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Die wichtigsten Aktien Kennzahlen für Privatanleger

Depotstudent Dominik
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Tag für Tag ziehen die Aktienmärkte Millionen von Investoren, Tradern oder Spekulanten an. Neben zahlreichen Gewinnern sind jedoch leider auch viele Verlierer, meist Privatanleger, unter ihnen zu finden.

Diesen privaten Investoren fällt es, neben der Vermeidung von psychologischen Fehlern, in der Regel sehr schwer, die richtigen Aktien auszuwählen. Häufig wird aus dem Bauch heraus, nach Sympathien (ich fahre seit Jahren BMW, also kaufe ich auch Aktien des Unternehmens) oder auf Anraten von Bankberatern bzw. Analysten entschieden, welche Aktien den Weg ins Depot finden – leider in vielen Fällen ein Verlustgeschäft und eine herbe Enttäuschung.

Ein System muss also her, das es Privatanlegern ermöglicht, Unternehmen von zu Hause aus und in Eigenregie zu bewerten.

Ein System, das einfach ist, klaren Regeln folgt und problemlos mithilfe frei zugänglicher Medien angewendet werden kann. Aus diesem Grund behandelt diese Lektion der Aktien Einsteiger Serie die 6 wichtigsten Aktien-Kennzahlen für private Investoren.

Ich möchte Dir diese genauer erklären und dadurch die Unternehmensanalyse – genauer die quantitative Analyse – auch für Dich interessant und verständlich machen.

Glaube mir: Wer nach den richtigen Kennzahlen sucht und weiß, wie diese zu interpretieren sind, wird langfristig die guten von den schlechten Unternehmen zu unterscheiden wissen und seine Performance erheblich verbessern.

Die quantitative Unternehmensanalyse bietet vor allem drei entscheidende Vorteile für private Investoren:

  1. Sie kann in Verbindung mit mehreren Handelsstilen angewendet und sogar mit technischen Strategien kombiniert werden.
  2. Kennzahlen, die für eine quantitative Analyse benötigt werden, lassen sich bei nahezu jedem Broker schnell, einfach und kostenlos finden.
  3. Dem Privatinvestor wird ein Regelwerk an die Hand gegeben, das transparent und einfach zu verstehen ist. Dadurch können emotional bedingte Fehlentscheidungen reduziert werden.

Also: Lass uns starten!

Die Huber-Müller AG in Zahlen

Ich möchte in diesem Beitrag nicht nur theoretisch werden, sondern alle vorgestellten Kennzahlen auch tatsächlich anwenden.

Aus diesem Grund habe ich die fiktive „Huber-Müller AG“ ins Leben gerufen, die folgende Kennzahlen ausweisen kann:

Aktueller Aktienkurs: 14,00 Euro

Im Umlauf befindliche Aktien: 1.000.000

Dividendenrendite:

2012: 1,5 %

2013: 1,65 %

2014: 1,8 %

2015: 1,9 %

2016: 2,1 % (Prognose)

Gewinne pro Aktie (EPS):

2012: 1,00 Euro

2013: 1,20 Euro

2014: 1,60 Euro

2015: 2,00 Euro

2016: 2,60 Euro (Prognose)

Gesamtkapital: 10.000.000

Eigenkapital: 4.000.000

EBIT-Marge: 30 %

Kennzahl 1: Das KGV

Beginnen möchte ich mit der wohl simpelsten, jedoch auch am häufigsten verwendeten Aktien-Kennzahl überhaupt, die sofort einen ersten Überblick über die aktuelle Situation eines Unternehmens liefert: Das KGV.

Mit dem Kürzel KGV ist das aktuelle „Kurs-Gewinn-Verhältnis“ gemeint, das ausdrückt, wie hoch ein Unternehmen im Hinblick auf seine Gewinne und den aktuellen Kurs bewertet wird.

Einfacher ausgedrückt: Anhand des KGV wird deutlich, wie die Gewinne des Unternehmens im Verhältnis zum aktuellen Kurs zu sehen sind – sprich, ob das Unternehmen gerade billig oder teuer ist.

