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Wann und wie sollte man ETFs umschichten?

Stift auf Zettel
Depotstudent Dominik
3.3
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ETFs werden von immer mehr Menschen als sinnvolle und leicht verständliche Anlageinstrumente wahrgenommen. Viele Anleger folgen den Ratschlägen der Experten und gestalten ihre Portfolios mit mehreren börsengehandelten Indexfonds in unterschiedlichen Anlageklassen. Die einstmals festgelegte Gewichtung bleibt jedoch selten erhalten und erfordert ein Rebalancing.

Im nachfolgenden Beitrag zeige ich Dir, wann und wie Du ETF-Anteile umschichten beziehungsweise austauschen solltest. Darüber hinaus gibt es weitere Gründe, die in der Frage resultieren können, wann sollte man ETFs umschichten beziehungsweise auswechseln? Das Thema, wann sollte man ETFs austauschen, ist natürlich auch eine Kostenfrage. Was Du dabei beachten musst und wann ein Austausch wenig sinnvoll ist, erfährst Du ebenfalls in diesem Artikel.

Wann sollte man ETFs umschichten?

Viele Webseiten empfehlen die Zusammenstellung des Portfolios mit riskanten und risikoarmen ETF-Anteilen. Als risikofreudiger Anleger wählst Du dementsprechend einen überwiegenden Aktienanteil, dessen Wertentwicklung durch einen kleineren Anleihen-Anteil abgesichert wird.

Angenommen, Du hast ETF-Anteile auf den MSCI World zu 60 % mit Anteilen auf einen globalen Unternehmensanleihen-Index zu 40 % kombiniert. Am Ende des Jahres nimmt der riskantere Anteil 70 % ein und um die festgelegte Zusammensetzung wieder herzustellen, musst Du umschichten beziehungsweise austauschen. Den Expertenratschlägen entsprechend verkaufst Du ETF-Anteile des Aktienindex und kaufst anteilig Unternehmensanleihen nach.

Aus meiner Sicht sprechen jedoch mehrere Gründe gegen diese Portfolio-Zusammenstellung:

  • ETF-Anteile auf den MSCI World überzeugen mit bestmöglicher Diversifikation und sind daher bereits vergleichsweise risikoarm.
  • ETF-Anteile auf einen Unternehmensanleihenindex sind nicht weniger riskant.
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Wann sollte man den Fachleuten zufolge ETFs austauschen?

Mit langem Anlagehorizont sowie der Strategie des Kaufens und Haltens könntest Du Dir das jährliche Umschichten und damit verbundene Kosten ersparen. Sinn ergeben würde Portfolio-Allokation nur mit ETF-Anteilen auf einen Staatsanleihen-Index, doch dagegen spricht die vergleichsweise geringe Rendite – besonders im Niedrigzinsumfeld wird einem das bewusst.

Experten regen mit fortschreitendem Alter des Anlegers zum Austauschen riskanterer ETF-Anteile an. Während in der Jugend der Aktienanteil gerne 70 %, 80 % oder sogar noch mehr betragen darf und nur der kleine Rest aus Anleihen bestehen sollte, kann dementsprechend alle 10 Jahre ein Umschichten stattfinden. Ziel ist, die Geldanlage im Renteneintrittsalter möglichst sicher zu gestalten.

Im Portfolio befindliche ETFs könnten demnach wie folgt gewichtet sein:

  • Mit 30 Jahren: 70 % Aktien, 30 % Anleihen.
  • Mit 70 Jahren: 30 % Aktien, 70 % Anleihen.

Dieser Strategie entsprechend musst Du die Bestandteile Deines Portfolios 4 mal aus Altersgründen umschichten und wesentlich öfter, um die ursprüngliche Gewichtung wieder herzustellen. Auch diesem Ansatz kann ich nicht viel abgewinnen, weil ETF-Anteile auf Staatsanleihen im Niedrigzinsumfeld nicht einmal eine nominale Rendite bringen. Beim exzellent diversifizierten Aktienindex im Portfolio erübrigt sich aufgrund bereits vorhandener Risikominimierung der Anleihenanteil. Ergo ist weder das jährliche Umschichten noch das altersbedingte Austauschen von ETF-Anteilen erforderlich. Folgst Du diesem Ansatz, entstehen jedes Jahr Kosten für den Verkauf von alten ETF-Anteilen und Ordergebühren für Neuerwerbe.

Auch steuerliche Aspekte beim Umschichten und bei der Entnahme sollten berücksichtigt werden.

