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Was sind eigentlich ETF Optionen?

MSCI World Index
Depotstudent Dominik
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Wer in den letzten Jahren mit Kaufen-und-Halten Ansatz in ETFs investierte, musste nicht über Absicherung nachdenken, denn die Märkte entwickelten sich nur in eine Richtung: nach Norden. Erfahrene Anleger wissen jedoch, dass die Börse zeitweise sehr unberechenbar ist und Kurse volatile Entwicklung haben. Für sie steht oft der Vermögenserhalt im Vordergrund und dies erfordert, Risiken zu steuern.

Eingesetzt werden dazu ETF Optionen, welche in den Vereinigten Staaten bereits Standardinstrumente sind und hierzulande eben erst entdeckt werden. In diesem Beitrag zeige ich Dir die Funktionsweise der ETF Optionen und verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Auch bei Optionen gilt: Sie sind kein Ersatz für einen langfristig gehaltenen ETF, dem ein großer Aktienindex zugrunde liegt oder für einen ETF-Sparplan.

Was sind ETF Optionen und wie funktionieren sie?

Optionen zählen zu den bedingten Termingeschäften. Das bedeutet: Ein Handelspartner kann das Geschäft verfallen lassen. Der Unterschied zu unbedingten Termingeschäften ist damit bereits erklärt, denn bei diesen besteht für beide Partner eine Erfüllung-Pflicht-.

Als Käufer einer Call-Position hast Du das Recht, einen bestimmten Basiswert (beispielsweise einen ETF) zum Zeitpunkt der Fälligkeit zum Basispreis zu erwerben. Du kannst also durch einen Call-Erwerb mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz auf den steigenden Preis des Basiswerts spekulieren.

Erwirbst Du hingegen einen Put, hast Du das Recht, einen bestimmten Basiswert zu einem im Vorfeld festgelegten Basispreis zu veräußern. Du kannst damit entweder auf fallenden Preis spekulieren oder eine bestehende Position gegen Kursverfall absichern.

Gibt es verschiedene Options-Arten?

Ja, es gibt jeweils 2 Arten von Optionen für Käufer und Verkäufer, also insgesamt vier unterschiedliche Positionen. Nachfolgend wird jede Position im Detail erklärt:

Long Call

Beim Long-Call hat der Käufer der Option das Recht, einen Basiswert zum im Vorfeld festgelegten Preis zu erwerben. Der Verkäufer (in der Position eines Short-Calls) erhält vom Käufer eine Options-Prämie und fungiert als Still-Halter in Wertpapieren.

  • Grund für den Kauf: Beim Call-Kauf rechnet der Erwerbende mit steigenden Basiswert-Kursen.
  • Chancen: Bei steigendem Basiswert stehen unbegrenzte Gewinne in Aussicht.
  • Risiken: Im schlimmsten Fall geht die bezahlte Options-Prämie verloren.

Long Put

Beim Long-Put hat der Inhaber das Recht, einen Basiswert zum im Voraus festgelegten Preis zu veräußern. Der Erwerbende zahlt an den Verkäufer (in der Position eines Short Puts) eine Options-Prämie. Die Funktion des Verkäufers beim Long Put ist Still-Halter in Geld.

  • Grund für den Long-Put Kauf: Der Erwerbende rechnet mit fallenden Basiswert-Kursen.
  • Chancen: Fällt der Basiswert, sind die Gewinnchancen unbegrenzt.
  • Risiken: Die Options-Prämie kann im schlimmsten Fall verloren gehen.

Short Call

Der Verkäufer eines Short-Calls ist verpflichtet, auf Verlangen den Basiswert an den Call-Besitzer zum vorab festgelegten Preis, zu liefern. Bei Erfüllung der Verpflichtung erhält der Still-Halter eine Options-Prämie.

  • Grund des Verkaufs: Der Verkäufer glaubt, dass der Basiswert-Kurs fällt oder stagniert.
  • Chance: Maximal möglicher Gewinn ist die Höhe der Options-Prämie.
  • Risiko: Bei steigendem Basiswert-Kurs ist das Verlustrisiko unbegrenzt, sofern keine Begrenzung vorhanden.