Dabei gilt: Je niedriger das KGV ist, desto günstiger ist das Unternehmen aktuell bewertet.

Berechnet wird das KGV auf eine denkbar simple Weise:

Aktueller Kurs : Gewinn pro Aktie = KGV

Ein Beispiel:

Die Huber-Müller AG konnte im Jahr 2015 einen Gewinn pro Aktie von 2,00 Euro erwirtschaften. Der aktuelle Aktienkurs liegt bei 14,00 Euro. Demnach ergibt sich ein aktuelles KGV von 7 (14 Euro : 2 Euro).

Die Huber-Müller AG wird also aktuell mit dem 7-fachen ihres Jahresgewinns bewertet. Das heißt für Dich: Es wird 7 Jahre dauern, bis Du Deine Investition durch Unternehmensgewinne erwirtschaftet hast (ein sehr guter Wert im Übrigen).

Einen Nachteil hat das KGV jedoch, der Dir vielleicht nicht entgangen ist: Es wird vorausgesetzt, dass der Gewinn in den nächsten 7 Jahren bei zwei Euro konstant verharrt. In der Realität ist das in der Regel aber nicht der Fall, vielmehr schwanken die Gewinne von Jahr zu Jahr sehr stark (s. Abschnitt 3).

Wichtig ist also, dass Du bei wirklich jeder Unternehmensbewertung anhand der aktuellen Kurs- und Gewinn-pro-Aktie-Daten das KGV selbst errechnest!

Aufgepasst!

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Das KGV in der Praxis

Hast Du das KGV eines Unternehmens ermittelt, frägst Du Dich natürlich, was genau mit diesem anzufangen ist bzw. welcher Wert als gut und welcher Wert als schlecht einzustufen ist.

Generell gilt: Je niedriger das KGV ist, desto besser. Daher solltest Du Dich nur für Unternehmen interessieren, deren KGV um die 15 liegt.

Warum?

Ganz einfach: Wir bedienen uns historischer Kurswerte, um ein „faires KGV-Niveau“ zu ermitteln. Da das KGV im Verlauf der Zeit starken Schwankungen unterliegt, lässt sich auf einfache Weise ein Durchschnittswert errechnen, also ein Wert, um den das KGV aller Unternehmen seit vielen Jahrzehnten pendelt.

Dieser Wert liegt ungefähr bei den oben genannten 15.

Es macht also Sinn, Unternehmen zu kaufen, die unterhalb dieses Durchschnitts liegen und somit unterbewertet erscheinen.

Achtung: Pauschalisieren lässt sich dieser Wert dennoch nicht, da er stark branchenabhängig ist. Es kann Branchen geben, die ein deutlich höheres historisches KGV aufweisen als die genannten 15.

Besonders interessant wird das KGV übrigens zum Jahreswechsel, wenn Unternehmen ihre Bilanzen zum vergangenen Geschäftsjahr vorlegen, denn nun werden die Gewinn-pro-Aktie-Einschätzungen des Vorjahres offiziell durch den Vorstand bestätigt.

Außerdem werden die Schätzungen des neuen Jahres durch Analysten konkreter und aussagekräftiger. Wenn also das Jahr 2016 endet und das Jahr 2017 beginnt, nehmen sich Analysten die Zeit, eine Prognose für das Geschäftsjahr 2017 unserer Huber-Müller AG abzugeben.

Beispiel: Wird im neuen Jahr nicht vom gleichen Gewinn pro Aktie wie in 2016 (2,60 Euro) ausgegangen, sondern wird dieser Wert auf 3,20 Euro erhöht, sinkt folglich auch das KGV. Dadurch kann es passieren, dass Unternehmen, die vor dem Jahreswechsel eher nicht interessant waren, plötzlich interessant werden – und umgekehrt.

Achtung: Bleib in derselben Branche!

Es ist wichtig, das KGV eines Unternehmens mit dem KGV anderer Unternehmen zu vergleichen.

Insbesondere dann, wenn Du Dich für eines von zwei sehr guten Unternehmen entscheiden musst. Wenn Du das tust, solltest Du genau darauf achten, nur Unternehmen der gleichen Branche zu vergleichen.

