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Was ist eigentlich ein Short ETF?

Depotstudent Dominik
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Während Aufbau und Funktionsweise bei einem herkömmlichen ETF zunehmend vielen Leuten bekannt sind, geben Short ETFs immer noch Rätsel auf. Worum es sich dabei handelt, ist das Thema des nachfolgenden Beitrags. Vereinfacht dargestellt, kann ein Short ETF während eines längeren Abschwungs nützlich sein. Ein klassischer ETF auf einen Aktienindex würde in dem Fall erheblich an Wert einbüßen.

Ich möchte Dich zum Thema Short ETF vollumfänglich informieren, aber keineswegs zum Einsatz eines derartigen Instruments raten. Wer dem Kaufen-und-Halten Ansatz folgt und langfristig aufgestellt ist, kommt ohne aus. Für erfahrene Trader kann diese Variante jedoch sinnvoll und profitabel sein.

Auf einen fallenden Markt setzen

Der Short ETF ergibt dann einen Sinn, wenn politische oder wirtschaftliche Risiken die Notierungen von Aktien- oder Anleihen-Investments gen Süden drücken. Du setzt also auf einen fallenden Kurs und spekulierst damit gegen einen langfristigen Aufwärtstrend. Alle prominenten Aktienindizes entwickelten sich in den letzten Jahrzehnten positiv. Indes gab es immer wieder Phasen mit starkem Kursverfall.

  • Während der Finanzkrise 2008 verlor der MSCI World Index mehr als 40 %.

In dieser Phase hätte sich der Einsatz eines Short ETF also gelohnt. Zumindest entsteht der Eindruck bei nachheriger Betrachtung. Für einen langfristig orientierten Anleger ist es nämlich recht schwer, plötzlich und vorübergehend auf einen fallenden Markt zu setzen.

Erfahrene Investoren nutzen Short ETFs zur taktischen Portfolio-Absicherung über vergleichsweise sehr kurze Zeiträume. Allerdings können sie dazu unter verschiedenen Instrumenten wählen. Zur Absicherung werden eingesetzt:

  • Futures.
  • Optionen.
  • Hebel-Zertifikate.
  • Faktor-Zertifikate.
  • Short ETFs.

Short ETF Funktionsweise

Ein klassischer ETF ist auf einem Referenzindex aufgebaut, die Nachbildung dessen geschieht entweder physisch oder synthetisch. Seine Aufgabe ist es, die Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index bestmöglich nachzuvollziehen. Ein Short ETF wird dieser Aufgabe in entgegengesetzter Weise gerecht. Steigt der Wert des Index um 10 %, fällt der Wert des Short ETF um 10 %. Fällt der Indexkurs hingegen um 10 %, gewinnt der Short ETF 10 % an Wert.

Soweit die Theorie, in der Praxis wird der Vorgang durch weitere Faktoren verkompliziert. Einer davon ist der Geldmarktsatz, den ich Dir nachfolgend beschreibe:

  • Die Entwicklung eines Short ETF setzt sich aus der umgekehrten Wertentwicklung des herkömmlichen Index plus dem EONIA Geldmarktzinssatz in zweifacher Größenordnung zusammen.
  • Die doppelte Gutschrift der Zinsen hat folgenden Grund: Zunächst wird vom Anleger Geld in den Short ETF investiert. Der ETF verkauft bei fallendem Kurs anteilig die Aktien im Index und erhält dafür eine Geldgutschrift.
  • Beide Beträge werden mit dem aktuellen Geldmarktsatz verzinst. Von der Summe werden letztlich die Kosten einer eventuellen Wertpapierleihe abgezogen.

Wie Du vermutlich erkennen kannst, ist die Wertentwicklung eines Short ETF aufgrund der Komplexität schwer nachzuvollziehen. Vereinfacht ausgedrückt:

  • Wenn der Long ETF um 25 % zulegt, hat der Short ETF eine umgekehrte Entwicklung um einen darüber hinausgehenden Wert.

Einem weiteren Faktor widme ich später einen Absatz. Zunächst einige wichtige Informationen zum Short ETF:

  • Du kannst einen Short ETF mit hohem Hebel nutzen und damit Deinen Kapitaleinsatz reduzieren.
  • Dank des Konzepts ist ein Totalverlust mit dem Short ETF nicht möglich.

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Wie kann sich ein Short ETF entwickeln?

Damit die mögliche Entwicklung in beide Richtungen deutlich wird, habe ich in den folgenden Szenarien extreme Zahlenbeispiele verwendet. Ich will Dir damit, die Funktionsweise eines Short ETF nahebringen, wichtige Einzelheiten folgen im weiteren Verlauf.

Short ETF bei richtiger Anwendung

Weltweit stagniert die Nachfrage, davon betroffen sind vor allem die heimischen Konzerne, weil sie ihre Umsätze weitgehend durch Exporte gestalten. Der DAX reagiert auf dieses Szenario mit einem Kurs-Rückgang um 40 %.

