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Swap ETF und Währungsrisiko einfach erklärt

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Als regelmäßiger Leser meiner Artikel weißt Du bereits, nach welchen Kriterien ein ETF ausgesucht werden sollte. In dem entsprechenden Beitrag war von physisch replizierten und synthetisch nachgebildeten Indexfonds die Rede. Heute erkläre ich Dir ausführlich die Unterschiede und gehe zudem auf Vor- und Nachteile ein.

Im zweiten Teil dieses Artikels widme ich mich dem Währungsrisiko, vor welchem bei ETFs, Aktien und Fonds regelmäßig gewarnt wird. Was hat es damit auf sich und inwieweit bist Du als Anleger davon betroffen? In diesem Beitrag geht es ausschließlich um das Währungsrisiko bei Aktien und Fonds. Zu den mit Währung und Zins verbundenen Risiken bei Anleihen ETFs folgt in Kürze ein separater Artikel.

Wie werden ETFs aufgebaut?

Die Emittenten der Exchange Traded Funds können zugrunde liegende Indizes auf mehreren Wegen nachbilden. Ein ETF kann vollständig physisch replizierend sein. Das bedeutet, es liegen alle im Index enthaltenen Komponenten (Aktien) vor und fließen mit identischer Gewichtung in den ETF ein. Diese Methode wird vor allem bei der Nachbildung kleinerer Indizes, wie beispielsweise der DAX, angewandt.

Bei größeren Indizes kommt die physischen Replikation in Form des optimierten Samplings zum Einsatz. Alle relevanten Bestandteile werden vom Emittenten erworben und die Aktien sehr kleiner Gesellschaften aus Kostengründen außen vor gelassen. Beispiele für diese Vorgehensweise sind MSCI World oder MSCI ACWI. Ein Grund für das optimierte Sampling ist, dass die Aktien kleinerer Gesellschaften mit vergleichsweise hohen Transaktionskosten behaftet sind.

Bevor ich Dir den Swap ETF im Detail erkläre, möchte ich an das Ziel eines jeden börsengehandelten Indexfonds erinnern. Es geht um die möglichst genaue und kostengünstige Nachbildung eines Index. Um die Kosten bei der Abbildung eines großen Index im Rahmen zu halten, wird oft die synthetische Replikation mittels Swap genutzt.

Was genau ist ein Swap basierter ETF?

Bei einem Swap schließen zwei Parteien einen Tauschvertrag ab. Auf der einen Seite steht der ETF Anbieter, beispielsweise die ComStage. Auf der anderen Seite befindet sich der Swap Partner, welcher bei der ComStage oft der Dachkonzern Commerzbank ist. Beim Anbieter Xtrackers ist der Swap Partner meist die Deutsche Bank.

Der Anbieter des ETF hält ein so bezeichnetes Trägerportfolio, in welches er das von seinen Kunden eingesammelte Geld investiert. Der Swap Partner auf der anderen Seite sichert dem Anbieter zu, dass er die Rendite des abzubildenden Index liefert. Als Beispiel soll hier der MSCI World Index dienen.

Zwischen den beiden Parteien wird ein Tauschgeschäft vereinbart, welches nicht über die Börse, sondern over the Counter zustande kommt. Dieser individuell ausgehandelte Vertrag wird von der Commerzbank erfüllt, indem das Haus die Rendite des MSCI World garantiert. Im Gegenzug liefert die ComStage an die Commerzbank die Rendite des Trägerportfolios.

Zum einfacheren Verständnis gehen wir davon aus, dass jedes Portfolio einen Wert von 100 Euro besitzt.

  • Der Wert des MSCI World Portfolios ist mit der Zeit um 4 % auf 104 Euro gestiegen.
  • Das Trägerportfolio verzeichnet im gleichen Zeitraum lediglich eine 2-prozentige Wertentwicklung auf 102 Euro.
  • Auf Basis des abgeschlossenen Tauschvertrags bezahlt die Commerzbank der ComStage 4 Euro. Die ComStage überweist an die Commerzbank 2 Euro.
  • Bei umgekehrter Entwicklung läuft der Tausch genauso und mit den entsprechenden Zahlungen ab.

Du bekommst als ETF Anleger mit dem physisch replizierenden Exchange Traded Funds Deine Rendite ebenso sicher wie mit der synthetisch nachgebildeten Variante. Für den ETF Anbieter ist die synthetische Replikation vorteilhafter, weil diese Methode die genauere Abbildung mit niedrigeren Kosten ermöglicht.

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Mithilfe von Swaps können sehr große und komplizierte Indizes genauer abgebildet werden, ansonsten sehr schwer zugängliche Aktien-Renditen lassen sich mit Tauschgeschäften kostengünstig erzielen. ETFs sind unter anderem aufgrund der niedrigen Transaktionskosten beliebte Anlagevehikel, daher spielen Tauschgeschäfte eine zunehmend große Rolle.

