depotstudent

Alle Kriterien von ETFs im Überblick

Fitness Frau

Was zeichnet einen ETF aus? Welcher ETF ist der beste und auf was sollte man achten? Gesamtkostenquote (TER), Domizil, Spread, thesaurierend oder ausschüttend und vieles mehr.

In diesem Beitrag erfährst Du vom Depotstudent nicht nur, was es bei den Kriterien für die Auswahl von ETFs zu beachten gilt. Es geht zusätzlich um etwas viel Entscheidenderes: Und zwar darum, dass manche Kriterien einfach vollkommen egal sind. Du kennst Buridans Esel?

Ja? Super.

Nein? Dann wirst Du bald erleuchtet. 😉

Oft ärgern sich die Leute mit einzelnen Kriterien von ETFs einfach nur sinnlos rum.

„Die Gesamtkostenquote ist bei diesem ETF zwar höher, aber das Fondsvolumen geringer! Ach du Schreck! Was mach ich denn jetzt? Und an die Tracking Differenz habe ich überhaupt nicht gedacht!“

Oh nein, da musst Du ja nochmal ganz von vorne anfangen! Und das wollen wir ja schließlich nicht.

Es sei bereits vorweggenommen: Es geht um den Vergleich von ETFs, die denselben Index nachbilden. Ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen soll an dieser Stelle nämlich NICHT stattfinden. Wir vergleichen also immer beispielsweise zwei ETFs auf den MSCI World (siehe Welche ETFs für Studenten?) miteinander. Daher die weitere Annahme: Es handelt sich um Aktien-ETFs.

Es wird also spannend: Was zeichnet einen ETF denn so aus und auf was sollte man achten (oder auch nicht)? Ich selber wusste damals nicht so recht, auf was man achten sollte (siehe Student, 21, will investieren – los mit eigenem Depot!).

Es folgt der Überblick, welche Charakteristika zur Auswahl von ETFs herangezogen werden können.

He!
1. Ich kann Dir übrigens eine kurze Mail schicken, wenn ein neuer Beitrag erscheint.
Klicke (kein) Newsletter
2. Oder ich teile neue Beiträge für Dich auf Facebook.
Klicke Depotstudent Dominik auf Facebook

Gesamtkostenquote (TER) von ETFs

Was schaut man sich an, wenn man wissen möchte, wie teuer der ETF ist?

Man wagt einen Blick auf die Gesamtkostenquote, auch TER (Total Expense Ratio) genannt. Der Name klingt zwar schön, ist allerdings wenig einleuchtend, da eben NICHT alle Kosten des ETFs widergespiegelt werden. Sie zeigt vielmehr, welche laufenden Kosten für den ETF anfallen. Im Gegensatz zur „landläufigen“ Meinung (oder zumindest ist das ein häufiger Irrtum) wird die TER auch nicht einmal im Jahr abgebucht, sondern kontinuierlich jeden Tag vom Fondsvermögen abgezogen.

Wer wirklich wissen möchte, was ein ETF insgesamt kostet, für den sind die Total Cost of Ownership (TCO) die richtige Kennzahl. Könnte nur schwierig werden, direkt an diese Kennzahl zu gelangen. Sie wird nämlich nicht offiziell angegeben und kann daher lediglich selbst näherungsweise berechnet werden. Da hilft die nachher folgende Tracking Differenz weiter.

Bei ETFs auf den MSCI World liegt die TER etwa zwischen

0,12% p.a. und 0,50% p.a.

Mein ETF auf den MSCI WORLD liegt bei einer TER von 0,3 % – schön in der Mitte.

Wieso hat der Esel sich eigentlich immer noch nicht blicken lassen?

Gemach, gemach! Er ist ein bisschen schüchtern!

Übrigens: Die TER ist auch ganz entscheidend für einen der größten Investmentfehler (siehe kostenloses Mini-eBook Die 11 größten Fehler von Studenten und Azubis bei der Geldanlage)!

Spread

Wenn Du einen ETF kaufst, musst Du mehr bezahlen, als Du bekommst, wenn Du einen ETF zum selben Zeitpunkt verkaufst. Das ist unfair (zumindest ein bisschen) und wird Spread genannt. Das liegt daran, dass Provisionen fällig werden. Denn von irgendetwas müssen die Leute ja auch leben, die es Dir ermöglichen, dass Du ETFs kaufen kannst. Also doch nicht ganz so unfair. Je geringer der Spread ist, desto geringer sind daher die Handelskosten für Dich (einer der Gründe für diesen Beitrag: Darum kaufe ich als Student keine Aktien).