Bewertest Du also einen Autobauer, solltest Du ihn auch nur mit anderen Autobauern vergleichen und nicht beispielsweise einen Logistik-Konzern heranziehen.

Zusammenfassung

  1. Das KGV gibt einen ersten Einblick in ein Unternehmen, sollte jedoch keinesfalls als alleiniges Entscheidungskriterium herangezogen werden.
  2. Das KGV errechnet sich aus aktuellem Aktienkurs : Gewinn pro Aktie.
  3. Je niedriger das KGV eines Unternehmens ist, desto besser.
  4. Das KGV liegt im historischen Durchschnitt bei 15.
  5. Das KGV eines Unternehmens muss mit dem eines Branchen-verwandten Unternehmens ins Verhältnis gesetzt werden.
  6. Das KGV sollte immer eigenständig anhand des tagesaktuellen Kurses berechnet werden. Im Idealfall zum Jahreswechsel.

Kennzahl 2: Das Gewinnwachstum – Gewinn pro Aktie

Bevor wir uns der Kennzahl „Gewinn pro Aktie“ (engl. Earnings per share, Abkürzung EPS) widmen, muss ich Dich zu einem kurzen Exkurs in die Betriebswirtschaftslehre entführen.

Nur so kannst Du die Wichtigkeit dieser Kennzahl wirklich verstehen.

Zunächst einmal eine Frage: Was ist das Ziel eines jeden Unternehmens?

Richtig.

Gewinne erzielen!

Diese Gewinne sind jedoch an harte Arbeit und eine durchdachte Strategie geknüpft.

Wie schwierig es tatsächlich ist, ein profitables Unternehmen zu führen, wird uns immer wieder vor Augen geführt, wenn große Konzerne gezwungen sind, Mitarbeiter zu entlassen, Firmenanteile zu verkaufen oder Dividenden zu streichen, weil Gewinne eingebrochen sind.

Solche Probleme gilt es möglichst frühzeitig zu erkennen, um diese Unternehmen unter keinen Umständen ins eigene Depot zu holen. Wir müssen also erkennen, was ein gutes Unternehmen ausmacht.

Konzentrieren solltest Du Dich vor allem auf drei Bereiche:

  1. Gutes Management
  2. Durchdachter und optimierter Vertrieb
  3. Einzigartige und hochwertige Produkte

Dein Ziel sollte es also sein, Unternehmen zu finden, die in diesen drei Bereichen absolute Weltklasse sind, schließlich willst Du nur Aktien von den besten Firmen kaufen.

Da Du als privater Investor jedoch unmöglich jedes Unternehmen bis ins kleinste Detail analysieren kannst, benötigst Du eine Kennzahl, die auf möglichst simple Weise ausdrückt, wie erfolgreich ein Unternehmen die letzten Jahre gewirtschaftet hat und folglich wie gut die drei beschriebenen Bereiche umgesetzt wurden.

Dabei gehen wir von folgender Annahme aus:

Wenn die Gewinne eines Unternehmens innerhalb der letzten Jahre immer wieder gestiegen sind, müssen Management, Vertrieb und Produktqualität deutlich besser sein als bei Konkurrenzunternehmen.

Hier kommen die Gewinne pro Aktien ins Spiel.

Unternehmen, die seit vielen Jahren solide wirtschaften und gute Zahlen präsentieren konnten, müssen folglich auch bei der Kennzahl „Gewinn pro Aktie“ eine von Jahr zu Jahr signifikante Steigerung verzeichnen können.

Gewinn pro Aktie als Qualitätsmerkmal

Der Gewinn pro Aktie ist also nach dem KGV unsere zweite und sehr bedeutende Kennzahl (meiner Meinung nach sogar eine der wichtigsten Kennzahlen überhaupt). Dabei lässt sich der Gewinn pro Aktie nach zwei unterschiedlichen Zeitperioden analysieren:

  1. Quartalsweise Gewinne pro Aktie
  2. Jährliche Gewinne pro Aktie

Wer viel Zeit mitbringt und eine Aktie noch genauer durchleuchten möchte, kann gerne beide Zeitperioden bewerten.