Bei niedrigen Transaktionskosten werden zudem geringe Tracking Error Werte möglich. Der Tracking Error bezeichnet den Unterschied zwischen der Wertentwicklung des Index und der des ETF. Im Gegensatz zum Index hat der ETF Kosten für Transaktion, Brokerage Leistungen und Börsenplatzentgelte, außerdem werden an verschiedenen Stellen Steuern fällig. Das Ziel jedes Anbieters ist daher, einen Index mit niedrigen Kosten und geringem Tracking Error abzubilden.

Welche Aktien genau im Trägerportfolio des ETF Anbieters enthalten sind, kannst Du dem Jahresabschluss des Swap ETF entnehmen. Sehr oft setzt sich das Trägerportfolio bei einem synthetisch replizierenden ETF auf den MSCI World aus Aktien deutscher Konzerne zusammen.

In einigen Fällen besteht das Trägerportfolio aus exotischen Aktien. Die Zusammensetzung spielt aber nur eine untergeordnete Rolle, wichtig ist das funktionierende Tauschgeschäft zwischen den Partnern.

Richtlinien schaffen Sicherheit

Gesetzlichen Vorgaben entsprechend, darf der Unterschied zwischen beiden Swap Partnern maximal 10 % betragen. Es muss spätestens ein Swap erfolgen, wenn:

  • Der MSCI World bei 100 Euro und das Trägerportfolio bei 110 Euro steht.
  • Das Trägerportfolio 110 Euro und der MSCI World 110 Euro wert ist.

Bei den meisten Swap Partnern erfolgt der Ausgleich jedoch erheblich früher, weil sie ihr Kontrahentenrisiko so gering wie möglich halten wollen.

Was bedeutet Kontrahentenrisiko?

Unter dem Begriff ist zu verstehen, dass während der Anlagezeit beim Swap-basierten ETF der Tauschpartner unter Umständen Insolvenz anmelden muss. Um die Verluste für Anleger im Ernstfall zu minimieren, wurde vom Gesetzgeber die 10 % Regel eingeführt. Dein maximales Risiko würde im Ernstfall nie mehr als 10 % betragen.

In der Praxis ist das Kontrahentenrisiko jedoch deutlich geringer, oft sogar überhaupt nicht vorhanden. Warum? Weil seriöse Swap Partner zusätzliche Sicherheitsleistungen hinterlegen. Bei der Commerzbank besteht diese Sicherheitsleistung in der Regel aus Staatsanleihen mit AAA Rating. Nicht selten sind synthetisch replizierende ETFs über den eigentlichen Wert hinausgehend besichert.

Bei einem ETF mit synthetischer Replikation triffst Du in der Beschreibung auf eine der 3 nachfolgenden Angaben:

  • Unfunded Swaps – weist auf fehlende Besicherungen hin.
  • Funded Swaps – bedeutet mit Besicherung.
  • Fully Funded Swaps – deutet auf eine über den Wert hinausgehende Besicherung hin.

Mein Fazit zum Swap ETF

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass synthetisch replizierende ETFs ebenso wenig riskant sind wie physisch nachgebildete Exchange Traded Funds. Von einem Kostenvorteil durch niedrigeren Tracking Error kann aber nicht immer ausgegangen werden. Synthetische Replikation ist in der Regel günstig, aber die Anbieter von physisch replizierenden ETFs können mittels Wertpapierleihe zusätzliche Einkommen generieren und damit Kosten senken.

Seit 2018 gibt es zwischen physisch replizierenden ETFs und synthetisch nachgebildeten Indexfonds keine steuerlichen Unterschiede mehr. Abschließend muss ich darauf hinweisen, dass bei großen und komplexen Indizes gemischte Replikationsarten zur Anwendung kommen. Emittenten kaufen die Aktien der großen Konzerne und bilden die Wertpapiere kleiner Gesellschaften synthetisch nach. Diese Methode hat sich noch vorteilhafter als das optimierte Sampling erwiesen.

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Alles Wissenswerte zum Währungsrisiko

Experten thematisieren das von Währungen ausgehende Risiko sehr häufig, allerdings meist ohne weiterführende Erklärung. In den nachfolgenden Abschnitten vermittle ich Dir einen Eindruck vom Währungsrisiko und zeige zudem auf, inwieweit es Dich betrifft.

Ein Währungsrisiko kann für Dich entstehen, wenn Du mit Euro entlohnt wirst und bezahlst, aber US-amerikanische Aktien mit Dollar erwirbst. Der Euro ist seit der Jahrtausendwende die Währung der BRD und er kann gegenüber dem Dollar ebenso an Wert zulegen wie verlieren. Von dieser Wertentwicklung wirst Du nur dann tangiert, wenn ein Bezug zur Fremdwährung besteht.

Ein Bezug zum Dollar entsteht beispielsweise bei einer Investition in Aktien aus den Vereinigten Staaten. Dazu ein Beispiel:

  • Du hast ein Aktienpaket mit Dollar erworben und der Euro steigt: Der Wert Deines Aktienpakets fällt, beim Verkauf erhältst Du weniger Euro zurück.
  • Bei fallendem Euro steigt hingegen der Wert Deines mit Dollar erworbenen Aktienpakets. Du bekommst beim Verkauf mehr Euro zurück.

