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Was sind Derivate? Definition, Erklärung und Beispiel

Depotstudent Dominik
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Kurzdefinition: Bei einem Derivat (lat. derivare für “ableiten”) handelt es sich um ein Finanzprodukt, dessen Preisentwicklung auf einem Basisprodukt wie einer Aktie, einer Anleihe, einem Rohstoff oder einem Index beruht. Dabei folgt der Preis des Derivats der Entwicklung des zugrundeliegenden Produkts überproportional, d.h. es verfügt über einen Hebel.

Genügt Dir die Kurzdefinition zu einem “Derivat”?

Wahrscheinlich nicht!

Das Thema ist deutlich komplexer und wichtiger, als das man es in wenigen Sätzen behandeln könnte.

In diesem Kapitel der Börsen Einsteiger Serie erkläre ich Dir Schritt für Schritt und sehr detailliert, was Derivate sind, wo Du sie einsetzen könntest, wo die Vor- und Nachteile liegen und warum diese Finanzprodukte die menschlichen Urtriebe ansprechen wie kaum ein anderes Instrument des Kapitalsmarkts.

Eines vorweg: Derivate sind ein Hochrisikoinvestment und bedürfen Handelserfahrung. Ich rate Dir als Anfänger unbedingt von diesen Produkten ab!

Ich würde sagen: Lass uns starten und der Frage “Was sind Derivate?” auf den Grund gehen…

Derivate Definition

Bei der Kurzdefinition zu Beginn dieses Beitrags möchte ich es nicht belassen.

Wie bereits erwähnt handelt es sich bei Derivaten um einen Kontrakt, dessen Wertentwicklung von einem Basiswert abhängt.

Ein DAX Derivat beispielsweise folgt der Wertentwicklung des deutschen Leitindex, ein Derivat auf Gold würde den Preis des Rohstoffs abbilden.

Oftmals sind Derivate zusätzlich mit einem Hebel ausgestattet. Das heißt, das Derivat potenziert die Entwicklung seines Basiswerts. Ein Derivat mit einem 2er-Hebel würde demnach jede Kursentwicklung verdoppeln.

Heißt: Steigt der DAX um 2 Prozent, steigt der Wert des Derivats um 4 Prozent. Fällt der DAX um 3 Prozent, fällt der Wert des Derivats um 6 Prozent.

Wie werden Derivate eingesetzt?

Strenggenommen ist ein Derivat nichts anderes als eine Wette.

Gut, es hat deutlich mehr Substanz als eine Sportwette, allerdings gibt es bei einem Derivat auch nur eine “richtig” oder ein “falsch”.

Diese Tatsache führt unweigerlich dazu, dass Derivate nur sehr wenig mit langfristiger Geldanlage und Investition zu tun haben. Hier ist eher das Wort “Spekulation” zu gebrauchen.

Außerdem werden Derivate häufig dafür verwendet, Risikoabsicherung zu betreiben. Im Fachjargon spricht man hier von “Hedging”.

Auf beide Szenarien möchte ich nun einen genaueren Blick werfen…

Spekulation mit Derivaten

Derivate bieten Dir den Zugang zu Märkten, die für Dich als Privatanleger grundsätzlich nicht zugänglich wären. Beispielsweise der Ölmarkt.

Der Ölmarkt ist ein klassisches Beispiel für den Handel mit Derivaten, da diese hier sehr häufig zum Einsatz kommen.

Wer ein “Öl-Derivat” kauft, muss also kein reales Öl besitzen, um von steigenden (oder auch fallenden Kursen bei einem Put) profitieren zu können. Steigt der Ölpreis um 10 %, steigt auch der Wert Deines Derivats um 10 %.

Einfach und logisch, oder?

Häufig ist es jedoch so, dass solche Spekulationen einen sehr kurzfristigen Anlagehorizont von teilweise sogar nur wenigen Stunden haben. Wie gesagt hat das mit langfristiger Geldanlage wirklich nichts zu tun und ist für Privatanleger somit völlig ungeeignet.

Ein anderes Szenario, in dessen Zusammenhang Derivate eingesetzt werden können, ist die Risikoabsicherung eines Depots.

Wie das funktioniert, erfährst Du jetzt.

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Risikoabsicherung mit Derivaten

Wie Derivate im Rahmen der Risikoabsicherung verwendet werden, möchte ich Dir anhand eines plastischen Beispiels erklären.

Lufthansa.

Die Fluggesellschaft möchte sich gegen steigende Kerosinpreise absichern und erwirbt zu diesem Zweck Futures auf Kerosin (ein Derivat, dazu später mehr), das der Lufthansa zusichert, Kerosin für 1,7 US-Dollar pro Gallone zu erwerben.