So, jetzt wird’s unangenehm:

Unser Musterstudent Ott-Manfred stürmt ins Zimmer seiner geliebten Freundin Brunhilde-Anastasia und schreit (nicht zu ihrem Vergnügen):

„Oh nein, den ETF meiner Wahl kann ich bei meinem Broker ja gar nicht als Sparplan laufen lassen!“Schuh Riese

Katastrophe – eine Welt bricht in sich zusammen. Das Vorhaben mit dem favorisierten ETF (Ritter) wird durch die geballte Kraft der Sparplanunfähigkeit beim Broker (Schuh) zerschmettert.

Und ich stimme zu: Jo, der Broker sollte auch noch passen.

Also alles umsonst? Direkt nochmal von vorne anfangen?

Ist der ETF sparplanfähig oder nicht?

Das ist wirklich ein wichtiges Auswahlkriterium. Du kannst zwar auch wiederholt als Einmalanlage kaufen, aber:

  • Es ist wesentlich einfacher und weniger aufwändig
  • Du vergisst es nicht
  • Du investierst auch, wenn du keinen Bock hast
  • Oft gibt es schön günstige Angebote für Sparpläne

Ist ein Sparplan für Dich wichtig? Dann sollte darauf geachtet werden. Und das ist wesentlich wichtiger, als zum Beispiel eine Gesamtkostenquote (TER) von 0,28 % oder 0,3 %.

Wenn Du ohnehin nur mit einer Einmalanlage investieren möchtest, geht das natürlich auch. So mache ich es schließlich auch und kaufe dann ab und an nach (siehe Meine Transaktionen), wenn wieder etwas Geld übrig ist.

Fondsvolumen von ETFs

Das ist meiner Meinung nach nicht zu vernachlässigen. Sehr kleine und neuaufgelegte Fonds bergen das Risiko, dass sie zeitnah wieder geschlossen werden, sollten sich nicht genügend Interessenten (oder besser gesagt: Käufer) finden.

Fondsvolumina (bei ETFs auf den MSCI World) variieren etwa zwischen einer Million und zehn Milliarden Euro.

Viele Privatinvestoren kaufen ungern unter einem Fondsvolumen von 50-70 Millionen Euro. Das ist aber auch Geschmackssache und es handelt sich natürlich allenfalls um Richtwerte – nicht mehr und nicht weniger.

Klein und schwach weicht groß und stark.

Fondsdomizil von ETFs

Kurzform: War „früher“ (2017) mal ziemlich wichtig zwecks Besteuerung. Ist durch die neue Steuergesetzgebung aber kein wirklich relevantes Kriterium mehr. Meine ETFs haben beide das Fondsdomizil Luxemburg. Aber ist das jetzt eine entscheidende Eigenschaft?

Ich kann Dir sagen: Das war damals vielleicht eine Gaudi (nicht). Da musste man Fonds noch danach aussuchen, ob sie ihr Domizil im Ausland haben und ausschüttend sind, ausschüttungsgleiche Erträge ausweisen oder thesaurierend sind. Aber mit solchen Eigenschaften von ETFs möchte ich Deine kostbare Zeit nicht verschwenden. Vergangen ist vergangen. 😉

Weiter geht’s mit den Auswahlkriterien:

Indexabbildung von ETFs

Wie wird der Index abgebildet? Es gibt:

  • Physische Replikation
  • Sampling-Methode
  • Synthetischen Nachbildung

Physische Replikation bedeutet, dass die Wertpapiere tatsächlich von der Fondsgesellschaft gekauft werden. Alle im Index enthaltenen Aktien sind also wirklich Teil des ETFs.

Wenn Indizes allerdings eine Vielzahl von Aktien enthalten, wird das recht schwierig. Einfach zu aufwändig, ALLE Aktien zu kaufen. Bei der Sampling-Methode werden daher nicht alle Aktien aufgenommen, sondern nur eine solche Anzahl, die sicherstellt, dass sie repräsentativ für den Index sind. Wenn ich einen Index aus 2.000 Aktien habe und 500 Aktien davon einen Anteil von 0,0001 % ausmachen, muss ich diese Anteile ja nicht zwingend kaufen. Der ETF bildet den Index dann immer noch genau genug nach und hat geringere Kosten.

Synthetische Nachbildung heißt, dass die Fondsgesellschaft Wertpapiere kauft, die eigentlich überhaupt nichts mit dem Index zu tun haben.

Hört sich komisch an? Ein bisschen vielleicht…

Es werden sogenannte Swaps (Tauschgeschäfte) verwendet, sodass der Fondsgesellschaft die Wertentwicklung „zugesichert“ wird. Super ist, dass dadurch nur geringe Kosten entstehen. Abgesehen davon ist die Methode auch sehr genau, weil die Wertentwicklung beinahe 1:1 abgebildet wird. Nachteil, und zwar ein großer ist das Kontrahentenrisiko. Bedeutet, dass der Swap-Partner ausfallen kann und dadurch Verluste entstehen, weil die Wertentwicklung nicht mehr „bedient“ werden kann. Da ETFs auf Swap-Basis aber übersichert sind, wird das Risiko hier etwas vermindert.

