index und profitiere vom vorhandenen Potenzial. Ich glaube an die Aussagen der Fachwelt, die für das kommende Jahrzehnt in den Schwellenländern enorme Chancen vermutet. Ich empfehle Dir die Kombination von MSCI World zu 70 % mit dem MSCI Emerging Markets Index zu 30 %.

ETFs auf beide Indizes sind bei den heimischen Brokern reichlich vorhanden, viele davon sind sparplanfähig und bei einigen Anbietern dauerhaft kostenfrei besparbar. In der vorgeschlagenen Gewichtung ist der MSCI Emerging Markets Index für das langfristige Investment sehr sinnvoll. Eine Gefahr für den Vermögensaufbau stellt er lediglich dann dar, wenn Du alles auf eine Karte setzt und nur in ihn investierst.

Natürlich bietet sich für Dich die Möglichkeit, nur in bestimmte Indizes der Schwellenländer zu investieren. Wie das funktionieren könnte, ob es kostengünstig und sinnvoll ist, zeige ich Dir in Kürze mit einem eigens dazu geschriebenen Beitrag. Des Weiteren folgen bald Artikel, die sich mit Portfolios befassen, in denen nur die Aktien der Schwergewichte von Indizes wie MSCI World und MSCI Emerging Markets enthalten sind.

Die Geldanlage in Aktien-(Indizes) hat viele Facetten und ich bin der Meinung, dass Du sie vor einer Entscheidung alle kennen solltest.

Dein Depotstudent Dominik

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3 Kommentare

  1. Endlich mal ein kritischer Artikel zum EM! Ich habe zunächst auch blind 70/30 investiert, sehe dies aber inzwischen deutlich kritischer. Selbst aktuell während der Nach-Corona-Crash Phase laufen die EM dem MSCI World kräftig hinterher. Mag sein, dass amerikanische Aktien teurer als andere sind. Aber die Amerikaner glauben an System und werden weiter kaufen.

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