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Welche Kosten entstehen bei einem ETF?

Depotstudent Dominik
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In meinen Beiträgen weise ich stets darauf hin, dass ETFs vergleichsweise kostengünstige Handels- oder Anlageinstrumente sind. Werden in einem Artikel von mir ETFs vorgestellt oder empfohlen, ist bei jedem börsengehandelten Indexfonds eine so bezeichnete Gesamtkostenquote (TER) ersichtlich. Der Name trügt allerdings, denn die TER enthält bei Weitem nicht alle Kosten.

Mein heutiger Beitrag stellt Dir alle Kosten eines Exchange Traded Funds (ETF) im Detail vor und beschreibt auch die nicht in Rechnung gestellten Positionen. Die dabei verwendeten Zahlen sind reine Beispiele und in der Praxis ohne Bedeutung. Warum? Der ETF-Markt ist in ständiger Bewegung, eine wachsende Anzahl von erwerbbaren Produkten resultiert in kontinuierlich sinkenden Kosten.

Grundsätzliches und Wissenswertes

Dir dürfte vermutlich bekannt sein, dass jeder erworbene ETF den Status eines Sondervermögens hat und daher bei Insolvenz des Anbieters nicht zur Konkursmasse zählt.

Im Vergleich zu aktiv gemanagten Investmentfonds sind börsengehandelte Indexfonds die wesentlich günstigeren Anlagevehikel. Es greift kein Manager in die Entwicklung ein, der Verwaltungsaufwand beschränkt sich auf wenige Aufgaben, beispielsweise das jährliche Rebalancing.

Ein ETF stellt immer die am Markt mögliche Gesamtrendite in Aussicht. Die Manager von aktiven Fonds versprechen darüber hinausgehende Renditen, sie erreichen ihr Ziel jedoch sehr selten und rein zufällig. Immer mehr Anleger denken völlig richtig: Warum hohe Gebühren zahlen, wenn auch es günstiger geht?

Nachfolgend stelle ich Dir detailliert alle anfallenden Kosten beim börsengehandelten Indexfonds vor.

Gesamtkostenquote oder Total Expense Ratio (TER)

In der TER sind alle Kosten enthalten, die dem Anbieter bei der Verwaltung eines ETF entstehen. Damit Du diese richtig einschätzen kannst, zunächst die Verwaltungskosten bei einem aktiv gemanagten Aktienfonds:

  • Hierbei fallen pro Jahr etwa 0,8 bis 2,5 % an.
  • In den Kosten sind unter anderem Ausgaben für Prospekte und Lizenzen enthalten.

Ein passiv gemanagter ETF kommt mit wesentlich geringeren Kosten zurecht. Nachfolgend die durchschnittlichen Verwaltungsgebühren von hierzulande erwerbbaren ETFs:

  • Bei ETFs auf Aktienindizes fallen durchschnittlich 0,35 bis 0,50 % pro Jahr an.
  • Anleihen- oder Renten-ETFs sind mit 0,15 bis 0,25 % per anno behaftet.

Standardprodukte sind grundsätzlich günstiger als Nischenprodukte. Einen ETF auf den MSCI World kannst Du derzeit mit einer jährlichen TER ab 0,12 % kaufen, während ein Faktor-ETF bis zu 0,75 % pro Jahr kosten kann. Du wirst allerdings nie spürbar zur Kasse gebeten, die Gebühren werden täglich errechnet und automatisch vom Depotwert abgezogen.

Alle auf der Anbieterseite anfallenden Kosten sind in der TER enthalten. Der Begriff Gesamtkostenquote darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass weitere Gebühren beim Erwerb oder Handel entstehen.

Exchange Traded Funds – Handelskosten

Während die bei der Verwaltung eines ETF entstehenden Kosten in der Position TER zusammengefasst sind, werden die Handelskosten separat definiert. Dazu zählen:

  • Gebühren für involvierte Makler.
  • Geld-Brief-Spanne oder Spread.
  • Eventuell ein Aufschlag oder Abschlag beim Nettoinventarwert.
  • Vom Zeitpunkt des Erwerbs abhängige Kosten.