Dazu ein Beispiel:

  • Beim Verkauf der ETF-Anteile, die auf dem Aktienindex beruhen, muss mit einem Spread von 20 Basispunkten kalkuliert werden. Der Verkaufspreis liegt also geringfügig unter dem aktuellen Kurs. Bei Anteilen im Wert von 1.000 Euro fällt dieser Nachteil mit 2 bis 3 Euro ins Gewicht.
  • Der Erwerb von neuen ETF-Anteilen setzt in jedem Fall Ordergebühren in Höhe von beispielsweise mindestens 5 Euro voraus. Teils wird zudem eine prozentual ausgewiesene Provision in Rechnung gestellt.
  • Beim Umschichten werden also mindestens 7 bis 8 Euro fällig. 40 maliges Austauschen resultiert in Gesamtkosten von etwa 300 Euro. Steuerliche Belange noch nicht berücksichtigt.

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Wann kann Umschichten gefährlich sein?

Ein nachvollziehbarer Grund für das Austauschen von erworbenen ETFs kann die Veränderung des Anlageziels sein. Angenommen, Du bist an die Geldanlage mit dem Ziel der Vermögensbildung herangegangen und hast thesaurierende ETF-Anteile erworben. Inzwischen willst Du aber von den Erträgen Deiner Investition die Lebenshaltungskosten bestreiten.

Der einzige Weg, dieses Vorhaben zu realisieren, ist das Austauschen aller im Portfolio befindlicher ETFs. Die thesaurierenden ETFs müssen verkauft und durch Ausschüttende ersetzt werden. Nehmen wir weiterhin an, Deine ETF-Anteile haben aktuell einen Wert von 10.000 Euro und setzen sich aus einer 70/30 Kombination auf den MSCI World und MSCI Emerging Markets zusammen.

Hierzu ein Rechenbeispiel, welches die entstehenden Kosten verdeutlicht:

  • Spread beim Verkauf von ETF-Anteilen im Wert von 10.000 Euro etwa 20 bis 30 Euro.
  • Beim Erwerb von 2 neuen ETFs in ausschüttender Variante werden beispielsweise mindestens 10 Euro an Ordergebühren fällig.

Bis hier magst Du die Kosten als unbedeutend ansehen, aber die Rechnung ist noch nicht vollkommen. Gehen wir davon aus, dass Du vor 5 Jahren beide ETFs für 7.000 Euro erworben und mittlerweile 3.000 Euro Gewinn erzielt hast. Wenn Du den Sparerpauschbetrag ausgeschöpft hast, möchte das Finanzamt mit 750 Euro Abgeltungssteuer am Verkauf beteiligt werden. Wäre es in diesem Kontext nicht besser, vom Umschichten abzusehen und neue ETF-Anteile mit ausschüttendem Konzept zu kaufen?

Wann das Umschichten wenig Sinn ergibt

ETFs sind zwar keine Modeerscheinung, gleichwohl stehen zeitweise bestimmte Anbieter hoch im Kurs. Es geht dabei nicht um unterschiedliche Emittenten der zugrunde liegenden Indexfonds, sondern um die verfügbaren ETF-Anbieter. Diese unterscheiden sich durch unterschiedliche Replikationsarten, voneinander abweichende Gesamtkosten und auseinanderliegenden Jahresrenditen. Natürlich kannst Du Deine ETFs auf den MSCI World und Emerging Markets Index nach Belieben austauschen, aber warum? Wegen Unterschieden im Zehntelbereich bei den Gesamtkosten oder der Rendite?

Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro, verteilt im Verhältnis 70/30 auf 2 ETFs, bezahlst Du Spreads und Ordergebühren von mindestens 40 Euro. Außerdem musst Du Dich bezüglich der Abgeltungssteuer mit dem Finanzamt auseinandersetzen. Dagegen stehen vielleicht um 5 Euro niedrigere Gesamtkosten und eventuell eine ebenso hohe Mehrrendite. Da allerdings beide Werte flexibel sind und nicht immer vorteilhaft bleiben müssen, würde ich vom aufwendigen Austauschen absehen.

Wann sollte man ETFs nicht austauschen?

Wenig Sinn ergibt für mich das Austauschen von ETFs, weil eine andere Replikationsart nach Jahren vorteilhafter zu sein scheint. Weder in Bezug auf Tracking Error noch hinsichtlich der Kosten und Sicherheit ist eine Methode der anderen wirklich überlegen.

Auch aufgrund von gesunkenen Produktkosten würde ich (in den meisten Fällen) keinen Verkauf in Betracht ziehen, sondern folgendermaßen vorgehen:

Beispiel: Nehmen wir an, Du hast einen ETF im Portfolio, der 0,4 % laufende Kosten hat. Du hast diesen ETF vor einigen Jahren gekauft. Nun fällt Dir auf, dass es mittlerweile ETFs am Markt gibt, die günstiger sind und beispielsweise nur eine TER von 0,3 % aufweisen. Was solltest Du tun?
Ich würde so vorgehen, dass ich die alten ETFs im Portfolio lasse (wegen Transaktionskosten + Steuern), die alten ETFs allerdings nicht weiter bespare und stattdessen den neueren (besseren) ETF bespare.

Wann ist das Austauschen von ETFs sinnvoll?