Wir hingegen konzentrieren uns nur auf die Nummer 2, den jährlichen Zuwachs der Gewinne pro Aktie.

Der Gewinn pro Aktie auf Jahresbasis wird Dir leicht zugänglich von Online-Brokern im Profil eines Unternehmens bereitgestellt.

Er gibt Aufschluss darüber, wie erfolgreich ein Unternehmen in einem Kalenderjahr gewirtschaftet hat und drückt, wie der Name bereits erahnen lässt, den Anteil des Unternehmensgewinns in Euro aus, den Du mit einer einzelnen Aktie erzielen konntest.

Ein Beispiel verdeutlicht das Ganze:

Unsere Huber-Müller AG konnte im Jahr 2015 2 Millionen Euro Gewinn erwirtschaften. Im Umlauf befinden sich insgesamt 1 Million Aktien. Somit beträgt der Gewinn pro Aktie:

Jahresüberschuss : im Umlauf befindliche Aktien = Gewinn pro Aktie

2 Millionen : 1 Million Aktien = 2,00 Euro

Du siehst, die Kennzahl lässt sich auf simple und einfache Weise berechnen.

Anders als beim KGV reicht es hier jedoch nicht aus, den Gewinn pro Aktie isoliert als eigenständige Kennzahl zu betrachten. Vielmehr muss der Gewinn pro Aktie ins Verhältnis zu den Vorjahren gesetzt werden.

Warum?

Ganz einfach: Es hat keinerlei Bedeutung für uns, wenn wir wissen, dass der Gewinn pro Aktie im Jahr 2015 ganze 2 Euro betragen hat. Vielmehr wollen wir wissen, ob die Huber-Müller AG aufgrund ihres Geschäftsmodells, ihres Vertriebs und ihres Managements in der Lage war, den Unternehmensgewinn innerhalb der letzten Jahre immer wieder zu steigern. Wir wollen wissen, um wieviel Prozent der Gewinn pro Aktie von Jahr zu Jahr gestiegen ist, und beurteilen anhand dieses Wertes die Erfolgsaussichten des Konzerns für die Zukunft.

Ich empfehle, mindestens die letzten drei Jahre und auch die Schätzung für das kommende Jahr zu berücksichtigen, um ein genaues Bild von den Unternehmensgewinnen zu erhalten.

Das EPS-Verhältnis berechnen

Wir wollen also wissen, ob die Huber-Müller AG ihre Gewinne kontinuierlich steigern konnte, denn wir haben ja bereits die These aufgestellt, dass nur gute und solide Unternehmen dazu in der Lage sind.

Also machen wir Folgendes:

  1. Wir gehen drei Jahre zurück und suchen uns den genauen Wert für den Gewinn pro Aktie aus dem Jahr 2012. Dieser beträgt 1,00 Euro.
  2. Nun suchen wir den Wert des Folgejahres 2013, dieser beträgt 1,20 Euro.
  3. Im Anschluss setzen wir beide Werte ins Verhältnis, weil wir wissen möchten, um wieviel Prozent der Gewinn pro Aktie gestiegen oder gefallen ist. Diesen Wert erhalten wir mit folgender Rechnung: 1,20 Euro : 1,00 Euro – 1 = 0,2 also 20 %.
  4. Die Huber-Müller AG war also in der Lage, den Gewinn pro Aktie von 2012 auf 2013 um stolze 20 % zu steigern. Ein ordentlicher Wert!

Bleibt nur noch zu klären, ab welchem Wert wir von einem guten, prozentualen Anstieg sprechen können.

Eines vorweg: Hier gibt es viele unterschiedliche Meinungen.

Gerade für den Anfang empfehle ich jedoch, wirklich nur die Aktien auszuwählen, die durch eine deutliche Steigerung des Gewinns pro Aktie auf sich aufmerksam machen.

Daher würde ich kein Unternehmen berücksichtigen, das nicht in der Lage war, den Gewinn pro Aktie innerhalb der letzten 3 Jahre um jeweils mindestens 10 Prozent zu steigern.