Short Put

Die Veräußerung einer Verkaufsoption wird als Short Put bezeichnet. Der Verkäufer fungiert als Still-Halter und muss dem Käufer der Option auf Verlangen den Basiswert zum vereinbarten Preis abnehmen. Dafür bekommt er eine Options-Prämie.

  • Grund der Veräußerung: Der Verkäufer eines Short Put glaubt, dass der Basiswert-Kurs stagniert oder steigt.
  • Chance: Die Options-Prämie ist der maximal mögliche Gewinn.
  • Risiko: Bei fallendem Basiswert-Kurs besteht unbegrenztes Verlustrisiko.

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Optionen oder Optionsscheine?

Anfänger verwenden beide Begriffe oft synonym und bringen damit einiges durcheinander. Es ist richtig, dass es sowohl bei Optionen als auch bei Optionsscheinen die Bezeichnungen “Call” und “Put” sowie die daraus resultierenden Rechte gibt. Darüber hinaus bestehen jedoch erhebliche Unterschiede.

Optionen werden an Terminbörsen gehandelt und verfügen über standardisierte Merkmale. Für fortlaufende Preisstellung und erforderliche Liquidität sorgen Market Maker.

Optionsscheine werden von Investmentbanken herausgegeben, wobei jeder Emittent seine eigenen Konditionen festlegt. Gehandelt werden Optionsscheine an bekannten Börsenplätzen und außerbörslich. Der ausgebenden Investmentbank obliegt die Preisstellung. Optionsscheine sind Schuldverschreibungen mit Kontrahentenrisiko. Geht der Emittent in den Konkurs, kann der Optionsschein-Käufer erheblichen Verlust erleiden.

Somit ergibt es einen Sinn, Optionen zu handeln und von Optionsscheinen Abstand zu nehmen.

Wie entsteht der Preis einer Option?

Es gibt mehrere Faktoren, die Einfluss auf den Preis einer Option nehmen. Nachfolgend liste ich die wesentlichen Faktoren auf und begründe sie:

Faktor Basiswert-Kurs

Der Preis des Basiswerts hat wohl den größten Einfluss auf die Preisgestaltung der Option. Verändert sich der Basispreis, wird dies augenblicklich vom Optionspreis reflektiert. Das Verhältnis zwischen Basiswert und Kurs der zugrunde liegenden Option sowie die Restlaufzeit bestimmen das Ausmaß der Veränderung.

Faktor Restlaufzeit

Eine lange Restlaufzeit erhöht die Chancen des Options-Käufers hinsichtlich seiner Erwartungen. Für den Verkäufer bewirkt die abnehmende Laufzeit eine Minderung seines Risikos.

Faktor Volatilität

Ein Anstieg der Volatilität bedeutet in der Regel, dass die Preise für Optionen in die Höhe klettern.

Faktor Ausschüttung

Der Käufer einer Option hat kein Anrecht auf Ausschüttungen des Basiswerts, welche in der Laufzeit anfallen. Beachtet werden muss aber, dass der Kurs am Ausschüttungstag fällt. Des Weiteren resultiert eine hohe Ausschüttung bei einer Call-Option in niedrigerem Preis. Der Effekt ist bei einer Put-Option entgegengesetzt feststellbar.

Faktor Zinssatz

Dieser Aspekt verliert angesichts der dauerhaften Niedrigzinsen an Bedeutung. In einem normalen Zinsniveau fallen höhere Kapitalkosten beim Halten des Basiswertes an, welche der Käufer eines Long-Calls spart. Steigende Zinsen resultieren darüber hinaus in zunehmendem Wert bei einer Call-Option und abnehmendem Wert bei einer Put-Option.

Sind Optionen für ETF Anleger sinnvoll?

Im Idealfall investierst Du in einen ETF, um über einen sehr langen Zeitraum ein ansehnliches Vermögen aufzubauen. Die langfristige Entwicklung eines ETF auf einen Aktienindex geht zwar nach oben, sie ist aber von mehr oder weniger großen Korrekturen geprägt.

