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So hoch ist das Risiko bei einem ETF-Sparplan

Gebäude Himmel

Der nachfolgende Beitrag ist der Frage gewidmet: Gibt es beim ETF-Sparplan ein Risiko oder gar mehrere Risiken? Dazu wird zunächst das Konzept des ETF-Sparplans von mir in Augenschein genommen.

Anschließend zeige ich Dir mögliche Fehler auf, die Du beim Einrichten des Sparplans machen könntest. Jede dieser Fehlentscheidungen erhöht das Risiko eines ETF-Sparplans seitens der zu erwartenden Rendite.

Was ist ein ETF-Sparplan?

Der mit einem Broker oder einer Direktbank abgeschlossene ETF-Sparplan ermöglicht Dir den Aufbau von Vermögen oder die Vorsorge fürs Alter ohne vorhandenes Kapital. Du ermittelst im Vorfeld der Einrichtung Dein Anlageziel und welches Risiko dafür eingegangen werden soll.

Im Anschluss wählst Du einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) und suchst einen Anbieter, der diesen Exchange Traded Funds sparplanfähig im Portfolio hat. Bei diesem Broker musst Du Dich für ein optimales Sparintervall entscheiden, eine Sparrate definieren und eine Laufzeit festlegen. Je früher Du mit dem ETF-Sparplan beginnst, desto mehr kannst Du vom so bezeichneten Zinseszinseffekt profitieren.

Wie funktioniert der ETF-Sparplan?

Mit der Registrierung bei einem Brokerage Anbieter eröffnest Du gleichzeitig ein Depot zur Aufbewahrung der in Intervallen erworbenen ETF-Anteile. Im Idealfall wählst Du einen in der BRD ansässigen und von der BaFin lizenzierten Broker (Direktbank) mit transparenter und informativer Webseite in deutscher Sprache. Damit wird jegliches Risiko bei der Anmeldung und Einrichtung des ETF-Sparplans ausgeschaltet.

Zu jedem Sparplan musst Du eine Sparrate und einen Sparrhythmus festlegen. Einige Anbieter ermöglichen den Einstieg mit nur 25 Euro im Monat. Für jede Einzahlung erwirbt Dein Anbieter Anteile des gewählten Indexfonds.

Das Risiko des zu teuren Einkaufs wird über die Laufzeit durch viele Transaktionen ausgeglichen. In der Branche wird dieser Vorteil Cost-Average-Effekt genannt. Vereinfacht ausgedrückt profitierst Du beim ETF-Sparplan von Durchschnittskursen. Um einen Sparplan einzurichten, musst Du diese Entscheidungen treffen:

  • Welchen ETF soll ich wählen?
  • Welche Sparrate ist die Richtige?
  • Wann soll der Sparplan ausgeführt werden?

Bis hier ist vom Risiko eines ETF-Sparplans noch nichts in Sicht? Doch, aber widmen wir uns zunächst dem Thema:

Was kostet ein ETF-Sparplan?

Seitens des Fonds fallen Kosten für Verwaltung und die jährliche Neugewichtung an. Die Höhe dieser Gebühren erkennst Du an der Gesamtkostenquote TER (Total Expense Ratio). Für die Aufbewahrung der Anteile im Depot können Gebühren fällig werden. Für die Ausführung des Sparplans stellt der Brokerage Anbieter pro Intervall Kosten in Rechnung.

Wo liegt das Risiko beim ETF-Sparplan?

Das Konzept des Sparplans birgt keinerlei Risiken, Deine ETF-Anteile zählen zum Sondervermögen und sind selbst bei Insolvenz des Brokerage Anbieters sicher. Das einzige Risiko liegt bei Dir und Deinen Entscheidungen.

Richtige Entschlüsse tragen zum Gelingen bei, Fehlentscheidungen gefährden Dein Anlageziel. Es gibt auf dem Weg von der Idee zur Einrichtung fatale und weniger gefährliche Fehler, mit denen Du das Risiko beim ETF-Sparplan erhöhen kannst.

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Risiko 1: die Anlageklasse

Ich werde Dir anhand von Beispielen zeigen, welche Bedeutung die Wahl der richtigen Assetklasse hat. Angenommen, Dir ist vor allem Sicherheit wichtig und Deine Entscheidung fällt daher auf einen Staatsanleihen-Index als Baustein für den ETF-Sparplan.

Staatsanleihen aus der Eurozone oder den Vereinigten Staaten sind überaus sichere Investitionen, allerdings rentieren sie kaum oder gar negativ. Unternehmensanleihen sind um Einiges interessanter, jedoch wird die bessere Rendite mit hohem Ausfallrisiko bezahlt. Kurzum, Du kannst mit einem Anleihen-ETF Dein vermutlich anspruchsvolles Anlageziel nicht erreichen.