Buridan, wo ist denn nun Dein Esel?

Performance Vergleich von ETFs

Aaaah, schön! Chartanalyse. Der geheime Liebling von Privatinvestoren. Eine Liaison, die so manchen Menschen Freude bereitet.

Für mich eher eine Dirne, an der sich (unberechtigterweise) auch der letzte Investor (oder Möchtegern-Investor) wiederholt erfreut. Das ist aber keine entscheidende Eigenschaft beim Vergleich von ETFs, denn:

Es nützt Dir leider bei ETFs (fast) überhaupt nichts.

Okay, eigentlich ist es weniger Chartanalyse und mehr ein einfacher Vergleich von wenigen Zahlen mit zwei Nachkommastellen. Und kann auch Sinn machen. Zumindest kann man erkennen, wenn mal etwas überhaupt nicht stimmt und man lieber die Finger von lassen sollte. Wenn sich der Indexfonds nämlich absolut schlecht schlägt im Vergleich zu seinem Index, ist wohl etwas ordentlich in die Hose gegangen.

ALSO: Bitte nicht übertreiben und eher nur mal kurz einen Blick auf diese Eigenschaft von ETFs werfen.

Nützen wird es allerdings nichts, wenn man sich für einen ETF entscheidet, weil er eine Performance hatte, die den anderen ETF um 0,01 % geschlagen hat. Der Fokus auf solche Details zögert nur die Anlageentscheidung heraus und lässt Dich aussehen wie den Esel von Buridan – keine Sorge, der bekommt noch seinen Auftritt.

Tracking Differenz von ETFs

Wenn man es genau wissen möchte, schaut man sich die Tracking Differenz an. Sie enthält nämlich die „versteckten“ Kosten, die ein ETF abgesehen von der TER verursacht.

Was ist die Tracking-Differenz?

Sie ist die Differenz von der Rendite des abgebildeten Indexes und der tatsächlichen Rendite des ETFs.

Also: Der MSCI World steigt um 7 %, Dein ETF auf den MSCI World steigt nur um 6,7 %

Voilà – Dein ETF hat eine Tracking-Differenz von -0,3 %.

Das zeigt Dir, was tatsächlich für Kosten anfallen und wie sich der ETF im Vergleich zum Index schläft. Das kann als Total Cost of Ownership betrachtet werden.

Was passiert aber, wenn es eine positive Tracking-Differenz gibt? Dann kannst (und solltest) Du ein kleines oder großes Fest veranstalten. Denn Dein ETF hat den Index geschlagen. Juhuu!

So etwas kann durch zusätzliche Einnahmen wie durch Wertpapierleihe oder vorteilhaftere Steuerregelungen zustande kommen. Da ein ETF den zugrundeliegenden Index auch nicht zu genau 100 % abbildet, kann es sein, dass sich die Anteile, die im ETF stärker vertreten sind, besser entwickelt haben als der Rest. Somit kann es auch dadurch zu einer positiven Tracking-Differenz kommen.

Wichtig dabei immer: Schau Dir nicht an, wie der ETF im letzten Monat ausgesehen hat, sondern schaue Dir an, wie hoch die Tracking-Differenz langfristig war.

Wenn Du sie Dir überhaupt so genau anschauen möchtest (siehe 10 Tipps für Studenten bei der Kapitalanlage).

Häufig reicht es auch, sich einfach kurz (!) die Wertentwicklung anzuschauen. Denn bei guter Performance sind die Gesamtkosten in der Regel am niedrigsten.

Währung von ETFs

Mir ist die Währung egal. Das kann ich Dir gleich sagen.

Wenn man in einen anderen Währungsraum investiert, als in den eigenen, kann es ein Währungsrisiko geben – schön und gut.

Viele meinen immer, es könne ein Wechselkursrisiko entstehen.

  1. Entstehen ist schon mal falsch. Entweder ist ein Risiko da oder eben nicht.
  2. Der Wechselkurs kann sich genauso zum Positiven wenden und man profitiert davon.

Es kann gut oder schlecht für mich laufen. Auf Dauer wird sich das Ganze wahrscheinlich einigermaßen ausgleichen und ich brauche mir keinen Kopf drum zu machen.

Wer sich absichern möchte, zahlt. So viel ist klar. Aber irgendwelche Finanzinstrumente zur Abschwächung von Wechselkursrisiken dürften wohl für die meisten Privatanleger uninteressant sein. So auch für mich – ich nehme dieses Risiko in Kauf und mache davon nicht meine ETF-Wahl abhängig.