Ein unbedarfter Anleger würde innerhalb kurzer Zeit einen erheblichen Teil seines Depots verlieren und könnte nur auf baldige Erholung hoffen. Letztendlich hat sich der Kaufen-und-Halten-Ansatz in den letzten 50 Jahren bewährt. Geduld und Disziplin schützen davor, dass aus temporären Verlusten reale Einbußen werden.

Der Profi erwirbt in diesem Szenario zu seinem klassischen ETF einen Short ETF. Dieser gewinnt kurzfristig 40 % und gleicht den Verlust des herkömmlichen ETF aus. Doch kann die Kombination aus beidem wirklich interessant sein. Profis bleiben während der Krise investiert, warten den immer kommenden Aufschwung ab und verdienen mit Short ETFs richtig Geld.

Steigender Markt und Short ETF

Sobald die Krise ein Ende hat, muss der Short ETF schleunigst abgestoßen werden. Ansonsten werden aus attraktiven Gewinnen erhebliche Verluste. Bei der Betrachtung der Wertentwicklung des Dax in einem Zeitraum von 30 Jahren fällt auf:

  • 22 Jahre wurden mit positiver Wertentwicklung abgeschlossen.
  • In nur 8 Jahren schloss der DAX mit negativem Stand ab.
  • In jedem Jahr gab es zeitweise Rücksetzer, die aber innerhalb kurzer Zeit ausgeglichen wurden.

Aus diesem Beispiel sollte deutlich werden, dass ein Short ETF nicht zu den Standardinstrumenten beim langfristigen Vermögensaufbau gehört.

Welche Risiken sind mit Short ETFs verbunden?

Einen Short ETF erwerben und langfristig halten – kann zu bösen Überraschungen führen. Der Grund wird bei der Betrachtung des DAX Chart ersichtlich:

  • Es gab in den letzten 3 Jahrzehnten einen überwiegenden Trend nach Norden.
  • Temporäre Rückschläge dauerten oft nur wenige Tage oder Wochen.
  • Sogar in der langen Erholungsphase nach der Finanzkrise kam es immer wieder zu kleineren Korrekturen.

Es ist also beim Investieren in einen Short ETF ein völlig anderer Ansatz notwendig als beim langfristigen Vermögensaufbau. Erfahrende Trader umgehen die aus langer Haltezeit resultierenden Risiken mit kurzfristigem Einsatz. Zudem verwenden sie gehebelte Short ETFs zur Begrenzung des möglichen Maximalverlusts. Wenn bei einem Short ETF die Margin aufgebraucht ist, wird der Trade automatisch geschlossen. Bei Short ETFs gibt es keine Nachschuss-Pflicht.

Profis ist zudem ein weiteres Risiko bekannt, welches lange Haltezeiten verbietet.

Was ist unter der sogenannten Pfad-Abhängigkeit zu verstehen?

Es kann bei einem Short ETF, der lange im Portfolio gehalten wird, zu erheblichen Abweichungen kommen. Warum? Weil die umgekehrte Indexnachbildung nur auf Tagesbasis gilt. Wie sich die Pfad-Abhängigkeit über mehrere Tage hinweg auswirken kann, verdeutlicht das nachfolgende Beispiel:

  • Angenommen, Du erwirbst einen Short ETF für 100 Euro bei einem Indexstand von 7.500 Punkten.
  • Am Folgetag steht der Index bei 7.200 Punkten, er hat also 4 % eingebüßt. Dein ETF ist daher 4 % mehr wert.
  • Am 2. Tag folgt eine Erholung auf 7.600 Punkte, welche plus 5,56 % entspricht und gegenüber dem Einstiegstag in einem Plus von 1,33 % resultiert. Dein ETF notiert bei 98,22 Euro, also 1,78 % niedriger als am Tag 0. (Kein Rechenfehler, die Erklärung folgt am Ende des Beispiels).
  • Der 3. Tag endet mit einem Indexstand von 7.800 Punkten, das sind plus 2,63 % gegenüber dem Vortag und plus 4 % gegenüber dem Einstiegstag. Der Short ETF ist nur noch 95,64 Euro wert und hat seit dem Einstieg 4,36 % verloren.
  • Tag 4 wird mit 7,300 Punkten abgeschlossen, einem Minus von 6,41 % gegenüber dem Vortag. Die Änderung gegenüber dem Tag 0 beträgt minus 2,67 %. Der ETF ist mit 101,77 Euro wieder im Plus und hat seit dem Einstieg 1,77 % zugelegt.