Dadurch erhöhst Du Deine Chancen, wirklich nur die besten Unternehmen herauszufiltern.

Die Gewinnerwartung für das folgende Jahr ist ebenfalls ein sehr wichtiges Kriterium, auch wenn Du Dich hier zunächst auf Schätzungen von Analysten verlassen musst – diese berechnen nämlich den zukünftigen Gewinn pro Aktie, der bei Ihrem Broker notiert ist.

Auch hier gilt jedoch: Eine pauschale Antwort für den „perfekten Wert“ gibt es nicht. Vielmehr ist es auch so, dass sich einzelne Unternehmen hier erheblich unterscheiden. Je nachdem, in welcher Entwicklungsphase sie sich befinden.

Ein alt eingesessener „Dinosaurier“ wird nicht das EPS-Wachstum vorweisen können, das ein junges Fin-Tech-Unternehmen besitzt.

Mehr zu diesem Thema findest Du im Beitrag zu Peter Lynch, der genau aus diesem Grund 6 Aktienkategorien ins Leben gerufen hat.

Zusammenfassung

  1. Der Gewinn pro Aktie, kurz EPS, gibt Aufschluss über die jährlichen Gewinne.
  2. Gute Unternehmen können hier stetige Zugewinne verzeichnen.
  3. Der jährliche Gewinnzuwachs sollte nicht unter 10 Prozent liegen.
  4. Untersuche mindestens die letzten drei Jahre, sowie das kommende Jahr.

Kennzahl 3: Die Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote ist die dritte und zugleich simpelste Kennzahl in unserer Reihe.

Dennoch solltest Du dieser Kennzahl ihre verdiente Beachtung schenken. Wirklich gut geführte Unternehmen sind nämlich stets bemüht, eine hohe Eigenkapitalquote vorweisen zu können.

Zunächst einmal sollten wir verstehen, was die Eigenkapitalquote überhaupt ist: Einfach ausgedrückt gibt sie an, wie hoch der Eigenanteil eines Unternehmens am Gesamtvermögen ist.

Um also die Eigenkapitalquote errechnen zu können, müssen wir zunächst wissen, wie hoch das Gesamtvermögen eines Unternehmens und wie hoch das Eigenkapital ist. Nun können wir die Quote ausrechnen:

Gesamtkapital : Eigenkapital – 1 = Eigenkapitalquote in %

Bei unserer Huber-Müller AG würde die Rechnung wie folgt lauten:

10 Millionen Euro Gesamtkapital : 4 Millionen Euro Eigenkapital – 1 = 40 %

Somit beträgt der Anteil des Eigenkapitals der Huber-Müller AG am eigenen Unternehmen 40 Prozent. Die übrigen 60 Prozent, also das Fremdkapital, können sich zusammensetzen aus Krediten oder Unternehmensbeteiligungen von Dritten.

Die Eigenkapitalquote ist keine starre Zahl.

Vielmehr kann der Eigenanteil durch Gewinne, Zukäufe, Kreditaufnahmen oder Ähnliches erhöht aber auch reduziert werden. Sie sollten die Eigenkapitalquote also immer wieder neu bewerten, ich empfehle hier einen jährlichen Rhythmus.

Warum ist eine hohe Eigenkapitalquote wichtig?

  1. Das Eigenkapital ist sozusagen das Risikokapital eines Unternehmens. Denke an die Corona-Krise oder auch den VW-Abgasskandal zurück. Hier wäre eine hohe Eigenkapitalquote sehr wünschenswert, um die Krise meistern zu können und keine neuen Kredite aufnehmen zu müssen. Hieraus leitet sich bereits der erste wichtige Faktor ab, warum eine hohe Eigenkapitalquote Gold wert  sein kann: Eigenkapital ist ein sicheres Polster in Krisenzeiten.
  2. Auch für den Fall, dass ein Unternehmen neue Kredite benötigt, wird die Eigenkapitalquote herangezogen. Banken und Kreditinstitute stellen neues Geld nämlich nur dann zur Verfügung, wenn ausreichend Eigenkapital vorhanden ist. Schließlich ist eine hohe Eigenkapitalquote auch ein Beleg dafür, dass ein Unternehmen in den letzten Jahren solide gewirtschaftet hat. Eine hohe Eigenkapitalquote bietet also einen besseren Zugang zu neuen Krediten.
  3. Ein wichtiger Punkt fehlt noch: Eigenkapital ist sehr hilfreich bei der Entwicklung und Platzierung neuer Produkte. Gerade am Anfang kann eine neue Produktlinie Verlust erwirtschaften. Das Produkt muss bekannt gemacht werden und der Markt sollte es annehmen. Um diese Verlustperiode unbeschadet überbrücken zu können, sollte ausreichend Eigenkapital zur Verfügung stehen.