Rohstoffe-Indizes sind auf den ersten Blick attraktiv, doch ist die Wertentwicklung von Gold, Silber oder Öl von vielen schwer kalkulierbaren Faktoren abhängig. Du kannst in bestimmten Phasen Deine Anlageziele mit Glück erreichen oder erleidest schwere Verluste.

Die Anlageklasse der Aktien wird von vielen Interessenten mit Aversion betrachtet, weil erhebliche Verluste damit verbunden werden. Bei einzelnen Wertpapieren besteht in der Tat ein hohes Risiko, im schlimmsten Fall kann ein Engagement im Totalverlust enden.

Aktienindizes mindern hingegen die Risiken, weil sie eingesetzte Mittel auf viele Gesellschaften verteilen. Zudem sind Aktien die einzigen Wertpapiere, die auf lange Sicht attraktive Renditen in Aussicht stellen.

Das erste Risiko eines ETF-Sparplans ist Deine Fehlentscheidung hinsichtlich der Anlageklasse. An Aktien beziehungsweise Aktienindizes geht bei Anlagezielen auf hohem Niveau kein Weg vorbei.

Dein ETF-Sparplan birgt wenig Risiko, wenn Du Dich für einen optimal diversifizierten Aktienindex entscheidest. Ideal ist ein ETF auf den MSCI World, weil in diesem Aktienindex über 1.650 Papiere von mittleren und großen Gesellschaften aus 23 Industrienationen in 5 globalen Regionen enthalten sind.

Risiko 2: die Laufzeit

Ein ETF-Sparplan, dem ein Aktienindex zugrunde liegt, benötigt mindestens 15, besser 20 Jahre Zeit zur Generierung von optimaler Rendite. Nachfolgend einige Rechenbeispiele mit einer Sparrate von monatlich 100 Euro:

  • Langfristige Wertentwicklung beim MSCI World 8 % pro Jahr.
  • Gewählte Laufzeit: 5 Jahre.
  • Zu erwartendes Endergebnis: knapp 7.400 Euro.
  • Eigene Einzahlungen: 6.000 Euro.

Bei einer Laufzeit von 10 Jahren sieht das Endergebnis so aus:

  • Einzahlungen: 12.000 Euro.
  • Endsumme: 18.400 Euro.

Wenn Du Deinem ETF-Sparplan 15 Jahre Zeit gibst, erreichst Du dieses Resultat:

  • Einzahlungen: 18.000 Euro.
  • Endergebnis: knapp 35.000 Euro.

Bei einer Laufzeit von 20 Jahren wird der ETF-Sparplan noch interessanter:

  • Einzahlungen: 24.000 Euro.
  • Endsumme: 59.300 Euro.

Die falsch gewählte Laufzeit kann bei Deinem ETF-Sparplan im Nichterreichen des Anlageziels resultieren. Je länger ein Sparplan auf einen Aktienindex läuft, umso mehr profitierst Du vom Zinseszinseffekt. Dazu muss jedoch eine weitere Gefahr vermieden werden.

Risiko 3: ETF Konzept

Du erreichst das von Dir definierte Anlageziel nur, wenn der gewählte ETF thesauriert. Dabei werden die Gewinne eines Jahres automatisch wieder angelegt. Nur so werden aus 24.000 Euro bei 8 % Wertentwicklung innerhalb von 20 Jahren fast 60.000 Euro.

Nimmst Du hingegen einen ausschüttenden ETF, erhältst Du die jährlichen Gewinne auf das Depot-Konto ausbezahlt. Da keine Direktbank beim ETF-Sparplan individuell berät, solltest Du meinen Ratschlag beherzigen und auf das Konzept des Anlagevehikels achten.

Risiko 4: Verhalten in Krisenzeiten

Börsenturbulenzen können jederzeit vorkommen und in stark fallenden Kursen resultieren. Je nach dem, wie Du Dich bei einem Ereignis verhältst, wird es entweder zum Lehrstoff oder zur Katastrophe.

Du kannst panikartig aus Deinem ETF-Sparplan aussteigen und damit negative Buchwerte zu realen Verlusten machen, damit initiierst Du ein Katastrophenszenario. Mein Rat: Bleibe selbst bei erheblich gefallenem Kurs dabei und lerne aus dem immer folgenden Aufschwung etwas über die Funktionsweise der Börse.

Das Schöne am Aktienindex MSCI World ist, dass seine Entwicklung über Jahrzehnte hinweg nach verfolgt werden kann. Dementsprechend hat der Kurs nach jeder Talfahrt eine neue Rekordhöhe erreicht.

Bis hier habe ich fatale Fehler geschildert, von denen jeder ein hohes Risiko für Deinen ETF-Sparplan beinhaltet. Hier noch einmal die Fehlentscheidungen, die den ETF-Sparplan negativ beeinflussen:

  • Durch die Wahl der falschen Anlageklasse erreichst Du Dein Ziel nicht.
  • Eine zu kurze Laufzeit zu wählen, resultiert in einem unbefriedigenden Ergebnis.
  • Gleiches gilt für das Konzept des gewählten ETF.
  • Nur bei richtigem Verhalten in turbulenten Zeiten erreichst Du das Anlageziel.