Abgesehen davon ist es ohnehin sehr schwierig einzuschätzen, wie viel tatsächlich bei einem selbst ankommt, wenn es Wechselkursveränderungen gibt. Wenn der schwache Euro deutsche Exporte fördert und dadurch den DAX hochtreibt. Und wenn Firmen aus den USA dank des schwachen Euros günstiger bestellen, mehr produzieren und mehr Ausschüttungen emittieren, ist eben die Frage, ob sich das nicht irgendwie (zu einem gewissen Grad) auch wieder ausgleicht. Wenn ich einen ETF auf den MSCI World habe, ist darin nämlich fast alles enthalten.

Gewinnverwendung von ETFs: Ausschüttend oder thesaurierend?

Das ist wichtig! Zumindest wenn man eine Dividendenstrategie fährt.

Und wenn nicht? Dann ist diese Eigenschaft im Regalfall trotzdem relevant.

Thesaurierende ETFs behalten die fälligen Ausschüttungen einfach ein und erhöhen somit das Fondsvermögen. Die „Gewinne“ aus Ausschüttungen kommen dann automatisch wieder in den Topf. Das ist genau wie bei Zinsen. Da Zinsen (so denke ich doch) immer direkt wieder angelegt werden, ist das thesaurierend. Würden die Zinsen auf ein anderes Konto fließen, wäre das eine ausschüttende Variante.

Warum ist das wichtig?

  1. Ich liebe es einfach, wenn die Ausschüttungen jedes halbe Jahr auf meinem Konto landen. Einfach so. Ohne etwas zu tun. Da hat zwar jeder persönliche Präferenzen, aber mir hilft es bei der Motivation zur Geldanlage.
  2. Thesaurierende ETFs haben etwas höhere Renditen
  3. Man muss einfach je nach Anlegertyp und Anlagestrategie herausfinden, was für einen besser ist.

Die höheren Renditen sind darin begründet, dass kein Aufwand für die Ausschüttungen (Transaktionskosten) notwendig ist und der Zinseszinseffekt direkt greifen kann. Mir ist es aber egal, dass thesaurierende ETFs minimal höhere Renditen haben.

Juckt mi ed!

Mir machen Dividenden Spaß und Punkt. 😉

Noch wichtig: Bei der Besteuerung gibt es je nach Fondstyp kleine Vor- und Nachteile. Aber dazu hat Dr. Holger Grethe von Zendepot einen hervorragenden Beitrag verfasst. Sodass es nicht nötig ist, das hier weiter auszuführen. 😉

Einen kurzen Moment der Trauer

Buridans Esel bekommt leider erst im zweiten Teil seinen Auftritt. Die Eigenschaften und Auswahlkriterien haben recht viel Platz in Anspruch genommen, wodurch dieser Beitrag etwas länger geworden ist.

Damit ihm die volle Aufmerksamkeit zuteilwird (die er auch verdient), findest Du Buridans Esel im folgenden Artikel:

Nur 5 Kriterien bei ETFs entscheidend! (Warum Buridans Esel verhungert)

Starte endlich in 3 Schritten durch!

Fehler Geldanlage 1. Schritt: Vermeide die wichtigsten Fehler!

Hole Dir kostenlos mein Mini-eBook (7 Seiten)

Die 11 größten Fehler von Studenten und Azubis bei der Geldanlage

2. Schritt: Informiere Dich!

auf meiner Website depotstudent.de. Hier findest Du alles, was Du über die Geldanlage bei jungen Menschen wissen musst.

3. Schritt: Eröffne ein eigenes Depot und beginne zu investieren!

Du magst es einfach und günstig? Dann bitte kurz Ad-Blocker ausmachen, sonst siehst Du das Angebot nicht.


Schau mal hier.

Du magst es noch günstiger?

DEGIRO ist momentan der wohl günstigste Anbieter. Wenn Du Dein Depot über diesen Partnerlink eröffnest, erhalten wir beide 20 €! 🙂 Sonst gehen wir beide leer aus...

3 Kommentare

  1. Mich die ganze Zeit mir der Karotte vor der Nase durch den Artikel treiben in dem die ganze Zeit behauptet wird “der Esel kommt gleich” nur um zum Schluss zu sagen “ätsch, Artikel ist zu lang, der Esel kommt im nächsten Beitrag” ist nicht nett.

    1. Hi Rappo,
      das war auch ursprünglich nicht so geplant. War nur eine Notlösung, da mir die Zeit etwas knapp wurde..
      Wenn der Beitrag kommt, werde ich ihn direkt verlinken, damit man dann sofort rüberspringen kann.

      Liebe Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.