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Tracking Difference – was ist das?

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ETFs sind börsengehandelte Indexfonds, welche ihren zugrunde liegenden Indizes seitens der Wertentwicklung so gut wie möglich folgen sollen. Anlegern ist zudem wichtig, dass sie mit ETFs kostengünstig Vermögen aufbauen und etwas für die private Altersvorsorge tun können. Ob ein ETF preiswert oder vergleichsweise teuer seinem Referenzindex folgt, wird allgemein an den Gesamtkosten (TER) gemessen.

In diesem Artikel zeige ich Dir, dass die TER keinen Aufschluss über die letztendlich anfallenden Kosten eines ETF gibt. Die Tracking Difference (oder Abbildungsdifferenz) wird oft in ihrer Bedeutung vernachlässigt, sie ist aber hinsichtlich der wirklichen Kosten wesentlich aufschlussreicher. Am Ende dieses Beitrags weißt Du alles über die Kennziffer – auch, wo sie zu finden ist.

Tracking Difference – immer noch eine Unbekannte

Damit der Sinn dieser Kennziffer verständlich wird, muss der Unterschied zwischen aktiv gemanagtem Investmentfonds und passiv konzipiertem Indexfonds bekannt sein:

  • Bei Ersterem versucht das Management, durch Eingriffe in den Wertpapierkorb, die Entwicklung zu optimieren. Der Erfolg hält sich jedoch in Grenzen.
  • Ein börsengehandelter Indexfonds kommt ohne Manager aus, er folgt einfach seinem zugrunde liegenden Referenzindex.

Wie gut ein ETF dieser Aufgabe gerecht wird, zeigt die Tracking Difference. Die Kennziffer informiert über positive oder negative Abweichungen der Wertentwicklung des ETF gegenüber seinem zugrunde liegenden Index innerhalb eines bestimmten Betrachtungszeitraums. Erfahrene Anleger beurteilen mit der Abbildungsdifferenz die Qualität eines ETF.

  • Tracking Difference gleich Wertentwicklung ETF minus Wertentwicklung Index.

In der Regel entspricht die Indexentwicklung minus der Gesamtkostenquote TER den Rendite-Erwartungen eines Anlegers, der in einen ETF investiert.

Bislang wenig bekannt ist jedoch, dass die Tracking Difference ein wesentlich genaueres Bild hinsichtlich der Kosten bietet. Warum?

  • Weil sie alle Gebühren und anfallende Kosten eines Exchange Traded Funds (ETF) berücksichtigt.
  • Zudem bezieht die Kennziffer auch Einnahmen des Fonds ein, welche beispielsweise durch das Verleihen von Wertpapieren erzielt werden.

Eine Tracking Difference von 0 bedeutet, dass ein ETF seinen Index exakt nachbildet.

Als Käufer eines ETF musst Du allerdings berücksichtigen, dass die Tracking Difference nur auf Basis einer Wertentwicklung aus der Vergangenheit berechnet werden kann. In der Vergangenheit stattgefundene Wertentwicklungen sind nur eingeschränkt als Indikatoren für die zukünftige Entwicklung heranzuziehen. Liegen jedoch Daten über mehrere Zeiträume vor, ermöglicht dies eine Beurteilung der Abbildungs-Qualität des Anbieters in unterschiedlichen Marktphasen.

Unterschiede bei der Berechnung

Neben der oben dargestellten Methode gibt es eine von Experten favorisierte Berechnungsart, die mir vorteilhaft erscheint:

  • Wertentwicklung Index minus Wertentwicklung ETF gleich Tracking Difference.

Welchen Vorteil hat diese Methode? Durch die umgekehrte Anordnung der beiden Positionen kann die Abbildungsdifferenz besser in Relation zur Gesamtkostenquote gestellt werden. Dazu ein Beispiel:

  • Ein ETF hat eine TER von 0,50 % und eine Abbildungsdifferenz von 0,15 %.
  • Der ETF kostet Dich in der Praxis nur 0,15 % pro Jahr und damit weitaus weniger als die TER vermuten lässt.
  • Der Anbieter kann die Differenz von 0,35 % durch verschiedene Optimierungsverfahren kompensieren.
  • Dies kommt der Wertentwicklung des ETF zugute.

Jetzt magst Du einwenden, dass Unterschiede im Zehntel-Prozent-Bereich keinen wirklichen Einfluss auf das Endergebnis haben. Auf lange Sicht liegst Du damit aber falsch, weil es sich bei der Geldanlage in ETFs um hohen Gesamtsummen handelt.

  • Bei 50.000 Euro entspricht eine TER von 0,50 % jährlich 250 Euro.
  • Eine Abbildungsdifferenz von 0,15 % resultiert in 75 Euro per anno.
  • Durch die Wertentwicklung und den Zinseszinseffekt vergrößert sich die Differenz jedes Jahr spürbar.

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ETF schlägt trotz Kosten den Index – wie geht das?