Zur Erklärung des Szenarios gehe ich von einem weitverbreiteten Musterportfolio im Wert von 10.000 Euro aus, welches sich wie folgt zusammensetzt:

  • Zu 30 % aus ETF-Anteilen auf den DAX.
  • Zu 30 % aus ETF-Anteilen auf einen europäischen Aktienindex.
  • Zu 40 % aus ETF-Anteilen auf einen gemischten EU-Anleihenindex.

Jedes Jahr ist ein Rebalancing fällig, bei welchem Inhaber ETF-Anteile umschichten müssen. Erfahrungsgemäß rentieren die Aktienindizes besser als der Anleihenindex, für das erforderliche Umschichten fallen etwa 20 Euro an, welche sich aus Spreads, Börsenplatzentgelten und Ordergebühren zusammensetzen. Bei einer durchschnittlichen Haltedauer von 20 Jahren resultiert die Pflege des Portfolios in circa 400 Euro Kosten.

Dieses Portfolio ist aus meiner Sicht nicht optimal auf globale Diversifikation ausgerichtet.

Ich vertrete die Ansicht, dass mittels Weltportfolio in ETFs investiert werden sollte und nicht nur (oder vorwiegend) in “heimische” Märkte.

Wann ist Austauschen sinnvoll? Meine Antwort lautet: Sobald diese Erkenntnis gereift ist.

Ich würde wie folgt vorgehen:

  • ETF-Anteile auf den DAX, den EU-Aktienindex und den Anleihenindex verkaufen. Verluste durch den Spread etwa 10 Euro, da Verkauf an Börsenplätzen in der BRD möglich.
  • Erwerb von ETF-Anteilen auf einen Weltaktienindex, MSCI World oder MSCI AWCI.
  • Alternativ die 70/30 Kombination aus ETFs auf den MSCI World und EM Index.
  • Kosten für die erste Variante etwa 5 Euro, für die Kombination aus 2 ETFs werden 10 Euro fällig.

Ich würde die erste Variante nicht nur wegen der Ersparnis von einmalig 5 Euro vorziehen. Jeder Index ist hervorragend diversifiziert und deckt mit mehr als 1.600/2.800 Aktien die interessantesten 23/49 Märkte ab. Durch die breite Streuung wird das Risiko bestmöglich gesenkt, die klassische Kombination aus Aktien- und Anleihenteil im Portfolio ist überflüssig.

Dementsprechend muss weder jährlich neu gewichtet noch ausgetauscht werden. Dieser Fakt resultiert bei einer Haltedauer von 20 Jahren in einer Ersparnis von 400 Euro. Einmal austauschen und anschließend nie wieder umschichten müssen, ist für mich überaus sinnvoll. Dieser Ansatz erfordert aber das Befolgen der Strategie des Kaufens und Haltens sowie etwas Flexibilität am Ende der Geldanlage.

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Wann ist das Umschichten vermeidbar?

Viele Anleger denken an den Nachbau des MSCI World, sie möchten zumindest die wichtigsten Aktien als nationale sowie regionale Indizes kaufen und ihren Anforderungen entsprechend gewichten. Für diesen Ansatz sind mindestens 5 ETFs notwendig, welche teurer als der Weltindex gekauft und jedes Jahr kostenpflichtig neu gewichtet werden müssen. Beim MSCI World wird diese Aufgabe von Spezialisten erledigt und durch geringe TER abgegolten.

In Eigenregie ist dazu Wissen erforderlich, zudem Zeit und Risikobereitschaft. Entsprechende Anteile von mindestens 5 ETFs jedes Jahr zu verkaufen respektive neu zu erwerben ist kostenintensiv, abenteuerlich und absolut unnötig. Austauschen und Umschichten kann durch den Erwerb von einem ETF auf den MSCI World vermieden werden.

Mein Fazit zur Frage: Wann sollte man ETFs umschichten oder austauschen?

Aus meiner Sicht sollte das Austauschen und Umschichten so gut wie möglich vermieden werden, weil die Aktionen aufwendig sind und in Kosten resultieren. Umschichten ist immer dann erforderlich, wenn das Portfolio mehr als einen ETF pro Assetklasse beinhaltet. Dank der großen Weltindizes von MSCI reicht für die Geldanlage ein einziger börsengehandelter Indexfonds (z.B. MSCI ACWI) in jeder Hinsicht aus.

Dafür sprechen attraktive Durchschnittsrendite, konkurrenzlos niedrige TER sowie keine Kosten durch entfallenden Austausch von ETF-Anteilen. Risiken bei der Geldanlage werden durch langen Anlagehorizont und die Strategie des Kaufens und Haltens effektiver minimiert als durch facettenreiche Portfolios. Wann ist das Austauschen hingegen sinnvoll? Sofern Du von vielen ETFs zu einem auf dem Weltindex wechseln möchtest.

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