Die Handelskosten werden von den meisten Anlegern überhaupt nicht wahrgenommen, weil die dargestellte Gesamtkostenquote für sie das Ende der Fahnenstange bedeutet. Gleichwohl fällt der Spread für einen langfristig orientierten Marktteilnehmer bei der einmaligen Anlage kaum ins Gewicht:

  • Bei einem sehr liquiden ETF – beispielsweise auf den MSCI World – beträgt der Spread gerade einmal 0,05 %.
  • Der durchschnittliche ETF auf einen Aktienindex ist mit 0,08 bis 0,10 % behaftet.
  • Bei einem Nischen-ETF kann der Spread maximal 0,5 % betragen.

Wenn Du Dich für einen wenig gehandelten ETF interessierst oder nur eine kleine Summe investieren willst, lohnt der Vergleich von mehreren Anbietern. Der Grund: Aufschläge oder Abschläge zum Nettoinventarwert werden von den Anbietern unterschiedlich gehandhabt und beeinflussen die Handelskosten.

Ein ETF mit Fonds Währung in Dollar sollte hierzulande nachmittags erworben werden, sobald die Börsen in den Vereinigten Staaten öffnen. Du kannst zwar einen ETF auf den S&P 500 zu jeder Tageszeit kaufen, aber zu wesentlich höheren Handelskosten als innerhalb der US-amerikanischen Börsenzeiten.

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Sonstige ETF Kosten

In der Regel erwirbst Du einen ETF über Deinen Broker, welcher Dir Gebühren für die Order in Rechnung stellt. Die Höhe der Ordergebühr ist vom Broker abhängig. Einige Anbieter haben fixe Preise, andere Broker berechnen die Gebühren prozentual von der jeweils investierten Summe.

Mit etwas Glück wählst Du ein Aktionsangebot, bei welchem die Ordergebühr temporär vom ETF-Anbieter entrichtet wird. Wie hoch die Ordergebühr beim einzelnen Broker ausfällt, kannst Du aus der obigen Auflistung entnehmen.

Zuzüglich berechnet Dein Broker an den Börsen fällige Entgelte in Höhe von etwa 0,02 bis 0,05 %.

Das zur Aufbewahrung erforderliche Depot ist in der Regel kostenfrei.

Es gibt aber auch Broker, die das Depot nur einem aktiven Marktteilnehmer kostenlos zur Verfügung stellen.

Ein Broker mit bedingungslos kostenfreiem Depot sollte gewählt werden, wenn der einmal erworbene ETF 20 Jahre gehalten wird.

Zur Begründung ein Beispiel:

  • Du legst den erworbenen ETF für mindestens 20 Jahre (240 Monate) ins Depot.
  • Verlangt der Broker nach dem ersten Jahr eine monatliche Depotgebühr von 2 Euro, entstehen Dir unnötige Kosten in Höhe von 228 mal 2 gleich 456 Euro.

Besondere Aufmerksamkeit wird durch einen neuen Trend in der Brokerage-Szene erforderlich. Es gibt bereits einen Anbieter, der von jedem Anleger eine prozentuale Gebühr in Höhe von 0,1 % plus Mehrwertsteuer erhebt.

0,119 % erscheinen im ersten Moment gering. Bei einem Depotwert von 200.000 Euro – welcher von vielen Anlegern erreicht und übertroffen wird – kommen aber pro Jahr Gebühren in Höhe von 238 Euro auf Dich zu.

Welche Faktoren beeinflussen die Kosten?

Wer einen ETF erwirbt, erwartet von seinem Anlagevehikel, dass es den zugrunde liegenden Index möglichst genau und kostengünstig nachbildet. Bei der Entscheidung schauen die meisten Anleger nur auf die TER (Gesamtkostenquote), welche allerdings weit weniger aussagt als angenommen. Warum?