Eine Absicherung mittels Option ergibt bei einem langen Anlagehorizont wenig Sinn, weil jeder Talfahrt ein Aufschwung folgt. Es gilt also, die Durststrecken geduldig auszusitzen. Für den erfahrenen Anleger resultiert die ETF Option in lukrativen Zusatzerträgen, die erzielt werden können, wenn der Kurs des Basiswerts in die andere Richtung verläuft. Temporäre Verluste in reale Gewinne verwandeln ist also durch den Einsatz von Put-Optionen möglich.

Die Alternative zur Put-Option ist der Short ETF. Mit beiden Instrumenten wird bei Gelegenheit gegen den ansonsten vorherrschenden Aufwärtstrend spekuliert. Diese Möglichkeit sollte allerdings nur von Markteilnehmern wahrgenommen werden, die erfahren sind und das eigentliche Ziel (Vermögensaufbau) nicht, aus den Augen verlieren.

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Optionen auf ETFs – wie funktioniert das?

Hierzulande kannst Du Optionen und Futures über die Terminbörse EUREX handeln. Bei ETF Optionen gibt es jedoch einiges zu beachten.

  • Während Aktien und ETFs per Stück/Anteil gehandelt werden, gibt es bei ETF Optionen die Handelsform der Kontrakte.
  • In einem Kontrakt können zwischen 100 und 1.000 ETF Anteile verbrieft sein.
  • Die genaue Spezifikation für jeden Kontrakt ist auf der EUREX Webseite ersichtlich.

Bei Optionen sind die Spezifikationen der Kontrakte standardisiert – dies ist ein erheblicher Vorteil für Interessenten. Dementsprechend gibt es fest definierte:

  • Basispreise respektive Preisstufen.
  • Kontrakt-Größen und Laufzeiten.
  • Regeln und Handelszeiten.

Werden ETF Optionen fällig, muss die Lieferung der entsprechenden ETFs erfolgen. Market Maker sorgen an der Terminbörse EUREX mit verbindlichen Geld- und Briefkursen für jederzeitige Liquidität.

ETF Optionen auf welche ETFs?

Ende Oktober 2019 standen ETF Optionen für die Anlageklassen Aktien, Anleihen und Rohstoffe zur Verfügung. Die angebotenen Aktien ETF Optionen schließen ETFs auf diese Aktienindizes ein:

  • DAX.
  • Euro Stoxx 50.
  • MSCI Europe.
  • Europe Stoxx 600.
  • MSCI World.
  • FTSE 100.
  • FTSE 250.
  • MSCI Emerging Markets.
  • S&P 500.
  • MSCI Brazil.
  • S&P 500 Energy.
  • S&P 500 Health Care.

Die meisten ETF Optionen werden von der Black Rock Tochter iShares angeboten, Konditionen sind, wie oben erwähnt, auf der EUREX Webseite ersichtlich.

Bei welchen Brokern sind ETF Optionen erhältlich?

Nicht jeder Broker kann Dir ETF Optionen anbieten, weil dazu eine Anbindung an die Terminbörse EUREX erforderlich ist. Angebunden sind aktuell die Brokerage-Unternehmen:

  • Lynxbroker.
  • Onvista Bank.
  • Degiro.
  • Consorsbank.
  • Comdirect.

Du kannst bei diesen Anbietern neben ETF Optionen mit Futures, Aktien sowie Optionen auf Indizes handeln. Die Kosten für den Handel mit Optionen sind bei den genannten Brokern sehr unterschiedlich, wie der nachfolgende Absatz beweist.

Im nachfolgenden Kostenbeispiel erwirbt ein Anleger 10 Kontrakte der MSCI World Options von iShares zum Basispreis von 55 Euro. Laufzeit Dezember 2019, Optionspreis 4,19 Euro, ETF Kurs 53,21 Euro, pro Kontrakt 100 ETF-Anteile.