Aus Gründen des Wettbewerbs ist jeder Anbieter bestrebt, die zugrunde liegenden Indizes mit ETFs genau abzubilden. Sie halten die Tracking Difference durch Optimierungsmethoden so gering wie möglich. Allerdings ist die Optimierung eines ETF ein sehr komplexer Vorgang, weil über die Kosten hinaus, weitere Faktoren die Qualität der Abbildung beeinflussen:

  • Häufige Index-Anpassungen resultieren in Transaktionskosten und in größer werdender Tracking Difference.
  • Größere Probleme entstehen bei physisch nachgebildeten ETFs durch verzögerten Geldeingang bei ausländischen Dividenden.
  • Nicht jeder ETF kann Dividenden-Zahlungen sofort reinvestieren. Steigt der Kurs, sorgt der Barbestand für eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung.
  • Die Abbildungs-Qualität leidet bei der physischen Replikation mit optimiertem Sampling.
  • Überdurchschnittliche Wertentwicklung kann durch Einnahmen aus dem Verleih von Wertpapieren entstehen.
  • Bei synthetisch replizierten ETFs kann es aufgrund von Swap-Gebühren oder Swap-Erträgen zu Abweichungen kommen.
  • Abweichungen können durch verschiedene Replikationstechniken entstehen.
  • Eine Tracking Difference entsteht durch die dauerhafte Gebührenbelastung des Fonds automatisch.

Was erkennst Du an der Tracking Difference? Du siehst auf einen Blick, ob die Rendite des ETF höher oder niedriger ausfällt als die des Referenzindex. Ein ETF hat seinen Index geschlagen, wenn er eine Tracking Difference im negativen Bereich aufweist.

Eine Tracking Difference im negativen Bereich bedeutet, dass der ETF im jeweiligen Betrachtungszeitraum besser als sein Referenzindex abgeschnitten hat, obwohl er durch die TER benachteiligt war. Diesen ETF solltest Du beim Vergleich mit identisch konzipierten Mitbewerbern vorziehen. Ist die Tracking Difference negativ, wird sie prozentual mit Minuszeichen angezeigt – beispielsweise minus 0,15 % oder -0,15 %.

Der Regelfall: positive Tracking Difference

An einer Tracking Difference im positiven Bereich wird deutlich, dass der ETF im jeweiligen Betrachtungszeitraum seinen zugrunde liegenden Index nicht geschlagen hat. Anders formuliert: Der Index hat eine bessere Wertentwicklung gehabt als der ETF. Anleger müssen sich mit einer geringeren Rendite zufriedengeben.

Diese Art der Tracking Difference ist jedoch üblich. Sie wird von den laufenden Kosten eines ETF verursacht und durch die oben dargestellten Optimierungsmethoden minimiert. Indes muss festgestellt werden:

  • Für den Anleger ist ein ETF mit 0,50 % TER indes ein gutes Geschäft, wenn er mit einer Tracking Difference von plus 0,15 % behaftet ist.
  • Die wirklichen Kosten waren um 0,35 % niedriger als aufgrund der TER Angabe erwartet.

Welche Kriterien sind bei der ETF Auswahl sinnvoll?

Ich empfehle in meinen Artikeln bei der Auswahl von ETFs insbesondere auf folgende Aspekte zu achten:

  • Auflage vor mindestens 3 Jahren.
  • Fondsvolumen von mindestens 100 Millionen Euro.
  • Art der Ertragsverwendung – ausschüttend oder thesaurierend.
  • Möglichst niedrige Gesamtkostenquote.
  • Tracking Differenz bei nahe null, im Idealfall negativ.

Von allen Auswahlkriterien kommt der Tracking Difference bislang wenig Aufmerksamkeit zu, weil sie von den meisten Anbietern nicht so deutlich dargestellt wird wie die TER. Ich möchte Dich mit diesem Beitrag dazu anregen, der Abbildungsdifferenz mehr Aufmerksamkeit als bisher zu widmen.

Eine möglichst exakte Indexnachbildung resultiert immer in niedrigeren Kosten respektive in mehr Rendite. Vergleiche daher vor dem Erwerb mehrere ETFs miteinander und fokussiere insbesondere die Tracking Difference.

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Tracking Difference kann stark schwanken

Bei der Beurteilung eines ETF hinsichtlich seiner Qualität müssen TER und Tracking Difference (TD) in Augenschein genommen werden. Die Gesamtkostenquote allein reicht zur Qualitätsbewertung nicht aus. Im Idealfall wird die Abbildungsdifferenz über mehrere Jahre hinweg verfolgt, weil sie starken Schwankungen unterliegt. Dies wird an der Betrachtung dieses Beispiels deutlich:

  • Die Tracking Difference des Stoxx Europe 600 ETF von iShares lag 2014 bei minus 0,23 %.
  • 2015 wurden minus 1,21 % angegeben.
  • 2016 lag die TD bei plus 0,17 %.
  • 2017 erreichte die TD minus 0,21 %.
  • 2018 wurde die TD mit plus 0,20 % beziffert.