Der Gegenpart, ein Ölproduzent, möchte sich mithilfe der Futures gegen fallende Kurs absichern und für mindestens 1,7 US-Dollar pro Gallone verkaufen möchte.

Steigt nur der Kerosinpreis über 1,7 US-Dollar pro Gallone, hat die Lufthansa ein gutes Geschäft gemacht. Fällt der Preis darunter, freut sich der Ölproduzent.

Im Fachjargon wird dieser Vorgang als “Hedgegeschäft” bezeichnet und ist in dieser Form in nahezu jeder Branche zu finden. Insbesondere dort, wo Rohstoffe verarbeitet werden.

Achtung: Im obigen Beispiel handelt es sich um ein “unbedingtes Derivat”, das am Ende der Laufzeit ausgeführt werden MUSS. Es existieren auch “bedingt Derivate”, die dem Besitzer die Wahl lassen, ob es zur Ausführung der genannten Leistung kommt. Häufig zu finden sind diese bedingten Termingeschäfte bei Optionen.

Welche Derivate gibt es?

Derivate ist der Überbegriff für ein gigantisches Imperium von Finanzprodukten.

Die wichtigsten und am häufigsten verbreiteten Derivate möchte ich Dir an dieser Stelle vorstellen.

Exkurs: Handel mit Derivaten

Der Handel mit Derivaten wird in zwei Gruppen geteilt:

Zum einen existieren Derivate, die “Over the Counter” (OTC) gehandelt werden. Diese sind nicht an der Börse zu finden, sondern eine Transaktion findet direkt zwischen zwei Marktteilnehmern statt. Überwiegend wird diese Methode von Investmentbanken genutzt.

Bei der anderen Gruppe handelt es sich um börsengehandelte Derivate, die auch für uns Privatanleger zugänglich sind und festen Vertragsbedingungen unterliegen.

Nun aber zu den wichtigsten Derivaten…

1. Optionen

Optionen sind die am meisten verbreiteten Derivate unter Privatanlegern.

Hierbei handelt es sich um einen Kontrakt zwischen zwei Parteien (z.B. Bank und Anleger), die es dem Käufer ermöglichen, einen exakt definierten Vermögenswert zu einem festgelegten Preis und einem exakt benannten Ablaufdatum (oder vorher) zu erwerben (Call) oder zu veräußern (Put).

Du erwirbst als Käufer also das Recht, einen Basiswert zu kaufen oder zu verkaufen, der Ausgeber der Option verpflichtet sich, Dir diesen Basiswert zu verkaufen bzw. von Dir abzukaufen.

Kompliziert?

Hier ein Beispiel…

Du rechnest mit einem steigenden Goldpreis, der aktuell bei 1600 US-Dollar liegt. Folglich erwirbst Du eine Option mit der Laufzeit von 6 Monaten, die einen Goldpreis von 1.800 beinhaltet.

In 6 Monaten müsste Dir der Herausgeber der Option folglich Gold für 1800 Euro verkaufen.

Innerhalb dieser 6 Monate passiert jedoch einiges!

Der Wert einer Option schwankt nämlich. Teilweise sogar extrem!

Beim dargelegten Beispiel handelt es sich um eine Call-Option, Du “wettest” also auf steigende Preis. Steigt nun der Goldpreis, steigt auch der Wert Deiner Option.

Einen zusätzlichen Anreiz schaffen häufig die Hebel, die in Optionen zu finden sind. Diese habe ich bereits erklärt: Sie potenzieren die Kursentwicklung des Basiswerts und den festgelegten Faktor X.

Aber Vorsicht: Optionen, die mit einem Hebel ausgestattet sind, besitzen großes Potenzial und eine sehr große Gewinnspanne. Auf der anderen Seite ist jedoch auch das Abwärtsrisiko unglaublich hoch. Nicht selten ist hier ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals der Fall.

Stellt sich abschließend die Frage: Warum sollten man überhaupt Optionen erwerben? Warum nicht einfach Gold kaufen, wenn man von einem steigenden Goldpreis ausgeht?

Die Antwort ist relativ simpel…

Der Zugang zu Märkten ist Dank Optionen deutlich einfacher. Außerdem können durch Optionen Märkte erschlossen werden, die andernfalls schlichtweg unerreichbar wären, was insbesondere bei Rohstoffen der Fall sein wird.

Würdest Du lieber 10 Ölfässer in Deinem Keller lagern oder eine Option auf Öl kaufen?

Die Antwort ist, denke ich, eindeutig.