  • Beim Unternehmen Lynxbroker werden 2 Euro pro Kontrakt fällig, die Ausübung der Option ist kostenfrei.
  • Die Onvista Bank stellt für den Handel pro Kontrakt 1,50 Euro in Rechnung, bei Ausübung der Option werden pro Kontrakt 3 Euro fällig.
  • Degiro nimmt für den Handel 0,90 Euro pro Kontrakt und berechnet für die Ausübung der Option 1 Euro je Kontrakt.
  • Bei der Consorsbank kostet der Handel 12,50 Euro plus 0,50 % der Options-Prämie. Wird die Option ausgeübt, fallen für die 10 Kontrakte weitere 17,50 Euro Gebühren an.
  • Beim Broker Comdirect werden für den Handel 4,50 Euro pro Kontrakt in Rechnung gestellt. Bei Ausübung der Option sind 4,90 Euro plus 0,25 % des Volumens fällig.

Aus der Auflistung werden 2 Aspekte deutlich:

  1. Auch bei ETF Optionen ist die sorgfältige Auswahl des Brokers unverzichtbar.
  2. In vielen Fällen ist es vorteilhaft, die Option vor Fälligkeit zu veräußern.

Welche Risiken sind mit ETF Optionen verbunden?

Der Handel mit ETF Optionen resultiert unter Umständen in hohen Verlusten. Es gibt Strategien, bei denen die Verluste einer Option bewusst in Kauf genommen werden, weil die andere Option voraussichtlich darüber hinausgehende Gewinne einfährt. Derartige Strategien setzen Erfahrung und Routine voraus. Zudem besteht die Möglichkeit der Unwirtschaftlichkeit.

Es gibt eine Ergänzung zur Einkommenssteuer, die Ende Dezember 2019 beschlossen wurde und zum 1. Januar 2021 in Kraft tritt. Es geht dabei um Termingeschäfte, die von privaten Anlegern durchgeführt werden.

  • Bisher wurden alle in einem Jahr entstandenen Verluste gegen die Gewinne aufgerechnet und die Differenz musste versteuert werden.
  • Ab 1. Januar 2021 kann ein Trader nur noch maximal 10.000 Euro Verlust pro Jahr geltend machen und dies führt den gesamten Terminhandel ad absurdem.

Dazu ein Beispiel:

  • Erfolgreich ausgeführte Optionen im Wert von 70.000 Euro/Jahr.
  • Verlustreich ausgeführte Optionen im Wert von 30.000 Euro/Jahr.

Der neuen Methode entsprechend müssen 70.000 minus 10.000 gleich 60.000 Euro versteuert werden. Steuerschuld 15.000 Euro.

Bisher sah die Rechnung so aus: 70.000 minus 30.000 gleich 40.000 Euro. Steuerschuld 10.000 Euro.

Umgangen werden kann die neue Berechnungsmethode nur durch eine Transformation vom privaten Anleger zum gewerblichen Marktteilnehmer. Du musst also eine GmbH oder Mini-GmbH eröffnen, um weiterhin von den alten Regelungen zu profitieren.

Unverständlich ist für mich zudem, dass der Gesetzgeber bis heute nicht genau definiert hat, welche Instrumente in das Segment Termingeschäfte fallen.

Daher rate ich Dir, ETF Optionen so wenig wie möglich einzusetzen. Short ETFs sind nicht nur wesentlich kostengünstiger, sie zählen auch nicht in die mittlerweile unter Beschuss geratene Sparte der Termingeschäfte.

Richtig ist aber auch, dass zeitweilig stark fallende Kurse attraktive Gelegenheiten für die Erwirtschaftung von Zusatzrenditen bieten. Und darauf sind, angesichts dauerhaft niedriger Zinsen, immer mehr private Anleger angewiesen. ETF Optionen oder Short ETF? Diese Frage kann nur von Dir selbst beantwortet werden. Allerdings gibt es ETF Optionen für oft genutzte ETFs auf den MSCI World und den MSCI Emerging Markets – aber keine Short ETFs.  

Dein Depotstudent Dominik

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