  • Nur sehr selten bildet ein ETF den zugrunde liegenden Index absolut genau ab.

In der Praxis verläuft die Wertentwicklung des ETF etwas unterhalb oder oberhalb der des Index. Fachleute bezeichnen die Abweichung als Tracking-Differenz:

  • Eine negative Tracking-Differenz bedeutet, dass der ETF seinen Referenzindex übertroffen hat.
  • Bei einer positiven Tracking-Differenz bleibt die Wertentwicklung des ETF hinter der des Referenzindex zurück.

Die Tracking-Differenz wird in der Regel im Voraus kalkuliert und entspricht im Idealfall der Gesamtkostenquote. Dazu ein Beispiel:

  • Du investierst in einen beliebigen ETF mit 0,25 % TER.
  • Nach einem Jahr ist der Wert des Index um 10 % gewachsen.
  • Die Rendite Deines ETF beträgt demnach 10 % minus 0,25 % gleich 9,75 %.

In diesem Fall hat der ETF-Anbieter die Abweichung vom Index, respektive die TER richtig kalkuliert. Bleibt der ETF seitens der Wertentwicklung jedoch hinter dem Referenzindex zurück, nützt eine niedrige TER wenig. Der positive Tracking-Unterschied resultiert in Kosten, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind.

Etwas hinkt jeder ETF seinem Referenzindex hinterher, denn es entstehen Kosten für die Verwaltung, welche durch die TER beglichen werden. Darüber hinausgehende Abweichungen sind entweder vorteilhaft oder nachteilig für den Anleger.

Empfehlenswert ist also, nicht nur auf die TER zu schauen, sondern immer einen Blick auf die Tracking-Differenz zu werfen. Allerdings ist diese nicht bei jedem ETF so einfach ersichtlich wie die Gesamtkostenquote.

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Replikationsart resultiert in unterschiedlich hohen Kosten

Für die Berechnung der Gesamtkosten müssen interne Kosten ebenso beachtet werden wie externe Gebühren. Je nach Art der Replikation kann die Gesamtkostenbelastung sehr unterschiedlich ausfallen.

Ist ein ETF vollständig physisch repliziert oder mit optimiertem Sampling nachgebildet, muss der Anbieter einmal pro Jahr die ursprüngliche Gewichtung wieder herstellen. Dazu werden die Wertpapiere jeder zu stark gewichteten Position verkauft und Papiere von momentan untergewichteten Positionen erworben.

Die daraus resultierenden Gebühren sind nicht in der Gesamtkostenquote enthalten und werden vom ETF-Anbieter anderweitig bestritten. Eine oft genutzte Möglichkeit ist der Verleih von Wertpapieren an Dritte gegen Gebühr.

Bei einem synthetisch replizierten ETF muss eine Swap-Gebühr an den Tauschpartner (Kontrahenten) entrichtet werden. Die Höhe der Gebühr richtet sich unter anderem danach, in welchem Marktsegment der Fonds etabliert wird. Sie wird von beiden Partnern ausgehandelt und ist nicht in der TER enthalten.

Weitere Kostenfaktoren

Bei einem ausschüttenden ETF auf einen Aktienindex mit physischer Replikation kann die Wertentwicklung vom Zeitunterschied zwischen Dividendenzahlung und Ex-Dividenden-Tag belastet werden. Der Grund: Der auszuschüttende Betrag liegt innerhalb der Zeitspanne auf einem separaten Konto.

Dieser Fakt führt dazu, dass Du als Anleger während dieser Zeit in den Index, minus Höhe der Dividenden-Ausschüttung, investiert bist. Damit steigt die Gefahr einer unerwünschten Abweichung der Wertentwicklung des ETF von der des Referenzindex. Bei thesaurierenden oder synthetisch nachgebildeten ETFs besteht diese Gefahr nicht.