Eigenkapital ist also sozusagen der „sichere Hafen“ in Krisenzeiten. Achte also auf Unternehmen, die eine hohe Eigenkapitalquote vorweisen können. Ich nehme daher keine Unternehmen ins Depot auf, dessen Eigenkapitalquote unter 15 Prozent liegt.

Zusammenfassung

  1. Die Eigenkapitalquote gibt an, wie hoch der prozentuale Eigenkapitalanteil am Gesamtvermögen eines Unternehmens ist.
  2. Eine hohe Eigenkapitalquote sichert in Krisenzeiten ab und bietet besseren Zugang zu neuen Krediten.
  3. Die Eigenkapitalquote sollte nicht unter 15 Prozent liegen.

Kennzahl 4: Die Eigenkapitalrendite

Wir bleiben beim Eigenkapital, nun wird es jedoch etwas komplizierter.

Unsere nächste Kennzahl heißt: Eigenkapitalrendite oder Return on Equity (RoE).

Diese Kennzahl sagt aus, wie profitabel das eigene Kapital in einem Unternehmen arbeitet, gibt also Auskunft über die Verzinsung des Eigenkapitals und die Ertragskraft des Unternehmens.

Berechnet wird die Eigenkapitalrendite folgendermaßen:

Gewinn (nach Steuern oder EBIT) : Eigenkapital * 100

Berechnen wir nun die Eigenkapitalrendite im Jahr 2016 unserer Huber-Müller AG:

2 Millionen Gewinn : 4 Millionen Eigenkapital * 100 = 50 %

Die Huber-Müller AG besitzt also eine stolze Eigenkapitalrendite von 50 % (ein solcher Wert ist in der Praxis leider so gut wie nie zu finden).

Was aber sagt dieser Wert über das Unternehmen aus?

Da die Huber-Müller AG von insgesamt 10 Millionen Unternehmenskapital 4 Millionen Eigenkapital besitzt und der Unternehmensgewinn 2 Millionen Euro beträgt, wird das eigene Kapital daher mit einem Zinssatz von 50 Prozent verzinst.

Je höher also die Eigenkapitalrendite ist, desto besser. Achte hier auf Unternehmen, die eine Eigenkapitalrendite von mindestens 20 Prozent aufweisen.

Aufgepasst!

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Vorsicht Falle!

Viele Unternehmen steigern die Eigenkapitalrendite durch die Aufnahme von Krediten und durch Fremdkapital.

So kann die Rentabilität des Eigenkapitals gesteigert werden, wenn die Rendite des Unternehmens höher ist, als die zu zahlenden Kreditzinsen – grundsätzlich eine positive Entwicklung.

Aber: Kredite sind Schulden, die zurückgezahlt werden müssen.

Gerade in schlechten Zeiten, wenn die Unternehmensgewinne einbrechen oder der Gesamtmarkt ins Wanken gerät, kann diese Zinsbelastung der Anfang vom Ende sein.

Achte also im Zusammenhang mit der Eigenkapitalrendite immer auf die Eigenkapitalquote. Wenn die Eigenkapitalquote sehr klein ist, die Eigenkapitalrendite jedoch sehr hoch, sollten alle Alarmglocken klingeln. Lasse von solchen Unternehmen lieber die Finger weg!