Du siehst vermutlich, dass sich eine regelmäßige Betrachtung der Tracking Difference lohnt. Hierbei ergibt sich aber folgendes Problem:

  • Auf vielen Anbieterseiten ist die Abbildungsdifferenz im Datenblatt des ETF verborgen.
  • Für die vergleichende Betrachtung über mehrere Jahre hinweg sind besondere Zugriffsrechte erforderlich.

Des Weiteren müssen bei der Auswahl eines ETF die Kennzahlen TER und TD bei jedem Anbieter verglichen werden. Beim oben genannten ETF auf den Stoxx Europe 600 zeigen die für jedermann verfügbaren Werte anbieterabhängig erhebliche Unterschiede:

  • Xtrackers TER 0,20 % – TD minus 0,04 %.
  • iShares TER 0,20 % – TD minus 0,11 %.
  • Invesco TER 0,19 % – TD minus 0,01 %.
  • Amundi TER 0,18 % – TD minus 0,09 %.
  • Lyxor TER 0,07 % – TD plus 0,01 %.

Welchen ETF hättest Du gewählt? Meine Wahl wäre auf den ETF von iShares gefallen, weil die vergleichsweise hohe TER von einer sehr guten TD begleitet wird. Der Stoxx Europe 600 ist jedoch bei langfristig orientierten Anlegern weniger beliebt als der MSCI World. Daher nachfolgend eine identische Aufstellung zum Weltindex.

  • iShares Core TER 0,20 % – TD plus 0,08 %.
  • Xtrackers TER ER 0,19 % – TD minus 0,11 %.
  • iShares TER 0,50 % – TD plus 0,24 %.
  • iShares Edge TER 0,30 % – TD plus 0,04 %.
  • Xtrackers Swap TER 0,45 % – TD plus 0,09 %.
  • Lyxor TER 0,30 % – TD plus 0,08 %.
  • HSBC TER 0,15 % – TD plus 0,06 %.

Es gibt hierzulande mehr ETFs auf den MSCI World. Ich denke aber, die Beispiele beweisen, dass die Betrachtung beider Kennzahlen bei der Auswahl vorteilhaft ist. Mein Favorit wäre hier der ETF von Xtrackers mit 0,19 % TER und minus 0,11 % TD.

Was hat die Abbildungsdifferenz mit der Replikationsart zu tun?

Jeder Anbieter ist bestrebt, bei seinen ETFs möglichst geringe Abbildungsdifferenzen zu erreichen. In der Regel gelingt dies, bei einigen ETFs werden sogar negative Werte erreicht. Neben den bereits erwähnten Gründen kann die Replikationsart entweder vorteilhaft oder nachteilig für die Tracking Difference sein.

Physische Replikation

ETFs werden entweder vollständig physisch nachgebildet oder mit optimiertem Sampling. Optimierte ETFs weisen in der Regel stärkere Abweichungen auf, weil der Index nur teilweise nachgebaut wird. Geringer sind die Abweichungen meist bei vollständig replizierten ETFs.

Ausschüttende ETFs weisen größere Abweichungen auf als Thesaurierende, weil die Gelder bis zum Ausschüttungstermin separat aufbewahrt werden und nicht mehr an der Wertentwicklung beteiligt sind. Erträge aus verliehenen Wertpapieren wirken in der Regel Kosten-reduzierend. Veränderungen in der Indexzusammensetzung resultieren in Transaktionskosten respektive in höherer Tracking Difference.

Synthetische Replikation

ETFs mit synthetischer Replikation weisen in der Regel geringere Abbildungsdifferenzen auf. Die präzise Nachbildung wird durch Swap-Geschäfte mit einem oder mehreren Tauschpartnern ermöglicht. Synthetisch nachgebildete ETFs sind mit geringer Tracking Difference behaftet. Es besteht jedoch ein vom Gesetzgeber limitiertes Kontrahentenrisiko.

Zusammenfassend kann gesagt werden:

  • Bei physisch replizierten ETFs sind die Wertpapiere ganz oder teilweise vorhanden. Die Tracking Difference ist jedoch meist höher.
  • Synthetisch replizierte ETFs sind genauer nachgebildet, allerdings wird die Wertentwicklung von einem Kontrahenten gewährleistet.
  • Ein synthetisch nachgebauter ETF ist nicht zwingend günstiger als einer mit physischer Replikation.

Wo findest Du die Tracking Difference?

Bei jedem ETF ist die Abbildungsdifferenz im Datenblatt (englisch: Factsheed) verankert. In der Regel findest Du die Tracking Difference mit anderen Kennzahlen aufgelistet unterhalb der ETF Beschreibung. Jeder Anbieter gestaltet das Datenblatt jedoch nach eigenem Ermessen, eine allgemeingültige Regelung gibt es nicht.

Auf einigen Webseiten wird die Tracking Difference jedoch in der Kopfleiste des jeweiligen ETF neben der TER dargestellt. Eine sinnvolle Betrachtung über mehrere Jahre hinweg setzt in der Regel die Registrierung auf einem ETF Portal voraus.

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