Ein wichtiger Kostenfaktor ist die steuerliche Behandlung von erzielten Dividenden auf der Anbieterseite. Wenn ein ETF Dividenden aus einem anderen Land als dem Fondsdomizil vereinnahmt, können dort erhobene Quellensteuern zu unerwünschtem Tracking-Unterschied führen. Der Grund: Nicht aus jedem Land können Quellensteuern komplett zurückgefordert werden.

Auch dieses Szenario kann unter Umständen von einem synthetisch nachgebildeten ETF besser gemeistert werden als von einem Exchange Traded Funds mit physischer Replikation.

Es gibt also eine Vielzahl an internen und externen Kosten bei einem ETF. Nicht jede Position ist für Privatanleger leicht ersichtlich. Wichtig ist des Weiteren, dass die sichtbaren Kosten in den einzelnen Anlageklassen erhebliche Unterschiede aufweisen.

ETF Kosten nach Assetklassen

  • Die Investition in einen ETF auf einen Aktienindex ist mit jährlich anfallenden Kosten von durchschnittlich 0,38 % verbunden.
  • Investierst Du stattdessen in einen Geldmarkt- oder Anleihen-ETF, liegen die Jahreskosten bei durchschnittlich 0,20 %.
  • Teurer sind ETFs auf Immobilienindizes (durchschnittlich 0,42 %) und ETFs auf Rohstoff-Indizes (durchschnittlich 0,44 %).

Bei Aktien-ETFs ist zudem kosten-entscheidend, in welches Land oder welche Region Du investieren willst:

  • Ein ETF auf den DAX oder den S&P 500 kostet im Schnitt 0,30 % per anno.
  • Willst Du hingegen in einen exotischen Aktienmarkt investieren, kann der ETF schnell bis zu 0,80 % pro Jahr kosten.

Unterschiedlich sind die Kosten zudem zwischen ETFs auf Standard-Indizes und gefilterten Indizes. Der ETF auf den klassischen MSCI World Index ist bereits ab jährlich 0,12 % zu haben. Wird der Index hingegen nach ESG oder SRI Maßstäben gefiltert, kostet der ETF mindestens das Dreifache.

Möchtest Du nur in einzelne Aktiensektoren investieren, erwarten Dich sehr unterschiedliche Gesamtkosten. Überaus günstig ist die Investition in einen ETF auf einen klassisch strukturierten Aktienindex. Wer bevorzugt nur in alternative Energien anlegt, muss durchschnittlich mit Kosten in 3-facher Höhe rechnen.

Anleihen-ETFs sind nur dann besonders kostengünstig, wenn Deine Wahl auf Staatsanleihen (durchschnittlich 0,18 % per anno) fällt. Unternehmens-Anleihen sind mit durchschnittlich 0,25 % etwas teurer, ETFs auf Wandelanleihen kosten mit durchschnittlich 0,40 % per anno deutlich mehr.

Mein Fazit

In der Tat können bei einem ETF viele Faktoren die Kosten in die Höhe treiben. Weiterhin ist richtig, dass in der sogenannten Gesamtkostenquote nicht immer wirklich alle Gebühren enthalten sind. In diesem Kontext ist wichtig, vor dem Erwerb mehrere Angebote hinsichtlich der Tracking-Differenz zu vergleichen. Entwickelt sich der ETF besser als sein Referenzindex, resultiert dies in niedrigeren Kosten respektive in mehr Rendite.

Problematisch ist lediglich, dass die Tracking-Differenz stark schwankt und schwer prognostiziert werden kann. Gleichwohl handelt es sich hierbei um vergleichsweise geringe Beträge. ETFs sind und bleiben die mit Abstand kostengünstigsten Anlageinstrumente. Vor allem, wenn Du in einen sehr großen und daher überaus liquiden ETF investierst.

Dein Depotstudent Dominik

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