Zusammenfassung

  1. Die Eigenkapitalrendite gibt an, wie gut das Eigenkapital im Unternehmen wirtschaftet.
  2. Die Eigenkapitalrendite sollte über 20 Prozent liegen.
  3. Vermeide Unternehmen, die eine sehr hohe Eigenkapitalrendite, jedoch eine sehr kleine Eigenkapitalquote besitzen.

Kennzahl 5: Die EBIT-MARGE

Die EBIT-Marge setzt sich aus zwei Begriffen zusammen, die uns bislang unbekannt sind: EBIT und Marge.

  1. EBIT

Als EBIT wird auch das operative Ergebnis eines Unternehmens bezeichnet. Die Abkürzung steht für „Earnings before interest and taxes“, also „Gewinne vor Zinsen und Steuern“. Der Jahresüberschuss wird bereinigt dargestellt.

  1. Marge

Als Marge wird eine Gewinnspanne, also der prozentuale Gewinn, bezeichnet. Dabei gilt: Je höher eine Marge ist, desto besser. Ein Beispiel: Wenn Sie ein Produkt für 1 Euro kaufen, dieses dann für 2 Euro weiterverkaufen, beträgt Ihre Marge 50 %.

Was drückt nun also die EBIT-Marge aus?

Die EBIT-Marge zeigt uns, wie hoch der Gewinn am Gesamtumsatz des Unternehmens ist, bevor Steuern und Zinsen abgezogen werden.

Vereinfacht gesagt ist die EBIT-Marge eine Art Gradmesser für die aktuelle, wirtschaftliche Situation des Unternehmens und demonstriert uns, wie profitabel ein Unternehmen wirtschaftet.

Folglich gilt: Je höher die EBIT-Marge ist, desto besser.

Folgendermaßen wird die EBIT-Marge berechnet:

(EBIT / Gesamtumsatz) * 100 Prozent

Die EBIT-Marge unserer Huber-Müller AG liegt bei 30 Prozent, was ein sehr guter Wert ist.

Dieser Wert sagt uns, dass vom gesamten Umsatz des Unternehmens 30 Prozent als Gewinn übrigbleiben, bevor Steuern und Zinsen abgezogen werden.

Bewerte diese Kennzahl sehr streng und nehme nur Unternehmen in Dein Depot auf, die eine EBIT-Marge von mindestens 15 Prozent vorweisen können.

Auch hier empfiehlt es sich, die letzten Jahre genauer zu studieren, um erkennen zu können, ob die Strategie eines Unternehmens erfolgreich ist oder nicht. Solide Unternehmen sollten in der Regel immer über den besagten 15 Prozent liegen.

Zusammenfassung

  1. Die EBIT-Marge verrät uns, wie profitabel ein Unternehmen ist, denn die Kennzahl setzt den Gewinn vor Steuern und Zinsen ins Verhältnis zum Gesamtumsatz.
  2. Die EBIT-Marge sollte über 15 Prozent liegen.

Kennzahl 6: Die Dividendenrendite

Diese Kennzahl nenne ich bewusst erst am Ende, weil ich ihr besonders viel Aufmerksamkeit schenken möchte.

Leider werden die Dividendenzahlungen eines Unternehmens gerade von Privatanlegern immer wieder unterschätzt oder, was noch viel schlimmer ist, gar nicht berücksichtigt.

Dabei sind Dividenden sozusagen das Salz in der Suppe, denn jährliche Dividendenzahlungen schaffen ein passives Einkommen und das nötige Kapital für Neuinvestitionen.

Für viel bedeutender als die Dividendenzahlung an sich erachte ich jedoch die Tatsache, dass Dividenden sehr viel über die Qualität eines Unternehmens aussagen.

Bei Dividenden handelt es sich nämlich um einen Teil des Unternehmensgewinns, den eine Aktiengesellschaft an ihre Investoren ausschüttet.

Was also ist die grundsätzliche Voraussetzung für eine Dividendenzahlung?

Richtig: ein Gewinn.

Wir haben bereits in Kapitel 3 erörtert, dass nur gute und solide Unternehmen Gewinne erwirtschaften.

Welche Unternehmen sind also die guten, die besten Unternehmen? Unternehmen die eine Dividende zahlen?