2. Futures

Futures habe ich im vorherigen Kapitel bereits kurz angesprochen.

Hierbei handelt es sich um einen Terminkontrakt, der den Austausch eines Basiswerts zwischen zwei Parteien zu einem festgelegten Preis und einem festgelegten Datum in der Zukunft garantiert.

Futures werden in der Regel zur Risikominimierung eingesetzt, insbesondere wenn Rohstoffe im Spiel sind.

Es gibt wirklich für nahezu alles Futures.

Vom Weizen über Schweinebäuche bis hin zu Edelmetallen.

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3. CFDs

CFDs (contract for difference) sind das Zockerprodukt schlechthin und wirklich nur für Spekulanten geeignet. Sie ermöglichen den Kauf von einzelnen Einheiten eines bestimmten Vermögenswerts, zum Beispiel Aktien, Indizes oder Rohstoffe.

Zusätzlich sind diese Derivate mit teilweise gigantischen Hebeln im hohen zweistelligen Bereich ausgestattet.

CFDs ermöglich eine Wette auf steigende Kurse (Long-Position) oder fallende Kurse (Short Position).

Auch bei CFDs ist es so, dass Du den eigentlichen Basiswert nicht besitzen musst. Das ermöglicht es Dir, auch kleinere Beträge in Aktien zu investieren. So könntest Du zum Beispiel 50 Euro in Amazon-CFDs investieren, obwohl eine Aktie weit über 2.000 Euro kosten würde (Stand Mai 2020).

Der Zugang zu CFDs ist auch für Privatanleger sehr leicht und erfolgt meist über spezielle Apps oder Software. Sehr populär ist zum Beispiel die Smartphone-Anwendung “BUX(Achtung: KEINE Empfehlung, lediglich ein Beispiel. Ich selbst nutze BUX nicht).

Warnhinweis: CFDs ziehen immer wieder Privatanleger an wie Licht die Fliegen. Der Grund ist der vermeintlich geringe Einsatz, der durch einen Hebel extrem potenziert werden kann. Nehmen wir an, Du investierst 100 Euro in Long-CFDs einer Aktie und nutzt außerdem einen Hebel von x20. Somit würdest Du Dein Investment auf 2.000 Euro hebeln.

Klingt toll, oder?

Ein x20-Hebel potenziert jedoch auch jede Kursbewegung dieser Aktie um den entsprechenden Faktor. Diese bedeutet: Fällt die Aktie in diesem Beispiel um 5 Prozent oder mehr im Vergleich zu Deinem Einkaufspreis, sind Deine 100 Euro futsch.

Zur Klarstellung: 5 % x 20 = 100 %

Und eine Kursbewegung von 5 Prozent ist nun wirklich nicht viel!

Mein Rat an Dich: Finger weg von CFDs! Langfristige Geldanlage ist immer die bessere Wahl!

Fazit: Derivate sind etwas für Spekulanten und…

…eignen sich für Privatanleger, wenn überhaupt, wirklich nur zur Risikoabsicherung Deines Depots. Und auch das würde ich Dir wirklich nur dann empfehlen, wenn Du Dich extrem mit dieser Materie auseinandersetzt und bereits über Erfahrung an den Finanzmärkten verfügst.

Immer wieder lese ich bei anderen Finanzblogs, dass CFDs und Optionen mit einem sehr, sehr kleinen Geldbetrag genutzt werden, um den “inneren Zocker” zu befriedigen. So könnte man bei der “richtigen Geldanlage” bessere Entscheidungen treffen.

Letztendlich muss das jeder selbst für sich beurteilen und entscheiden.

Für mich wäre es nichts.

Geldanlage hat nichts mit “Zocken”, sondern mit rationalen und durchdachten Entscheidungen zu tun.

Wie siehst Du das? Hast Du schon einmal mit Derivaten gehandelt? Wie waren Deine Erfahrungen?

Ich freue mich auch Deinen Kommentar?

Kurzes Derivate-FAQ

Derivat erklärt in einem Satz

Ein Derivat ist ein Finanzprodukt, das die Wertentwicklung eines Basiswertes (schwer zugängliche Werte) abbildet, zum Beispiel von Öl oder Gold.

Wie können Derivate als Privatanleger eingesetzt werden?

Du hast als Privatanleger zwei Möglichkeiten, Derivate zu nutzen:

1. Als Risikoabsicherung für Dein Depot, indem Du Derivate erwirbst, die bei fallenden Kursen steigen würden und so den Verlust Deiner Wertpapiere abschwächen.

2. Als Spekulation auf verschiedene Produkte.

Dein Depotstudent Dominik

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