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Kleinere Risiken beim ETF-Sparplan

Das Risiko eines ETF-Sparplans liegt ausschließlich in Deinen Händen. Du kannst es durch vorteilhafte Entscheidungen auf ein Minimum reduzieren. Die nachfolgend dargestellten Risiken sind zwar von geringerer Bedeutung, sie sollten aber im Hinblick auf möglichst attraktive Rendite vermieden werden.

Risiko 5: Gebührenstruktur des Brokerage Anbieters

Du kannst für die Ausführung eines ETF-Sparplans feste oder prozentuale Gebühren sowie eine Kombination aus beidem entrichten müssen. Einige Anbieter verlangen feste Gebühren zwischen 1,50 und 4,00 Euro oder 0,25 bis 4 %. Achte bei der Auswahl eines Brokers auf transparent dargestellte Gebührenstruktur und niedrige Kosten für die Ausführung.

Risiko 6: Aktionsangebote

Als Aktionsangebote definieren Brokerage Anbieter ETF-Sparpläne ohne Kaufgebühren. Das klingt zunächst einmal gut, hat aber einen wenig kommunizierten Nachteil. Der Emittent übernimmt zu Werbezwecken für eine bestimmte Zeit die Kaufgebühren.

Nach Ablauf der Aktion musst Du für die Ausführung des Sparplans selbst bezahlen. Riskant für das Endergebnis ist in diesem Fall, wenn Du aus Protest den Anbieter wechselst oder auf einen ebenso vorübergehend kostenfreien ETF wechselst. Ein Aktionsangebot solltest Du als temporäre Chance betrachten und aufgrund des Kostenvorteils wahrnehmen. Zu den führenden Online-Anbietern von einfachen Spar- und Investmentprodukten gehört WeltSparen.

Risiko 7: mehrere ETFs in einem Sparplan

Direktbanken ermöglichen Dir, Deinen ETF-Sparplan auf mehrere Indizes aufzubauen. Vor allem bei kleinen Sparraten rate ich Dir dringend davon ab. Warum? Weil für jeden ETF im Sparplan Gebühren fällig werden und damit die Kosten ins Unermessliche steigen. Angenommen, Dein Sparplan läuft 20 Jahre und die durchschnittliche Ausführung pro ETF kostet 2 Euro pro Intervall:

  • 20 Jahre gleich 240 Monate gleich 480 Euro Gesamtkosten für einen ETF
  • Bei 2 ETFs würden 960 Euro fällig, bei 3 sogar 1.440 Euro.

Mehrere ETFs bedeuten aber nicht zwangsläufig vervielfachte Rendite. Aus meiner Sicht sollte der ETF-Sparplan einfach gehalten und mit einem guten Aktienindex eingerichtet werden.

Risiko 8: weniger Rendite durch falschen Sparrhythmus

Du riskierst Einbußen beim Ertrag durch die Wahl eines nachteiligen Sparrhythmus. Entscheidest Du Dich für die quartalsweise Ausführung, sparst Du bei einem ETF und 20 Jahren Laufzeit 320 Euro. Weniger Kosten resultieren natürlich in mehr Rendite.

Risiko 9: nicht gewählte Dynamik

Du darfst bei einem 20 Jahre laufenden ETF-Sparplan die Geldentwertung nicht vergessen. Sonst verliert das Endergebnis seitens der Kaufkraft jeglichen Reiz. Der Inflation mit dynamisch gestalteten Sparraten zu begegnen, kann ich Dir in diesem Kontext dringend empfehlen.

Fange mit 100 Euro pro Monat an und erhöhe den Betrag jedes Jahr um 5 Euro. Am Ende steht ein Resultat, welches mehr Kaufkraft beinhaltet als das oben dargestellte Endergebnis bei einer Laufzeit von 20 Jahren.

Mein Fazit zum Thema: das Risiko eines ETF-Sparplans

Der ETF-Sparplan ist als risikoarmes Anlagevehikel die ideale Möglichkeit für einen Menschen ohne viel Erfahrung, Vermögen aufzubauen oder für das Alter vorzusorgen. Das einzige wirkliche Risiko besteht im Anleger und dessen Fehlentscheidungen.

Wenn Du die Punkte in meinem Beitrag berücksichtigst, senkst Du das Risiko bei Deinem ETF-Sparplan auf ein vertretbares Minimum. Insbesondere die erstgenannten 4 Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit, um das Anlageziel zu erreichen. Die Berücksichtigung der anderen Positionen optimiert das Endergebnis.

Dein Depotstudent Dominik

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Ein Kommentar

  1. Risiko 7 und 8 sind aber nur, wenn die Kaufgebühren einen fixen Anteil haben. Typischerweise sind die Gebühren für einen Sparplan aber prozentual, gerade weil man kleine Beträge investiert.

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