Ja und nein.

Dividenden werden auch von Unternehmen gezahlt, die sich über zwei, drei, vielleicht auch vier gute Geschäftsjahre freuen können.

Häufig kommt dann jedoch der Einbruch.

Die besten Unternehmen sind die, die ihre Dividende Jahr für Jahr erhöhen können, weil die Gewinne analog ebenfalls Jahr für Jahr steigen. Die jährliche Erhöhung der Dividendenrendite über viele Jahrzehnte hinweg ist also ein wichtiges Qualitätsmerkmal eines Unternehmens, das Dir zusätzliche jährliche Auszahlungen sichert, die reinvestiert werden können.

Beispiele hierfür gibt es viele auf der ganzen Welt.

Die Dividendenrendite sollte als bei Deiner Bewertung eine wichtige Rolle spielen.

Aber Achtung: Junge Wachstumsunternehmen schütten in der Regel keine Dividende aus, da der gesamte Gewinn für weitere Expansion im Unternehmen verbleibt. Das ist selbstverständlich in Ordnung und kein Zeichen mangelnder Qualität.

Auch hier verweise ich wieder auf die 6 Aktienkategorien von Peter Lynch!

Zusammenfassung

  1. Dividenden schaffen zusätzliches, passives Einkommen, das reinvestiert werden kann.
  2. Wichtiger als die Dividendenhöhe an sich ist die jährliche Erhöhung der Dividende. Die besten Unternehmen der Welt sind in der Lage, ihre Dividendenrendite bereits seit vielen Jahrzehnten stetig zu erhöhen.

Ein guter Rat zum Schluss

Du solltest jetzt nicht losziehen und Unternehmen suchen, welche die Anforderungen aller 6 Kennzahlen erfüllt, um sofort Deine gesamten Ersparnisse zu investieren.

Beschäftig Dich mit der quantitativen Unternehmensanalyse und bewerte auf jeden Fall mehrere Unternehmen, um zu lernen, was ein gutes und was ein schlechtes Unternehmen ist.

Ich würde Dir raten, eine Excel-Tabelle für jedes Unternehmen zu erstellen und hier die Ergebnisse der 6 Kennzahlen zu notieren.

So behältst Du den Überblick und entwickelst eine gewisse Routine. Außerdem ist es wichtig, dass Du ein eigenes Regelwerk besitzt, das Dir ganz genau sagt, wann Du eine Aktie kaufen und auch wieder verkaufen solltest.

Schreibe diese Regeln nieder und befolge sie bedingungslos!

Nur so kannst Du auch gewährleisten, dass keine psychologischen Fehler gemacht werden und keine Investition auf emotionaler Basis getätigt wird.

Zwei wichtige Ratschläge darf ich Dir noch mit auf den Weg geben:

  1. Erwarte keine 100-prozentige Trefferquote, denn die gibt es nicht. Die besten Investoren der Welt liegen wahrscheinlich nur in der Hälfte der Fälle richtig. Irren ist menschlich besagt ein altes Sprichwort. Das gilt auch an der Börse. Akzeptiere Verlust-Trades und trauere diesen auf keinen Fall hinter. Wenn Du Deine Verluste bedingungslos begrenzt, lässt der nächste große Gewinn mit Sicherheit nicht lange auf sich warten.
  2. Folge bitte keinen Aktienempfehlungen im Internet. Immer wieder glauben Bankberatern, Analysten oder auch einschlägige Fachzeitschriften, die Gewinner von morgen gefunden zu haben. Doch sei Dir bewusst, dass diese Spezialisten auch keine anderen Quellen zur Verfügung haben als Du. Führe die Aktienbewertung in Eigenregie durch und finden selbst die Unternehmen, die am besten zu Dir passen. Wenn Du dafür keine Zeit findest, dann würde ich Dir definitiv zu ETFs raten. Eine bessere Alternative, als blind Aktien auf Empfehlungen Dritter zu kaufen.

Dein Depotstudent Dominik

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3. Schritt: Eröffne ein eigenes Depot und beginne zu investieren!

Du magst es einfach, günstig und willst ne dicke Prämie?


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