Das Wort Währungsrisiko ist meines Erachtens falsch gewählt, weil jedes Risiko mit einer Chance verbunden ist. Währungen können ebenso wie Aktienpakete an Wert verlieren oder gewinnen. Zudem muss gesagt sein, dass der Währungsfaktor immer Einfluss nimmt, sobald Du etwas außerhalb der Eurozone erwirbst. Risiken und Chancen bestehen beim Handel mit Großbritannien, der Schweiz, China usw.

Der wesentliche Unterschied bei der Wertentwicklung zwischen Devisen und Wertpapieren kann einfach auf den Punkt gebracht werden:

  • Aktien und ETFs entwickeln ihre Werte sehr langsam und sind daher hervorragend für die langfristige Geldanlage geeignet.
  • Währungspaare sind auf lange Sicht Nullsummenspiele, sie bieten aber exzellente Chancen für den kurzfristigen Handel, etwa beim Day-Trading.

Hast Du ein Währungsrisiko beim Investieren?

Bei der Frage gehe ich davon aus, dass Du per ETF in einen globalen Aktienindex investiert bist oder an eine Investition in den MSCI World denkst. Der Weltindex hat seitens der Top 5 aktuell diese Währungszusammensetzung:

  • Dollar 54,65 %.
  • Euro 12,93 %.
  • Japanischer Yen 8,29 %.
  • Britisches Pfund 8,25 %.
  • Kanadischer Dollar 4,27 %.

Die Entwicklung des Dollars stellt dementsprechend das erheblichste Währungsrisiko für Dich dar. Mehr als die Hälfte der im Weltindex enthaltenen Aktien werden in Dollar gehandelt.

Lohnt sich eine Absicherung gegen das Währungsrisiko?

In der Finanzwelt gibt es die unterschiedlichsten Konstrukte zur Absicherung von Währungsrisiken. Bei einem internationalen Aktienindex sprechen jedoch mehrere Gründe gegen eine Absicherung:

  • Eine Absicherung ist vielleicht kurzfristig sinnvoll, aber über einen Anlagezeitraum von mehreren Jahrzehnten sehr teuer und deswegen unmöglich.
  • Die großen Konzerne im MSCI World verdienen ihr Geld global in Form von unterschiedlichen Währungen und tätigen Investitionen ebenfalls weltweit in Landeswährungen.
  • Es ist also unmöglich, alle im MSCI World enthaltenen Währungsrisiken effektiv abzusichern.

Manche Experten empfehlen zur individuellen Absicherung beim MSCI World die Beimischung eines ETF auf den MSCI Europe. Dieser Rat ist aus meiner Sicht mit unbegründetem Optimismus verbunden und fordert zu einer Wette auf: Welche Währung wird länger Bestand haben – Euro oder Dollar?

Ist ein ETF mit Fonds-Währung Euro sicherer?

Bei der Suche nach einem ETF auf den MSCI World findest Du in Euro aufgelegte Optionen und nicht selten vom gleichen Anbieter in Dollar notierende Fonds. Beide ETF Angebote bergen identische Währungsrisiken und Chancen.

Mit in Euro dargestellten Fonds vermitteln die Anbieter aus Marketing-Gründen eine nicht vorhandene Sicherheit. In Wirklichkeit handelt es sich aber bei beiden ETFs um Nachbildungen des MSCI World mit identischer Zusammensetzung. Es besteht hinsichtlich der Sicherheit keinerlei Unterschied, ob ein ETF auf Dollar, Euro oder Yen ausgelegt ist.

Ein Kilometer bleibt immer gleichlang, unabhängig davon, ob die Distanz in Meter oder in Fuß angegeben wird. Ebenso verhält es sich mit der Währung eines Fonds. Es macht aber einen Unterschied, welches Instrument Du zum Messen der Rendite nutzt:

  • Hat ein ETF in Dollar ein Plus von 5 % erzielt, beträgt die Rendite in Euro umgerechnet nur gut 4 %.

Dieses Ergebnis würde ein in der BRD etablierter Broker für einen ETF anzeigen, der auf Dollar ausgelegt ist, weil seine Depots auf Euro lauten.

Ergibt der MSCI World EUR Hedged einen Sinn?

Unter den verfügbaren ETFs auf den MSCI World befindet sich auch ein Exchange Traded Funds, welcher alle Währungsrisiken innerhalb des Fonds durch ein spezielles Finanzprodukt ausgleicht. Aus meiner Sicht ist ein EUR Hedged ETF auf den MSCI World ohne Sinn, weil er Risiken ebenso nimmt wie Chancen und dazu mehr kostet.

Mein Fazit zum Währungsrisiko

Aus meiner Sicht wird das Währungsrisiko bei ETFs erheblich überbewertet. Es gibt bei der Geldanlage mit ETFs wesentlich wichtigere Dinge zu beachten. Langer Anlagehorizont und diszipliniertes Verhalten in unruhigen Börsenzeiten tragen deutlich mehr zu einem attraktiven Anlageergebnis bei.

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