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Erklärung der Pfad-Abhängigkeit, Teil II

Aus dem Beispiel soll die Wirkungsweise der Pfad-Abhängigkeit ersichtlich werden, dies funktioniert aber nur bei der Betrachtung eines längeren Zeitraums:

  • Am 5. Tag erfolgt ein Anstieg auf 7.500 Punkte, gegenüber dem Vortag ist das ein Plus von 2,74 % und bedeutet Gleichstand mit dem Einstiegstag. Dein Short ETF ist aber nur 98,98 Euro wert und hat seit dem Einstieg 1,02 % verloren.
  • Tag 6 schließt mit einem Indexstand von 7.400 Euro ab, minus 1,33 % gegenüber dem Vortag und dem Einstiegstag. Dein Short ETF ist mit 100,30 Euro gegenüber dem Einstieg um 0,30 % im Plus.
  • Am 7. Tag steigt der Index auf 7.600 Punkte, 2,70 % gegenüber dem Vortag und dem Tag des Einstiegs. Der ETF ist 97,59 Euro wert und hat seit dem Einstiegstag 2,41 % verloren.
  • Der 8. Tag endet mit 7.500 Punkten, ein Minus gegenüber dem Vortag von 1,32 % und Gleichstand mit dem Einstiegstag. Dein ETF notiert bei 98,88 Euro und damit 1,12 % niedriger als beim Einstieg.
  • Am 9. Tag fällt der Index auf 7.450 Punkte und damit auf minus 0,67 % gegenüber dem Vortag und dem Einstiegstag. Der ETF ist 99,54 Euro wert und hat 0,46 % seit Erwerb verloren.

Warum sind die Zahlen für manche Leser nicht stimmig?

Jeder Short ETF-Wert wird auf Basis der entsprechenden Vortagsnotierung berechnet. In den ersten Tagen sah die Entwicklung so aus:

  • Index fällt am 1. Tag um 4 %, Short ETF steigt auf 104 Euro.
  • Index steigt am Folgetag auf 7.600 Punkte und legt um 1,33 % zu.
  • Der Short ETF hat aber minus 1,78 % erwirtschaftet, weil bei der Berechnung von 104 Euro Vortagswert ausgegangen wird.

Aufgrund dieser Berechnungsmethode respektive der Pfad-Abhängigkeit kommt es langfristig in wechselhaften Marktphasen zu unerwünschten Verzerrungen. Ein Blick auf Tag 8 verdeutlicht den negativen Effekt. Obwohl der Index wieder auf dem ursprünglichen Stand ist, hat der Short ETF 1,12 % an Wert verloren.

Die Pfad-Abhängigkeit wirkt sich in einer konstanten Abwärtsbewegung allerdings vorteilhaft für den Anleger mit Short ETF aus. Bei den typisch wechselnden Schwankungen sollte ein ETF mit umgekehrter Wertentwicklung nur bis zum Ende eines Abwärtstrends gehalten werden.

Vor- und Nachteile auf den Punkt gebracht

Short ETFs bringen diese Vorteile mit sich:

  • Als Sondervermögen bei Anbieter Insolvenz vor Gläubigerzugriffen sicher.
  • Kein Emittentenrisiko wie bei Futures und Optionen.
  • Ein Totalverlust ist ausgeschlossen.
  • Unbegrenzte Laufzeiten.
  • An der Börse täglich handelbar.
  • Leicht verständliche Funktionsweise.

Die Nachteile eines Short ETF:

  • Spekulatives Handelsinstrument.
  • Wetten gegen den langfristig positiven Börsentrend.
  • Nicht für mittelfristige und langfristige Engagements geeignet.
  • Pfad-Abhängigkeit kann ungünstige Auswirkungen haben.
  • Keine dauerhafte Absicherung des Portfolios möglich.

Wie verhielten sich Short ETFs in großen Krisen?

Zur einfachen Darstellung habe ich die Entwicklung des DAX und die des entsprechenden Short ETF miteinander verglichen:

  • Während der Rezession in den Vereinigten Staaten 1990 verlor der DAX 24,2 %. Der Short ETF legte um 40,3 % zu.
  • Der Golfkrieg resultierte beim DAX in minus 35,9 %. Ein Short ETF erzielte ein Plus von 54,1 %.
  • Die große Finanzkrise drückte den DAX um knapp 60 % in den Keller. Der Short ETF erwirtschaftete 2008 gut 70 %.

Auf welche Indizes gibt es Short ETFs?

Bevor ich Dir einige beliebte Short ETFs vorstelle, muss erwähnt sein, dass es keinen auf den MSCI World gibt. Verfügbar sind Short ETFs auf folgende Aktienindizes:

  • DAX.
  • MDAX.
  • Euro Stoxx 50.
  • S&P 500.
  • MSCI USA.
  • FTSE 100.

Die Gesamtkostenquoten (TER) schwanken, vom Anbieter abhängig, zwischen 0,30 und 0,70 % pro Jahr.

Darüber hinaus werden Short ETFs auf europäische Anleihen-Indizes angeboten. Hier liegen die jährlichen Gesamtkosten zwischen 0,14 und 0,20 %.

Fazit

Short ETFs können für erfahrene Anleger bereichernd sein, sofern richtig damit umgegangen wird. Für Einsteiger halte ich sie jedoch weniger sinnvoll, da Neulinge wichtigere Dinge zu verinnerlichen haben.

Erst wenn das Engagement im langfristigen Aufwärtstrend vollkommen beherrscht wird, ist zeitweilig an gegenteilige Aktivitäten zu denken. In diesem Sinn: herkömmliche ETFs für den langfristigen Vermögensaufbau, hin und wieder ein Short ETF, um von temporären Chancen zu profitieren.

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